O2 Music-Flash mit Deftones
Viele Unternehmen benutzen inhaltslose Floskeln, um ihre Produkte zu bewerben. Im Falle von dem bekannten Mobilfunkunternehmen, das u.a. mit Kaiser Franz, Veronika Ferres und Anna Nebtrenko wirbt, ist das „O2 can do“ kein falsches Versprechen, jedenfalls was deren populäre Konzertreihe „Music-Flash“ angeht. O2 can give you a nice concert! Und dass umsonst. Jedenfalls für die Glückspilze, die via SMS eines der begehrten Tickets ergatterten. Vor den Deftones konnte man im Rahmen dieser Aktion bereits Konzerten von illustren Bands wie Korn, Phoenix, Royksopp und Audioslave beiwohnen.
Es gab verschiedene Gründe, die dafür sprachen, sich die Deftones an diesem Abend anzugucken. Zum einen ist jeder Gig per se ein Versprechen, einen gelungen Abend zu erleben - jedenfalls was die Performance in geschlossenen Räumen angeht - zum anderen versüßte es die Wartezeit auf das fünfte Studioalbum "Saturday Night Wrist", auf dem sich die Kalifornier wieder auf ihre Wurzeln besinnen.
Punkt 21.30h betraten die Mannen um Frontmann Camillo "Chino" Wong Moreno die Bühne des E-Werks. Die Halle war gut gefüllt und die Stimmung ob des kostenlosen Hör- und Sehvergnügens überschwänglich. Zweifelsohne gehören die Deftones zu den großartigsten Rockbands, die die 90er hervorgebracht haben, aber wer die Jungs schon mal Open Air gesehen hat, weiß auch, dass der Sound stellenweise sehr zu Wünschen übrig ließ. Nicht jedoch an diesem Abend. Die Band erfreute sich bester Laune und der Sound erklang wie aus einem Guss.
Der Chino, der da auf die Bühne kam, wusste seiner Krankenkasse wahrscheinlich wohl zu gefallen, denn er hatte deutlich weniger Kilos auf den Rippen als gewohnt. Lag es vielleicht am Stress, bei den Aufnahmen, die - so wird gemunkelt - durch die ein oder andere Krise geschüttelt wurden? Nichts Genaues weiß man nicht…
Jedenfalls wuchs der kleine Frontmann an diesem Abend über sich hinaus und war stimmlich in Höchstform. So erklangen Hits wie „Passenger“, Be Quiet And Drive“ und „My Own Summer“ aus einer geölten Kehle, unterstützt von einer Band, die auf einer Höhe mit ihrem Frontmann war. Angespornt durch das moshende Publikum widmete er „Roots“ den Fans, die die Band von Anfang an unterstützt haben.
Diejenigen, die im Vorfeld auf die neuen Songs gehofft hatten, wurden nicht enttäuscht. Erst recht nicht, als sich „Beware“, die neue Single, „Rapture“ und „Hole In The Earth“ als Songs entpuppten, die wieder die unverkennbare Marschrichtung der Band einschlugen: eine Mixtur aus Härte und Sphäre, Krawall und Sensibilität.
Nach 1 ½ Stunden - prall gefüllt mit mitreißender Bühnenpower - folgte dann mit „7 Words“ der letzte Song des Abends. Nach dieser Vorstellung und dem Vorgeschmack auf großartige neue Songs sind die 15 Euro in das neue Album wohl gut investiert.