History Of Modern Tour 2011 - Support: Zebra & Snake
An diesem sonnig warmen Freitag freut man sich gleich doppelt auf das Open Air Konzert der britischen New Wave Kultband Orchestral Manoeuvres in the Dark auf der Freilichtbühne im Stadtpark, um das angekündigte Sommerwochenende einzuläuten. Erfreulicherweise ist das Publikum hier vorrangig älteren Semesters, so dass ich mich heute auf einem Konzert auch mal "jung" fühlen darf. Der Altersdurchschnitt verwundert einen jedoch nicht, bedenkt man, dass die 1978 von Andy McCluskey (Gesang/Bass Gitarre/Keyboards), Paul Humphreys (Gesang/Keyboards) in Liverpool gegründete Synthiepop-Band ihre größten Erfolge schon in den frühen 80er Jahren neben Bands wie Depeche Mode, Soft Cell und Human League feierte. Nachdem sich die Band 1998 zunächst aufgelöst hatte, kam bereits 2006 die offizielle Wiedervereinigung in Originalbesetzung, zusammen mit Martin Cooper (Keyboards/Sax/Bass Gitarre) und Malcolm Holmes (Drums) kündigten sie die Arbeit an einem neuen Album an. Im September letzten Jahres veröffentlichten sie schließlich ihr 11.Studioalbum "History Of Modern", welches sie schon im November 2010 in einigen wenigen ausverkauften Liveshows in Deutschland (Hamburg, Docks) präsentierten. Jetzt sind sie ganz offiziell bei uns auf Albumtour und haben sich in sieben deutschen Städten die schönsten Open Air Locations für ihre Konzerte ausgesucht.
Als Support kündigten OMD die finnische Elektropop und New Wave Band Zebra and Snake an, die sie nach eigenen Angaben erst in diesem Jahr auf einem Festival in Oslo entdeckt haben. Das hierzulande noch recht unbekannte Musikertrio, bestehend aus den Freunden Matti (Bass, Vocals) und Tapio (Synthie, Vocals), sowie dem gerade neu hinzugekommenen Drummer Alpo, beginnt nach einer kurzen Begrüßung pünktlich um 19:00 Uhr ihr Set. Ihr leicht hippiemäßig anmutender Stil (lange Haare, Lennon-Brillen und zerrissener Jeanslook) kann auf den ersten Blick zunächst nicht überzeugen, wohl aber ihre musikalische Darbietung. Ruhige melancholische Melodien werden mit treibenden, elektronisch basierten Dancebeats kombiniert und erzeugen so einen gewissen Spannungsbogen innerhalb der Songs. Zweistimmige, schon fast ein wenig experimentell wirkende Parts, begleitet von durchlaufenden reduzierten Drums und Synthies, bieten dem Zuhörer mal ein etwas anderes Klangbild, welche aber mit in ihrem New Wave-Touch wunderbar ins Vorprogramm von OMD passen. Sänger Matti nimmt sich die Zeit, jeden Titel einzeln anzukündigen, Songs wie "Colors" oder auch "I Felt Nothing" von ihrem 2010 erschienenen Five-Piece-Album "Nighttime" haben auf jeden Fall schon einmal Hit-Potential. Dem Publikum hat es ganz offensichtlich sehr gut gefallen, so bekommen sie nach einer halben Stunde Spielzeit, und einem Dank der Band an das Hamburger Publikum, ihren gebührenden Applaus. Wir hoffen, dass wir möglichst bald schon mehr von diesen Jungs aus Helsinki hören werden und sie wieder bei uns in der Hansestadt begrüßen dürfen.
Kurz nach 20:00 Uhr werden die OMD Fans bereits etwas ungeduldig - mittlerweile ist es richtig voll geworden an der Freilichtbühne - und fordern unüberhörbar den Beginn des Konzerts, welches dann auch kurz darauf mit einem kurzen Elektro-Intro und einer Lightshow eingeleitet wird. Lautstark begrüßen die Fans die New Wave Ikonen ihrer Jugendtage, Frontmann Andy McCluskey springt förmlich auf die Bühne und eröffnet das Konzert dynamisch mit dem Titelsong des neuen Albums "History Of Modern", während sich die anderen Bandmitglieder eher im Hintergrund halten. Direkt vom ersten Moment an wird enthusiastisch mitgeklatscht, getanzt und mitgesungen, als wäre diese Band zwischenzeitlich nie fort gewesen, oder gerade weil sie fort war! Ein kraftvoller Synthie-Sound mit der unverwechselbaren und noch immer großartigen Stimme McCluskeys wird uns hier geboten, die drögen 80er Jahre E-Drums wurden durch akustische Drums ersetzt, was den heutigen Sound wesentlich voller und ansprechender macht. Auch bei den wenigen neuen Titeln die sie uns präsentieren sind die Einflüsse von Bands wie Kraftwerk, Neu!, David Bowie und Roxy Music spürbar, jedoch sind ihre Songs mittlerweile so modern arrangiert, dass der Sound prima in die aktuelle Musikszenerie passt.
Wirklich positiv überrascht bin ich von der herausragenden Qualität und mitreißenden Dynamik ihres Auftritts, da meine Erwartungen, nach einem recht enttäuschenden Konzert der Kollegen von Human League in diesem Jahr, im Vorfeld doch recht hoch gewesen sind. Umso erstaunlicher ist nun diese sagenhafte Bühnenpräsenz und Performance McCluskeys, der auf der Bühne hin- und herspringt und fitter wirkt als je zuvor, auch wenn das britische Herrenquartett optisch eben auch ein paar Jährchen älter geworden ist. Der sympathische OMD-Frontmann punktet weiterhin mit seiner charmanten Art, teils sogar auf Deutsch mit dem Publikum zu kommunizieren und sich nach jedem Song für den stürmischen Applaus und die Jubelrufe mit einem höflichen "Dankeschön" zu bedanken. Auch lässt er keine Gelegenheit aus, seinen Fans an beiden Bühnenseiten so nah wie möglich zu sein, steigt bei ruhigeren Songs hinab in den Graben und schlägt mit dem Publikum die Hände ein. Spätestens nach der ersten kurzen Animation zum Mitklatschen bei "Tesla Girls" hat jeden das Klatsch- und Mitsingfieber gepackt, "No No No" tönt es in lauten Chören aus dem Publikum, auch sonst zeigen sich die Fans nicht nur in den Refrains absolut textsicher. Die Stimmung steigt praktisch von Song zu Song weiter an, je mehr Lieder man wieder erkennt, desto euphorischer wird man selbst dabei und schwelgt in den Erinnerungen vergangener Tage.
Unvergesslich bleibt jener herrliche Moment, als Paul Humphreys "Forever Live And Die" singt und aus Reflex einen Schlüpfer fängt, der ihm aus dem Publikum zugeworfen wird. Nicht fehlen dürfen bei ihrem Auftritt natürlich die absoluten Klassiker wie "If You Leave", "Maid Of Orleans", "Talking Loud And Clear" und "Locomotion", den Sänger McCluskey dem nun verspätet im September eingetroffenen Sommer widmet. Nach "Sailing On The Seven Seas" kündigen sie leider um 21:30 Uhr schon ihren letzten Song "Enola Gay" an, der immerhin die erfolgreichste Single ihrer Karriere war. Hier erreicht die Stimmung des Konzerts noch einmal ihren atmosphärischen Höhepunkt, bevor sich OMD schließlich sichtlich beeindruckt und mit den Worten "It was amazing!" von einem mehr als begeisterten Publikum verabschieden. Doch das lässt sich so schnell nicht beirren und fordert wild applaudierend, rufend und pfeifend nach Zugaben ihrer Kultband. Glücklicherweise kommen die vier sympathischen Briten auch sogleich wieder auf die Bühne zurück, um zwei weitere Songs aus ihrem sagenhaften Repertoire zu performen. Ihre erste Single überhaupt "Electricity" von 1976 bildet den krönenden Abschluss dieses mitreißenden und energiegeladenen Konzerts. Mit den Wünschen für einen guten Nachhauseweg, auf ein baldiges Wiedersehen und mit dem Zusatz "Schlaft gut" beenden Orchestral Manoeuvres in the Dark um 21:45 Uhr ihr heutiges Konzert in Hamburg.
Von ihrem neuen Album haben sie leider nur wenige Titel mit in die Setlist aufgenommen, was ihnen aber sicher niemand aus dem Publikum übel nehmen wird. Wohin man nach dem Konzert schaut, man blickt ausschließlich in glückliche Gesichter, auch wenn einzelne Songs wie z.B. "Secret" von den Fans durchaus vermisst wurden. Sie haben uns an einem wundervollen Sommerabend zu einer großartigen Zeitreise durch die rund 30-jährige musikalische Erfolgsgeschichte von OMD mitgenommen und unter Beweis gestellt, dass sie auch heute noch eine Top-Liveband sind. Vielleicht sind sie sogar besser als je zuvor, aber das kann eigentlich nur jemand sagen, der sie früher einmal erlebt hat... Um die Stimmung des Konzerts noch einmal Revue passieren zu lassen, findet ihr hier das Video von "Enola Gay" live vom Konzert im Stadtpark.
Setlist: (ohne Gewähr)
History Of Modern III/IV
New Babies: New Toys
Messages
Tesla Girls
Radio Waves
History Of Modern (Part 1)
(Forever) Live And Die
If You Leave
Souvenir
Joan Of Arc
Maid Of Orleans
Statues
Green
Talking Loud And Clear
So In Love
Sister Marie Says
Locomotion
Dreaming
Sailing On The Seven Seas
Enola Gay
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Walking On The Milky Way
Electricity