Nils Petter Molvaer

Baboon Moon Tour 2011

28.11.2011 Stadtgarten / Köln

Von: Karsten Kraemer

Nils Petter Molvaer Köln

Mitte September erschien mit "Baboon Moon" das siebte Studioalbum von Nils Petter Molvaer, nun stellt der norwegische Jazztrompeter sein neuestes Werk auf einer Europa-Tournee dem Livepublikum vor. Sehr erfreulich, dass insbesondere auch kleinere Städte in Deutschland wie Nürtingen, Oldenburg oder das oberbayerische Elmau, dessen Schloss als außergewöhnliches Ambiente wohl zu zwei Gigs verholfen hat, in den Genuss dieses 51-jährigen Ausnahme-Musikers kommen dürfen bzw. durften.

Nachdem etwa zehn Tage vor seinem Auftritt im Kölner Stadtgarten der Veranstalter bereits "ausverkauft" meldete, verabschiedete man sich aufgrund der offensichtlich ungebremst anhaltenden Nachfrage kurzerhand vom Konzept der partiellen Bestuhlung im Großen Saal, so dass noch einige Interessenten an der Abendkasse ein Ticket erstehen konnten.

Kurz nach halb neun betreten Molvaer und seine beiden Mitstreiter Stian Westerhus (Gitarre/Bass) und Erland Dahlen (Schlagzeug) unter vorfreudigem, aber noch etwas verhaltenem Beifall die Bühne. Und gleich mit den ersten Tönen wird der Zuhörer unweigerlich und soghaft in einen dunklen, verzerrten Klangkosmos gezogen, den Molvaer bereits mit seinem Debütalbum "Khmer" 1998 erschuf und über die Jahre hinweg immer mehr perfektionierte. Dabei liebt der Norweger die Kontraste: Vor einem jazzigen Hintergrund werden elektronische Musik, moderne Rhythmen und aufgefächerte Sounds zu einer organischen - mitunter orgiastischen - Einheit verbunden, die mit eingeflochtenen Effekten wie Loops und Echos eine besondere Ästhetik entwickelt. Die Übergänge zwischen den einzelnen Stücken sind zudem absolut fließend, so daß überhaupt nicht die Möglichkeit besteht, dazwischen anerkennend zu applaudieren. Diese Gelegenheit ergibt sich erstmals nach etwa einer Stunde Spielzeit.

Westerhus, den Molvaer 2009 als Ersatz für seinen langjährigen Weggefährten Eivind Aarset engagierte, bringt dank seiner Erfahrung vom Industrial-Duo Monolithic sein ganz eigenes Noise-Soundverständnis ein, was NPM's Musik "neu" und teilweise weitaus extremer als zuvor zum Klingen bringt, während Dahlen, der einst bei Live-Auftritten der Indierocker Madrugada die Drumsticks betätigte, sein Können auch in einem experimentellen Jazzkontext unter Beweis stellt. Kongenial untermalt werden die Soundscapes von großflächigen Visuals, die hinter dem Trio auf eine Leinwand projiziert werden.

Die ganze Darbietung wirkt wie Miles Davis auf Speed, wie ein einziger musikalischer Fiebertraum, der nach knapp zwei Stunden inklusive zweier Zugaben beendet ist. Die drei Musiker bedanken und verabschieden sich höflich vom Publikum und entschwinden von der Bühne. Hier, und dies ist wirklich der einzige (kleine) Kritikpunkt des Abends, hätten zum Abschluß dann allerdings auch die beiden Jungs im Hintergrund, Videokünstler Tord Knudsen und Toningenieur Johnny Skalleberg, stehen müssen, die einen nicht unwesentlichen Anteil zum Gelingen dieses beeindruckenden Auftritts beigetragen haben.

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