European Tour, Support: Amplifier
Das passiert selten in der Live Music Hall – bereits bei der Vorgruppe Amplifier gibt es kaum ein Durchkommen in der Menge und der Merchandise Stand ist bereits vor der Show gut besucht. Allein im VVK wurden 1.300 Karten unter die Leute gebracht, die Halle ist voll, draußen ist es windig und es regnet.
Amplifier aus den UK verhüllen sich in Nebelschwaden und Blitzlicht erhellt die Bühne. Das Alternative-Schreddern an der Gitarre ist zu laut, zu schräg, zu schrill, zu deplaziert. Opeth in allen Ehren, die Amplifier wohl so toll finden, aber doch bitte nicht im eigenen Vorprogramm.... so erntet die Band auch den meisten Applaus als Sänger Sel den letzten Song verkündet.
Mit einem langen Intro zu meinem Lieblingsstück „Ghost Of Perdition“ starten Opeth ihre Show; Sänger Mikael betritt zuletzt die dunkle Bühne, welche nur mit dem Albumcover von „Ghost Reveries“ geschmückt ist. Mit der Weisheit „We are Opeth and we come from Stockholm - Stockholm is in Sweden” bringt er das Publikum in perfektem Englisch zum jubeln. Noch trägt er am linken Unterarm eine Schutzfolie – im Backstagebereich hat er sich vor der Show tätowieren lassen. „The Queen of Sweden is German, I saw her in your gossip papers today and she´s still kind of hot”. Der Schwede hat das Publikum mit seinem Humor sofort auf seiner Seite und kündigt den nächsten Klassiker vom Album „My Arms, Your Hearse” an: “When”, ein Song, der ganz „o.k.” sei. Er ist bekannt für seinen Humor und so hat jede Opeth Show auch einen gewissen Unterhaltungswert und es ist erfrischend zu sehen, dass es auch Bands gibt, die sich selbst nicht allzu ernst nehmen.
Der Sound ist leider furchtbar verzerrt und übersteuert, die Vocals nicht sauber genug. Wären die Songs nicht angekündigt, würde sich ein Rätselraten durch die ganze Show ziehen, welcher Song gerade gespielt wird.
Mit seiner Gitarre um den Hals steht Mikael zwischen den Songs am Mikro und kommentiert Fanzurufe. „Listen – I´ve got something important to say! I love tits”, wirft er in den Saal. Ernst wird er zu „The Night And The Silent Water“, welches er zum Gedenken an seinen Großvater schrieb und lange Zeit nicht live gespielt wurde. Produzent Dan Swanö, an diesem Abend anwesend, arbeitete an diesem „doomy song“ mit.
Wer nun bei Opeth´s Show Gruselstimmung erwartet, wird schwer enttäuscht. Außer den „devil horns“, die vom Publikum entgegengestreckt werden, ist das Publikum überraschend „untrue“. Es werden kaum lange Mähnen geschüttelt, niemand wirft sich von der Bühne oder startet einen Moshpit. Durch die unterschiedlichen Musikeinflüsse sind Opeth eher eine Band zum zuhören und genießen. Zu komplex sind die langen Stücke – bereits wenige Songs füllen den Abend.
„A lot of people hate this song but they can f**k off!“ Welch Ansage zu Düsterepos und Single „The Grand Conjuration”! Die Wechsel zwischen sanften Sangestönen und den düsteren Growls lassen die Halle beben. Mikael spricht in dem Zusammenhang den Wechsel zur Plattenfirma Roadrunner Records mit dem Album „Ghost Reveries“ an. Ernst erklärt er, dass sie selbstverständlich mittlerweile wie befürchtet eine „Nu Metal Band“ geworden seien, außerdem würden sie für die neue CD einen DJ anheuern und er selbst wird sich im Rappen versuchen!
Gänsehautfeeling hingegen bei „Windowpane“ des Damnation-Albums. Ein sehr ruhiger Song, sehr mystisch und einfühlsam mit der Hammond-Orgel und den zarten Gitarrenklängen.
Als Mikael den letzten Song ankündigt, schreit alles nach „Blackwater Park“; der Wunsch wird erfüllt und das Publikum beweist Textsicherheit und schwingt die langen Mähnen.
Eindeutig hat Sänger Mikael in der Band die Hosen an, der Rest der Band ist während der Show kaum zu bemerken, Gitarrist Peter und Bassist Martin wechseln ab und an die Seiten, kommen allerdings während der Show nicht zu Wort.
Unter frenetischem Jubel erscheint die Band zurück zu einer Zugabe. Zunächst lässt sich Mikael die Namen der einzelnen Bandmitglieder vom Publikum zurufen und stellt somit die Band vor, die mit „Deliverance“ die Show noch vor 23 Uhr beendet.
Wir können auf Nachschub von Opeth gespannt sein... Mikael versprach nach einer wohlverdienten Pause mit einem neuen Album aufzuwarten, denn nach 19 Monaten Tourleben hat die Band die kreative Schaffenspause mehr als nötig.
Um Mikael an dieser Stelle zu zitieren: „Rock out with your cock out”. Die Show war überzeugend gut, die Songauswahl sehr gut getroffen, lediglich der Sound litt leider zu sehr. Trotzdem können wir uns auf die nächste Tour mit dem Mehrwert Humor freuen!
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Setlist:
Ghost Of Perdition
When
Bleak
Face Of Melinda
The Night And The Silent Water
The Grand Conjuration
Windowpane
Blackwater Park
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Deliverance