New Model Army

Carnival-Tour 2005

10.12.2005 Palladium / Köln

Von: Thomas Kröll

New Model Army Köln

Mittlerweile hat die Veranstaltung schon eine gewisse Tradition. Alle Jahre wieder laden New Model Army zum Weihnachtskonzert nach Köln. Diesmal feiert die britische Kultband um ihren unverwüstlichen Frontmann Justin Sullivan noch dazu ihr 25jähriges Bestehen. Beste Voraussetzungen also für eine schöne musikalische Bescherung.

Das Palladium ist mit geschätzt 4.000 erwartungsfrohen Fans denn auch gut gefüllt. Als Gäste haben sich New Model Army dieses Mal Honigdieb aus Dortmund (die wir verpassen) und Waltari aus Finnland eingeladen. Waltari sind kurzfristig für Killing Joke eingesprungen, die aufgrund einer Erkrankung ihres Sängers Jaz Coleman passen mussten. Die Finnen heizen die Stimmung mit ihrem Crossover-Gemisch aus Metal, Punk und Polka eine knappe Stunde lang gut und gekonnt an und dürfen erst nach zwei Zugaben abtreten.

Kurz vor 22 Uhr betreten dann die heutigen Hauptdarsteller die Bühne und werden von der Menge standesgemäß mit begeistertem Jubel empfangen. Ohne viel Firlefanz starten New Model Army mit „Water“. Das Stück ist ja auch der Opener ihres aktuellen Albums „Carnival“, von daher passt das schonmal. Der Sound ist gleich schön fett und perfekt abgemischt. Weiter geht es mit dem Uralt-Klassiker „Stupid Questions“ und „BD3“. Die Band ist in absoluter Topform, die Songs kommen alle ungemein druckvoll rüber. Es folgen „Fate“ und „Wonderful way to go“. Der neue Gitarrist Marshall Gill, seit Mitte 2005 für Dave Blomberg in der Army, darf zum ersten Mal zeigen was er alles draufhat.

Die Stimmung in der Halle ist gut aber nicht euphorisch. Das habe ich bei früheren Konzerten schon besser erlebt. Die Leute scheinen eher zu geniessen als zu feiern. Aber das ist in Ordnung. Liegt vielleicht einfach an der eher besinnlichen Jahreszeit. Mit „Carlisle Road“ holen auch New Model Army erstmals etwas Luft.

Aber nicht lange. „Another imperial day“, „Here comes the war“ und „Too close to the sun“ lassen wieder Köpfe und Muskeln zucken. “Another imperial day” zählt für mich ohnehin zum Besten auf “Carnival”. Die Stimmung steigt! Anschließend gibt es mit „Snelsmore Wood“ ein Stück Justin Sullivan solo an der Akkustikklampfe. Der Mann wirkt wahrscheinlich auch dann noch charismatisch wenn man ihm beim Schlafen zuschaut.

Wieder in Vollbesetzung geht es danach weiter mit „Red Earth“, „Before I get old“ und dem unvermeidlichen „51st State“. „Before I get old“ in einer sehr gelungenen neuen Version, die besonders von den Drums und der Gitarre getrieben ist. Klingt ungemein intensiv. Getreu dem Motto „We live real fast and still not die“.

Daraufhin packt Justin Sullivan seine gesammelten Deutschkenntnisse aus und kündigt „Island“ an: “Wir wissen, dass wir für euch sind Inselaffen“. „Island“ geht nahtlos über in „No Rest“. Gill spielt sein Instrument zur Abwechslung mal über dem Kopf. „Poison Street“ schließt sich an. Ebenfalls in einer etwas veränderten Version. Nach dem Harmonica-Part (der diesmal allerdings von der Gitarre übernommen wird) folgt ein kurzes Break. Zum Abschluß des regulären Sets schallt dann der Lachsack durch das Palladium, was nur „Get me out“ bedeuten kann. Aber soweit sind wir noch nicht. Bisher haben wir eine sehr rockige Show gesehen, wobei der Schwerpunkt eher auf den Songs des neuen Albums lag. Die Fans sind nun auch endgültig warm und fordern lautstark Zugabe.

Die kommt dann in Gestalt von „Flying through the smoke“ und „Heroes“. Ein alter, wunderbar hymnischer Song. Das Palladium taucht ab in sphärisches gelbes Licht und daraus erhebt sich, 4.000fach abgefeiert, „Vagabonds“. Geilomat! Anschließend haben alle wieder eine kurze Pause nötig. Die Menge verlangt nach mehr und natürlich bekommt sie noch mehr. Schön isses!

„Green and Grey“ wird aus voller Kehle mitgesungen und jetzt ist auch in den hinteren Gefilden endgültig Tanzen bis der Arzt kommt angesagt. Vor Sullivan steht ein Riesentyp im Publikum und mimt den Choreographen. Ein schönes Bild. Ich fürchte, weniger nur für denjenigen, auf dessen Schultern er da steht. Letzter Song ist „125MPH“. Die Band macht daraus einen amtlichen Jam und dehnt das Stück auf fast zehn Minuten aus. Nach fast zwei Stunden und insgesamt 22 Stücken ein würdiges Ende!

Im Nachhinein dann eigentlich doch zu kurz, ich jedenfalls hätte noch ewig weiter zuhören können. New Model Army haben ihre Klasse aber auch so mal wieder mehr als überzeugend unter Beweis gestellt. Was die Band nach all den Jahren immer noch symphatisch und authentisch wirken lässt, ist nicht zuletzt die Tatsache, dass sie stets auch die Interessen ihrer Fans im Auge behält. Bei einem Kartenpreis von 30 € (Abendkasse) kann sich niemand wirklich beschweren. So gehen mit Sicherheit auch heute wieder alle vollkommen zufrieden nach Hause. There`s always something new to fall in love with…

Kleiner Tipp noch: Vom 18.03. bis 07.05.2006 findet im Glaselefanten des Maximilianparks in Hamm mit „Arts & Artefacts“ eine Ausstellung zum 25jährigen Bandjubiläum statt. Am 06.05.2006 spielen New Model Army dazu in der Festhalle des Maximilianparks. Tickets werden in Kürze erhältlich sein.

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