New Model Army

High Tour 2007 - Support: Kleinstadthelden, Therapy?

22.12.2007 Palladium / Köln

Von: Thomas Kröll

New Model Army Köln

Seit 2000 ist das alljährliche Weihnachtskonzert in Köln so etwas wie ein Pflichttermin im Tourkalender von New Model Army und deren Fans. In diesem Jahr freut man sich am Rhein ganz besonders auf Justin Sullivan und Co., denn während der aktuellen High-Tour wurde Nordrhein-Westfalen ansonsten großräumig umfahren. So ist das Palladium heute mit geschätzt 3.500 Leuten zwar nicht ausverkauft, aber dementsprechend gut gefüllt. Obwohl der diesjährige Ticketpreis von knapp 35 Euro für die Band schon fast oberstes Level darstellen dürfte. Auch die Auserwählten auf der Gästeliste müssen wie immer 5 Euro für einen guten Zweck abdrücken, was wir natürlich gerne tun.

Als wir im Palladium einlaufen, verklingen gerade die letzten Töne der Kleinstadthelden, weshalb eine Beurteilung der Band aus der Nähe von Bremen an dieser Stelle entfällt. Im Publikum sichten wir wieder viele Freaks aus England und Holland, die New Model Army offensichtlich bereits seit den beiden letzten Gigs in London und Amsterdam hinterher fahren. Sie werden später während des Auftritts ihrer Helden einmal mehr etwas grobkörniger zur Sache gehen, aber das kennt man ja schon. Bereits jetzt durchziehen allerlei halluzinierende Nebelschwaden die Halle. Wir genehmigen uns derweil ein Weihnachtsbier und warten auf Therapy?.

Das Trio aus Nordirland legt pünktlich um 20 Uhr los. Mit "Troublegum" haben Therapy? 1994 immerhin ein Album für die Ewigkeit erschaffen, danach habe ich sie aber mehr oder weniger aus den Augen verloren. Frontmann Andy Cairns, Bassist Michael McKeegan und der seit 2002 trommelnde Schlagzeuger Neil Cooper freuen sich zwar sichtlich wieder da zu sein ("Dankeschön much"), haben allerdings durchgängig mit einem solch üblen Soundmatsch zu kämpfen, dass sowohl ihre älteren Songs als auch die Stücke des letzten Albums "One Cure Fits All" (2006) zu einem komplett blechernen Einheitsbrei verkommen. Wir halten etwa bis zur Hälfte ihres einstündigen Sets durch und verziehen uns dann akut hörsturzgefährdet zurück an die Theke. Schade, aber das war nix...

Nach 45 Minuten Umbaupause und weiteren drei Weihnachtsbieren geht es endlich richtig los. Das "High"-Intro erklingt und dann starten New Model Army mit dem Uralt-Knaller "Vanity" standesgemäß in den Abend. Die Bühne ist in sphärisches abwechselnd gelbes, rotes und blaues Licht getaucht und der Sound (sieh an!) wunderbar glasklar und druckvoll. "Wir wissen, dass wir sind Inselaffen", gröhlt Justin Sullivan und lässt passenderweise "Island" folgen. Danach gibt es mit "Into The Wind", "Breathing" und "Rivers" drei Stücke des aktuellen Albums "High" hintereinander. Die Fans sind bei den neuen Songs seltsamerweise etwas verhalten, Partystimmung will sich vorerst noch nicht so recht einstellen. Sullivan wirbelt zwar wie ein Derwisch über die Bretter, aber erst bei "The Hunt" springt der Funke auf die Halle über. Auch "Get Me Out" und "Before I Get Old" sorgen für reichlich Bewegung. Marshall Gill an der Gitarre, Keyboarder Dean White, Bassist Peter "Nelson" Nice und Drummer Michael Dean stehen ihrem Chef in Sachen Spielfreude in nichts nach. Perfekt! Einzig Justin Sullivans Gitarre zickt zwischendurch immer mal wieder rum, was den Techniker zu einigen schweißtreibenden Spontaneinsätzen und Sullivan himself zu einem kleinen Wutausbruch treibt. Was soll`s!?

Mit "One Of The Chosen", der herrlichen "Ballad Of Bodmin Pill" bis hin zu "Bad Old World" oder "Wonderful Way To Go" beweisen New Model Army, dass heute abend nur eines zählt: Spass, gute Laune und grossartige Musik im Überfluss! Immer wieder erheben sich die "Dolphins" aus der tanzenden und feiernden Menge vor der Bühne, sprich Fans, die auf den Schultern irgendeines bemitleidenswerten Kollegen stehen und mit ausgebreiteten Armen im Takt "mitschwimmen". Der Zugabenblock besteht dann aus lauter liebgewonnenen alten Bekannten. Angefangen bei "Fate", "Vagabonds" und "Poison Street". Spätestens beim obligatorischen "51st State" gibt es selbst für den allerletzten Bewegungsmuffel kein Halten mehr. Geile Kiste! Es folgen noch "Green And Grey" und "I Love The World", bevor nach etwas mehr als zwei Stunden Schicht im Schacht ist.

Auch wenn Justin Sullivan im Vergleich zum letzten Jahr sichtlich gealtert ist, bleibt es immer wieder beeindruckend, welche Präsenz und Energie dieser Mann auf der Bühne ausstrahlt. Wer zu einem New Model Army-Konzert geht, der weiß, dass er für sein Geld stets eine Vollbedienung bekommt. So auch diesmal. Ehrlich, symphatisch, authentisch - Kult halt! Und inzwischen die ultimative Einstimmung auf die Feiertage, die sicherlich auch im nächsten Jahr keiner der 3.500 zufriedenen Fans missen möchte. Zum Glück gibt es ja schon einen (wegen des Schaltjahres geänderten!) Termin für das Weihnachtskonzert 2008. Den 20. Dezember dürft ihr euch bereits jetzt fett im Kalender anstreichen! Dann werden wir mit Sicherheit alle wieder da sein, wenn es heisst: "This family is thicker than blood"! Rock`n Roll Christmas!

Setlist:
Vanity
No Mirror, No Shadow
Island
Into The Wind
Breathing
Rivers
The Hunt
Get Me Out
Before I Get Old
One Of The Chosen
Bloodsports
High
Ballad Of Bodmin Pill
Bad Old World
Wired
Wonderful Way To Go
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Fate
Vagabonds
Poison Street
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51st State
Green And Grey
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I Love The World  

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