Nightwish

Dark Passion Play Tour 2008, Support: Krieger, Pain

19.03.2008 Westfalenhalle / Dortmund

Von: Ingrid Silvasi

Nightwish Dortmund

Interessant zu lesen, wie meine Kollegin das Nightwish Konzert in Hannover empfunden hat – und vielleicht auch interessant hier eine zweite Meinung zum Konzert in Dortmund zu veröffentlichen, welches nur einen Tag nach dem Hannover-Konzert stattfand.

Als großen Nightwish-Fan würde ich mich zwar nicht bezeichnen, jedoch habe ich immer mit Interesse die Neuigkeiten um die Band verfolgt, auch wenn mein Nightwish Konzert mit Tarja am Mikro schon fast ein Jahrzehnt her ist... umso größer meine Neugier, was die neue Frontfrau Anette Olzon so alles drauf hat!

Doch vorher durch die Vorbands gekämpft, die mich beide sehr positiv überraschen! Schade, dass ich von Krieger jedoch nur noch die letzten beiden Songs mitbekomme... der Konzertbeginn ist kurzerhand um eine halbe Stunde vorverlegt worden! Der durchtrainierte Sänger der Dresdener Band überzeugt mit seiner rauen, leicht punkigen Stimme. Eine Mischung aus Rammstein und Bluesrock, die zwei Songs, die ich noch geboten kriege sind “In Flammen“ und “Heimat“ und gehen sowohl ins Ohr als auch in die Beine. Das nächste Mal mehr!

Frontmann und Mastermind Peter Tägtgren schwimmt mit seiner Band Pain auf der angesagten elektronischen Industrial Rock Welle. Metal-Riffs vom Feinsten, klarer Gesang vermischt mit einzelnen Screams, die charakteristischen Keyboards (live leider nur vom Band) und herrliche Backingvocals der restlichen Livemusiker machen den Sound-Mix perfekt. Die Lichtshow wirkt mit dem überwiegend blauen Licht kalt und steril, nicht so die Band, die vor allem mit den Ansagen von Mr. Tägtgren hier und da schon fast sarkastisch ist: ’Wanna see Nightwish?’, schreit Peter dem Publikum zu. ’But not yet! If you don´t like the song, just hate me!’ und kündigt damit den nächsten Song an. Schwere, melancholische Gitarren bestechen hier, live kommt der Song härter rüber als auf der “Nothing Remains The Same“ Scheibe. Zum Intro von “Shut Your Mouth“ stellt sich Peter dirigierend an den Bühnenrand – viele erkennen das Intro mit den charakteristischen Keyboard-Tönen sofort wieder. Ein Drumwirbel erfolgt zum Ende, ein Dankeschön auf Deutsch und ein hoffentlich baldiges Wiedersehen!

Bevor die Finnen von Nightwish jedoch die Bühne betreten, schaue ich mich näher in der Westfalenhalle um – schade, knackig voll ist es nicht geworden; der Umzug aus der kleineren Westfalenhalle 2 vielleicht nötig gewesen. Vor allem auf den Tribünen ist noch massig Platz und auch der stolze Preis an der Abendkasse von 45 Euro schreckt vielleicht hier und da ab, wenn die Finnen doch erst im Dezember in Oberhausen gespielt haben.

Der Graben ist für die Fotografen aus Sicherheitsgründen die ersten Songs tabu – großes Feuerwerk wird aufgefahren und während “Bye Bye Beautiful“ und “Dark Chest Of Wonders“ performt wird, werden diese im Takt abgeballert. “Amaranth“ kommt schwächer rüber als von der Platte, jedoch mit den typisch poppigen Bewegungen von Anette aus dem Video. Lagerfeuerstimmung zu “The Islander“ - Tuomas schnappt sich seinen Schlapphut, zwei Akustikgitarren gegriffen und nicht nur hier überzeugt Marco stimmlich. Auch bei den Parts mit Anette übertrifft er immer ihre Gesangsparts mit mehr Klasse und mehr Ausdruck.

Anette kündigt den nächsten Song “The Poet And The Pendulum“ an: ’a revealing glimpse into the mind of Tuomas. What is going to happen? Be prepared to be shocked!’ Ich ergreife die Gelegenheit und versuche einen besseren Standpunkt im Publikum zu finden – der Sound schallt furchtbar durch die doch recht leere Halle. Lametta ergießt sich währenddessen aus zwei Fontänen übers Publikum.

Auch nett: Marco braucht etwas Stärkung bevor er in die Wälder zieht und zückt eine Flasche – ein kompletter Instrumentalsong mit “Last Of The Wilds“ jedoch? Schade... Anette verlässt mal wieder die Bühne... “Sahara“ gefällt mir gut; durch die orange-roten Lichter wird der Eindruck der brennend heißen Sonne in der Wüste verstärkt und zu “Nemo“ schneit es plötzlich Kunstschnee über den Köpfen der Fans.

Doch so recht überzeugen kann mich all´ das nicht... Was ich auf der Bühne dargeboten bekomme, ist für mich nicht mehr Nightwish. Die Performance ist poppig und erinnert allenfalls an ein Nightwish Konzert zweiter Klasse - es fehlt das Bombastische, das Pompöse, die Magie, was nicht einfach mit Feuerwerk, Lametta und Kunstschnee wettgemacht werden kann. Das Divahafte, was Tarja auch auf der Bühne verkörpert hat durch ihre wenigen Bewegungen ist abgelöst durch ein poppiges hin und her, was so gar nicht mehr zu den alten Songs passt. Es ist eine nette, wenn auch leider langweilige Gesangsdarbietung und Show ohne jeglichem Flair. “Wishmaster“ wirkt stimmlich und auch von der Darbietung total unbeholfen und Anettes Kommentar nach dem Song fehl am Platz ’right now I feel more like a Sleepmaster – I´m so tired’. Falsche Ansage, Frau Olzon... oft wirkt die Frontfrau eher wie ein Comedian und ein gekünsteltes, dauerlächelndes Stehaufmännchen statt eine selbstbewusste Nachfolgerin für Tarja. End of an Era – wie wahr!

Nach dem Konzert spiele ich beim Verlassen der Halle hier und da Mäuschen und kann bei  anderen Konzertgängern auch diese Ernüchterung über die neue Frontfrau Nightwishs heraushören. Mir hätten weniger Effekte und mehr Show-, Sound- und Stimmqualität besser gefallen... und das was Anette und die Band anfangs so inbrünstig mit “Bye Bye Beautiful“ performt haben, kann ich momentan ebenfalls ihr nur erwidern...

Nightwish Setlist:
Bye Bye Beautiful
Dark Chest Of Wonders
Whoever Brings The Night
The Siren
Amaranth
The Islander
The Poet And The Pendulum
Sacrament Of Wilderness
Last Of The Wilds
Sahara
Nemo
-------
Wishmaster
Wish I had An Angel

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