Tour 2011 - Support: Magnum Coltrane Price
Die Live Music Hall ist heute komplett ausverkauft, so wie viele andere Locations auf Paolo Nutinis Europatour. Seit er mit 18 Jahren seinen ersten Plattenvertrag unterschrieb, ging es steil bergauf mit ihm. Nach fünf Jahren im Musikbusiness, drei veröffentlichten Alben und sieben ausgekoppelten Singles, die sich allesamt in den deutschen Charts wiederfinden, zählt er heute mit nur 24 Jahren zu den erfolgreicheren Künstlern des Indie-Rock. Dementsprechend gespannt kann man auf das heutige Konzert sein.
Den Auftakt liefert Magnum Coltrane Price plus Band aus Schweden. Die Musik ist eine unstete Mischung aus Funk- und Soulelementen, die vielen Soli zeigen Talent, man hat allerdings den Eindruck, es würde einfach ein einziges Lied laufen: Stabil, aber eben nicht sehr mitreißend. Die Band wird trotzdem vom gut gelaunten (übrigens wie erwartet überwiegend weiblichen) Publikum begeistert beklatscht, ist mit Freude bei der Sache und verabschiedet sich zum Schluss mit einem "Thank you guys for not shouting nasty things or throwing tomatoes at me!".
Und dann, nach zwanzig Minuten unschuldiger Pausenmusik, explodiert die Bühne auf einmal. Nutini kommt mit Mikro auf die Bühne und tanzt, nein, rastet völlig aus zu "Ten Out Of Ten". Energiegeladen geht’s weiter mit "Alloway Grove". Nutini springt begeistert auf der Bühne herum, bereits nach zwei Liedern ist sein Hemd klatschnass und im vorderen Teil der Live Music Hall herrscht ekstatische Stimmung, denn Nutinis hemmungslose Art, seine Lieder zu leben, steckt sofort das Publikum an. Es wird ein Feuerwerk der Aufs und Abs veranstaltet, weil er sich abwechselnd durch lebensbejahende Stücke schreit und sich dann wiederum alleine mit seiner Gitarre durch Lieder zu quälen scheint und vor allem den weiblichen Teil des Publikums mit seinen sehnsüchtigen Balladen fast zum Weinen bringt.
Nutini redet nicht viel, macht nicht viel Drumrum, achtet nicht darauf, wie er aussieht, lässt das Publikum einfach zuhören und zusehen, und das wirkt. Selbst wenn man sich nicht auskennt, erwischt man sich beim Mitwippen und Lächeln, und die, die sich auskennen, singen lauthals mit oder tanzen. Bei leisen Songs geht ein ermahnendes "Ssssshhht!" durch die Reihen. Das ganze Konzert ist eine anderthalbstündige Party, und bald hat man auch die gefühlten 50°C und das tropische Klima in der übervollen Halle akzeptiert und spätestens bei "New Shoes", "Candy" und allerspätestens bei "Jenny Don't Be Hasty" ist auch der letzte Rest mitgerissen.
Am Ende des Konzerts bedankt sich Nutini bescheiden und verschwindet ohne großes Tammtamm von der Bühne. Beim Verlassen der Halle hat man das Gefühl, das Leben ist ein bisschen schöner.