O2 Music-Flash

O2 Music-Flash mit HIM

04.06.2008 Festplatz am Südstadion / Köln

Von: Shirin K

O2 Music-Flash Köln

Feucht und heiß war das Wetter, feucht und heiß war wahrscheinlich auch der Großteil der HIM-Fans, die sich an diesem Abend in die O2 Halle begeben hatten, um Ville und seiner Gang zuzujubeln. Der Eintritt war umsonst und jeden Besucher erwartete ein O2-HIM-Pass, den er sich um den Hals hängen durfte, um auch mal ganz wichtig auszusehen. Draußen war es schwül und regnerisch, drinnen verhielt es sich auch nicht viel besser. Immerhin waren nicht die erwarteten 1.400 Besucher gekommen, daher gab es noch ein wenig Luft zum Atmen. Vorne quetschten sich schon Fans, die teilweise Stunden vor der Absperrung gewartet hatten, um ihrem Idol nahe zu sein. Dunkel geschminkte Augen genauso selbstverständlich wie schwarze Kluft und Nieten.

Aber sachte: Ich kann nicht über ein HIM-Konzert schreiben, ohne automatisch an mein eigenes – erstes – HIM-Erlebnis zu denken. Gehen wir also zehn Jahre zurück: Finnland war damals noch ein unbekanntes Land, PISA-Studie, Nightwish und Nokia – was ist das, Namen wie Lauri, Jyrki und Jonne wurden nicht von kleinen Mädchen mantramäßig heruntergebetet – oder geschrieen, Eläkeläiset und Kaurismäki waren Geheimtipps für Suomi-Fans, die damals noch schief angeschaut wurden („Sind die nicht alle total depressiv, weil es das ganze Jahr über dunkel ist?“).

Dann veröffentlichte eine finnische Band ein Album mit dem plakativen Titel „Lovesongs – Volume 666“, und ich, hungrig nach allem, was aus Finnland kam, stürzte mich sofort auf die einzige Kopie, die es in unserem Plattenladen gab. Es dauerte allerdings nicht lange und VIVA spielte das düstere Video zu „Wicked Game“ rauf und runter. Der langhaarige, geheimnisvolle Sänger mit dem lustig klingendem Namen Ville Vallo wurde innerhalb weniger Monate zum Idol einer ganzen Generation von Düsterrock-Anhängern. Und so begab auch ich mich 1998 in das Luxor, um mir HIM anzuschauen. Der Schuppen war brechend voll mit Metallern (kleine Gothic-Mädels gab es nur vereinzelt), Willwalle stand die meiste Zeit stylish mit Rotwein-Flasche, Zigarette und zusammengekniffenen Beinen auf der Bühne und schluchzte sich durch sein Set, das hart, verrucht und sexy daherkam. War DAS schöööön!

Zehn Jahre sind seitdem vergangen und ich habe HIM in dieser Zeit ziemlich aus den Augen verloren. Der unendliche Hype um Ville und die poppigeren Nachfolger-Alben hatten zu steigendem Desinteresse geführt. Umso spannender war es für mich, HIM wieder live zu erleben, diesmal vor viel mehr Menschen und mit vielen neuen Songs – und einem nüchternen Wallewalle. Die Bühne war mit mehreren kleinen Perserteppichen ausgelegt, und das Logo von HIM (ein Herz in einem Pentagramm = das sogenannte Heartagram) prangte auf der Bassdrum. Fast pünktlich kam die Band auf die Bühne und wurde von einem frenetischen Publikum empfangen. Von Anfang an war Ville der unbestrittene Mittelpunkt der Show, die mit dem Song „Passion Killing’s Floor“ aus dem neuen Album „Venus Doom“ begann. In den darauf folgenden anderthalb Stunden spielte die Band eine Art Best Of der letzten sechs Studioalben. Von alten Klassikern wie „Wicked Game“ und „Join Me“ über „Funeral of Hearts“ und „Right Here In My Arms“ bis hin zu „Bleed Well“. Der krönende Abschluss war aber der Coversong „Rebel Yell“, den die Band nicht so oft zum Besten gibt.

Warum Wallewalle jetzt nun die ganze Show über eine Strickmütze und einen Schal trug und seine Augen so gut wie gar nicht aufmachte, ist nicht ganz klar (so schlimm sah die erste Reihe nun wirklich nicht aus). Dass er allerdings während des gesamten Konzertes Kette rauchte, war abzusehen. Der Rest der Band war mehr oder weniger aktiv, von einer Performance konnte man aber nicht wirklich sprechen. Die Kombo kam ein wenig träge daher und auch der Sound war insgesamt etwas breiig, die Songs vom Klang her eher durchschnittlich. Ich musste auch mit Erschrecken feststellen, dass der Frontmann mittlerweile ziemlich abgemagert und verbraucht aussieht. Die Rock’n’Roll Jahre sind wohl nicht spurlos an ihm vorbeigezogen. Und das macht sich auch an seiner Stimme bemerkbar, die ein wenig von ihrer seidigen Qualität verloren hat und krächzig daherkommt. Selbst die Biere, die ich während der Show in mich hineinschüttete, konnten leider nicht über diese Unzulänglichkeiten hinwegtäuschen. Shit happens!

Fazit: Alles in allem eine nicht wirklich überzeugende Show mit wenigen Höhepunkten, zumal es eine wirkliche Kommunikation zwischen Band und Publikum nicht gab. Echt schade, denn Ville Vallo ist ein Musiker mit Herz und Seele und dem Potential eines Jim Morrison. Ja ja, das kann er bestimmt nicht mehr hören, also sage ich jetzt nur noch, kippis ja nähdään pian (prost und bis bald)!!! Auf dass es bald wieder bergauf geht!

Twitter

Amazon, Musicload, Napster & AOL-Download

Amazon.de Musicload

Mehr zum Thema:

Musicheadquarter Twitter RSS Feed abonieren! Musicheadquarter bei Facebook
Tickets Night Of The Prog Festival
Digg Reddit Del.icio.us Facebook Twitter Google Yahoo! MyWeb Furl" BlinkList Technorati Mixx Windows Live MySpace Mister Wong
Eagles Tickets bei www.eventim.de