Tour 2008 - Support: Cynic und The Ocean
Ausverkauftes Haus am 10.12. in der Live Music Hall bei einem Death Metal Konzert? Kein Wunder, betrachtet man das Billing des Konzerts genau. Neben dem Headliner Opeth - mittlerweile dank herrvoragender CD-Besprechungen u.a. im Spiegel auch ausserhalb der Metalszene bekannt - geben sich die Kultprogger von Cynic und The Ocean die Ehre.
Als erste Band des Abends spielen natürlich The Ocean. Die Berliner haben die undankbare Aufgabe, das Warming Up für zwei hervorragende Bands übernehmen zu müssen, die deutlich in einer anderen Liga spielen als sie selbst – und dazu auch musikalisch aus einer ganz anderen Ecke kommen. Eher aus der Sludgecore-, Postcoreecke stammend kann die Band dem Publikum jedoch einen achtbaren Applaus abringen. Und das zu Recht. Dank eines engagierten Stageactings und dem wirklich überzeugenden neuen Songmaterial macht es Spass sich den Gig anzusehen und ein wenig abzufeiern. Fraglich bleibt jedoch, ob die Band auch über die volle Spielzeit eines „richtigen“ Konzerts überzeugen kann. Für die dreißig Minuten an dem Abend hat es jedoch gereicht. Publikum aufgewärmt, sicher ein paar Fans von der eigenen Mucke überzeugt – somit Auftrag für den Abend vollends erfüllt.
Nach minimaler Umbaupause von etwa 7 Minuten und 23 Sekunden (Respekt an die Band – die bauen ihren Kram nämlich noch selbst auf!) sind dann Cynic an der Reihe. Für mich ein großer Moment diese Band endlich einmal live erleben zu dürfen. Besonders nach dem Erscheinen des sehnsüchtig erwarteten Zweitwerks „Traced In Air“ bin ich doch sehr gespannt, wie die Jungs aus Miami ihren recht eigenwilligen Sound live rüberbringen werden. Anscheinend bin ich nicht der Einzige, der gespannt auf den Auftritt wartet, denn die Band wird von Beginn an mit lautem Applaus bedacht. Los gehts mit zwei neuen Songs, die das Publikum dann auch direkt in ihren Bann ziehen können. Im Anschluss dann das großartige „Veil Of Maya“ vom Debüt „Focus“, bei dem der Funke dann so richtig überspringt. Die Mischung aus extrem vertracktem Songwriting gepaart mit sehr eingängigen Refrains kann durchweg überzeugen. Dass die Mitglieder der Band vom rein technischen Aspekt sowieso über jeden Zweifel erhaben sind, war auch vorher klar. Aber dass sie auch auf der Bühne mit einer derart tighten Leistung überzeugen, ist umso großartiger. Teilweise kommt der Eindruck zustande, Sean Reinert würde an den Drums ein einziges Solo abfeiern!! Unglaublich gut der Mann!!! Aber auch die Gitarrenfraktion Masvidal/Kruidenier legt die Meßlatte für Opeth ganz schön hoch. Live-Basser Robin Zielhorst steht dem in nichts nach und liefert eine Wahnsinnsperformance ab. Sehr interessant auch, wie gut sich die vocoderverzerrten Vocals von Masvidal mit den Deathgrowls von Kruidenier vertragen. Nach drei weiteren Songs ist dann auch leider schon Schluss. Bleibt zu hoffen, dass Cynic demnächst auch einmal als Headliner für Konzerte über den großen Teich gejettet kommen.
Die Krönung des Abends soll jedoch noch folgen. Kurz vor Zehn legen dann endlich Opeth los. Für mich sehr interessant, wie die Mannen um Akerfeld das neue Material präsentieren werden. Zum einen, da die neue CD „Watershed“ zum ersten Mal mit unerwartet vielen elektronischen Spielereien und Effekten aufwartet, zum anderen da sich erneut das Besetzungskarussel gedreht hat und der ehemalige Arch Enemy Gitarrist Fredrik Akesson neuerdings für Opeth in die Saiten greift. Nach einem sensationellen Einstieg mit Songs vom neuen Album, sind dann alle Zweifel beseitigt. Mit Fug und Recht kann ich behaupten, dass die aktuelle Besetzung die wohl Stärkste ist, die es jemals bei Opeth gab. Akesson und Akerfeld ergänzen sich perfekt als Gitarrenduo – besonders die tollen Doppelleads lassen das Metallerherz höher schlagen. Aber auch Drummer Axe (oder soll ich „Eric“ sagen? Â….dazu später mehr) fügt sich nahtlos in die Band ein. Die Band wirkt extrem eingespielt und liefert eine perfekte Performance ab. Ich habe das Gefühl, dass Akesson das Gitarrenspiel in der Band noch mal auf ein ganz neues Level bringt.
Auch Mikael Akerfeld strahlt eine erstaunliche Spielfreude aus, der seine Ansagen zwischen den Songs in nichts nachstehen. Der Mann hatte wohl zum Frühstück eine ganze Horde Clowns verdrückt. Großartig, wie er mit seinem trockenen Humor dem Konzert einen Monty-Pythonesken Stempel aufdrückt. Mir ist es viel sympathischer wenn eine Band sich selber und die Klischees ihres eigenen Musikgenres mit einem Augenzwinkern betrachtet, als immer den ultimativ bösen und extrem angepissten Todesmetaller heraus hängen zu lassen. So kann das anwesende Publikum unter anderem erfahren wie es backstage aussieht („It smells like vomit; there´s Axes shit-stained underwear and a lot of cansÂ….cans of Fanta“) oder eben, dass Drummer Axe eigentlich eine gespaltene Persönlichkeit hat („His dark side Eric is very evil“).
Die Songauswahl an dem Abend ist sehr auf die neueren Alben fokussiert, kann aber durchaus überzeugen, auch wenn der ein oder andere Song von Klassikeralben wie „Morningrise“ oder „Blackwaterpark“ die Qualität des Sets noch einmal angehoben hätte. Aber eigentlich bleiben keine Wünsche offen. Nach einem der ruhigen Songs vom „Damnation“-Album und einigen grandiosen Krachern wie „Godheads Lament“ oder „Demon Of The Fall“ kann man auch nur rundum zufrieden sein. Bleibt also nur die Vorfreude auf die nächste Tour und ein hoffentlich relativ zeitnahes neues Album. Ich bin froh, dass in Zeiten von Metalcore und ähnlicher Plastikmusik, wenigstens Opeth die Fahne hochwertiger Metalmusik hochhalten und sich konsequent weiterentwickeln. Weiter so!!!!!