o2 Musicflash mit Placebo, Support: Slut
Es herrscht bitterer Winter in unserer Hauptstadt, doch das hält große Placebo Fans nicht davon ab bereits ab 13 Uhr vor der Columbiahalle anzustehen. Denn am 10.03.2006 geben Placebo ihr erstes Konzert seit sehr langer Zeit in Europa… und das auch noch umsonst. Präsentiert wird das Spektaktel von dem o2 Musicflash, denn o2 feiert seinen 20. Geburtstag und dafür lassen sie ordentlich was springen.
Nachdem der Colubiadamm zeitweise gesperrt werden muss und der Druck von Seiten der Besucher steigt, werden die Türen ½ Stunde früher als erwartet geöffnet. Über 3000 Menschen haben das Glück eingelassen zu werden.
Der deutsche Supportact Slut überrascht mit einem ungewöhnlichen und sehr erfrischenden Vorprogramm. Das Publikum nimmt die Interpretationen der Dreigroschenoper freudig an und jubelt der Band zu. Zu Recht, denn die Stücke von Berthold Brecht und Kurt Weill sind ansonsten ausschließlich in Ingolstadt zu sehen. Mit dem guten alten Mackie Messer schließt die Band ihr Warm Up.
Während des Umbaus wächst die Spannung fast bis zur Unerträglichkeit. Doch gegen 22 Uhr ist es dann endlich soweit. Unter brausendem Applaus betreten Placebo die Bühne. Nach so langer Abstinenz von Deutschland ist die Erwartungshaltung des Publikums natürlich sehr hoch. Mit dem Song „Meds“ aus dem gleichnamigen neuen Album startet die Band auch sogleich durch. Einwandfrei und atemberaubend geht es voran mit „Infra-Red“, „Drag“ und „Space Monkey“.
Sehr routiniert spielen Placebo ihre Songs, man kann keinen Makel erkennen. Mühelos gleitet Molkos Stimme in Höhen und Tiefen ob clean oder verzerrt, es ist schier unglaublich. Die Stimmung in der proppenvollen Halle ist von der ersten Sekunde an auf Hochtouren.
Die 14 Songs lastige Setlist beinhaltet vorwiegend Stücke aus dem neuen Album, aber auch ein paar alte Klassiker wie „Bitter End“ oder „36Degrees“ finden ihren Platz. Professionell schreiten Placebo voran, wie man es von ihnen gewohnt ist. Die neuen Stücke beweisen, dass die Band erwachsen geworden ist. Stimmig und mit einem unverkennbaren roten Faden zieht sich ihre Songstruktur durch den Abend. Die Band selbst zeigt sich später höchst zufrieden mit dem Auftritt, der laut eigenen Aussagen einer der besten seit langem gewesen sei.
Nach (nicht ganz ;)) „20 Years“ ist das Ende der Songliste erreicht. Doch die Gäste geben keine Ruhe bis die Band zur Zugabe erneut das Rampenlicht betritt. Nun überraschen sie mit einer Coverversion von Kate Bushs „Running up that hill“, wobei ich hier den einzigen Kritikpunkt loswerden muss: Die Version dieses Klassikers überzeugt leider nicht, doch nach „Special K“ ist der kleine Ausrutscher gleich vergessen. Nach „Nancy By“, der dritten Zugabe verneigt sich die Gruppe freudig unter dem tosenden und wohlverdienten Applaus und nun wird leider klar, dass sich der Abend nun endgültig dem Ende zuneigt.
Schweren Herzens wird die Band entlassen und die Columbiahalle leert sich. Nach Korn dachte man schon o2 könnte ihren Musicflash nicht mehr steigern. Doch wieder einmal wurden wir eines besseren belehrt. Ein Wahnsinnsevent wurde uns geliefert, das uns mit Sicherheit noch lange im Gedächtnis bleiben wird.