Pre-Release Concert / Showcase
Bereits als Sängerin Ofri Brin die Bühne betritt ist klar, dass Jazzpop nicht immer Norah Jones sein muss. In ihrem blauen Kleid, mit einem rosa Etwas an der Schulter, der weißen Haut und den wilden feuerroten Locken zieht sie alle Blicke auf sich. Mir fällt sofort Alison Goldfrapp ein, als die ersten elektronischen Spielereien erklingen und noch mehr, durch das laszive Auftreten von Ofri Brin.
Das Publikum im gut gefüllten Quasimodo ist vom ersten Moment an begeistert. Die Grenze des Pop wird an diesem Abend oft überschritten, hinein in den Jazzbereich und, vielleicht noch überraschender, in den elektronischen Bereich. Die Band, besonders der Drummer Marco Bruckdorfer, spielt sich in Ekstase, so sehr, dass man einige Male befürchten muss, er prescht der Band davon. Im Laufe des Konzerts bereichert er den Sound um allerlei Percussionspielereien, sogar mit etwas das verdächtig nach Kinderspielzeug aussieht, ein Enten- und Kuhkopf, die rhytmisch geschüttelt, klappernde Laute von sich geben. Zu Recht erntet er bei der Bandvorstellung besonders viel Applaus. Ofri’s musikalischer Partner Oded K.dar ist die Ruhe selbst und wechselt gekonnt zwischen Gitarre und Piano hin und her.
Das Thema des Abends, wie sollte es bei einem Pre-Release Konzert anders sein, ist das neue, Ende Oktober erscheinende Album “On Shore Remain”. Die neuen Songs (wie „Better By Far“, „Time For A Decision“ oder „Give It A Shot”) zeichnen sich durch große Experimentierfreude aus. Es knistert, pluckert, kreischt hier und da auch mal arg unmelodisch. Genau diese ekstatischen Ausflüge werden vom begeisterten Publikum mit frenetischem Applaus gefeiert. Umso experimenteller der Sound, umso begeisterter das Publikum. Die Band spielt sich in ekstatische Zustände, geleitet von den elektronischen Klängen, als würden sie direkt durch ihr Blut fließen. Die Einflüsse des neuen Produzenten Eddie Stevens, der schon am Sound von Roisin Murphy herumgebastelt hat, sind deutlich hörbar.
Doch Star des Abends ist natürlich Ofri mit ihren wunderschönen Stimme. Auch sie lässt sich mit der Musik gehen. Wobei man befüchten muss, dass sie mit ihrem exaltierten Tanzstil Gefahr läuft, sich selbst mit dem eigenen Knie ein blaues Auge zu schlagen. Im Laufe des Konzertes baut sie auch ein wenig ihre „Alison Goldfrapp meets Shirley Manson Show“ ab, die sie in weiten Strecken des Abends mit großer Ernsthaftigkeit betrieben hat und lächelt öfter. Der große Zuspruch überwältigt sie sichtbar. Zu vier Zugaben kommen Ofri samt Band nochmal auf die Bühne. Darunter die sehr schöne Coverversion „I`m Your Girl“, im Original „I’m Your Man“ von Leonard Cohen, das sie einem Fan widmet, der nach genau diesem Song lautstark verlangt hat.
Unter großem Applaus betritt Ofri nach den Zugaben noch einmal ganz alleine die Bühne, um mit der Aufforderung „Can we talk?!“ den Beifall einzudämmen. Sie bedankt sich überschwänglich scheinbar bei jedem und verlässt mit einem Verweis auf das am 24.10. erscheinende neue Album „On Shore Remain“ endgültig die Bühne, begleitet von begeistertem Applaus.