Tour 2006
Für die Aufnahmen ihres aktuellen Albums „The Paramour Sessions“ hatte es die nordkalifornische Band Papa Roach in eine alte Villa verschlagen, in der einst eine stinkreiche Öl-Erbin hauste, die bei einem Autounfall tödlich verunglückte. Nach den Sessions ließ Sänger Jacoby Shaddix aka Coby Dick verlauten, dass es in den Gemäuern nicht mit rechten Dingen zugegangen sei. Schlussendlich war man froh, als das Album im Kasten war und man wieder sicheres Terrain unter die Füße bekam.
Geradezu kuschelig mutete dagegen das Bürgerhaus Stollwerck an, in dem die Roaches ihren zweiten Deutschland-Gig zum neuen Album zelebrierten. Die übersichtliche Crowd von 500 Personen verlieh der Location fast schon Schulaula-Charakter. Wie sich in den nächsten 1 ½ Stunden zeigen sollte, hatte die Band ihre Hausaufgaben gemacht, denn fetter Sound drang da durch die Boxen, der zeitweilig CD-Qualität erreichte.
Sänger Jacoby ließ von der ersten Sekunde an keinen Zweifel daran, wer die Hauptfigur des Abends sein würde. Mehr Frontmann kann man gar nicht sein. In den sechs Jahren seit „Infest“ hatte er sichtlich jede Seite des Großen Brockhaus der Rockstar-Posen verschlungen und bot dem Publikum eine makellose Performance. Auch stimmlich ließ Jacoby keine Fragen offen. Egal ob hoch oder tief, laut oder leise. Er war an diesem Abend der Meister der Töne. Gut, dass sich Jacoby in den 90ern gegen die Klarinette und für den Gesang entschied. Auch der Rest der Band machte einen guten Job, aber der Sänger stand eindeutig im Mittelpunkt. Zwischen den Songs suchte er den Dialog mit seinen Fans und teilte sich für einen kurzen Moment die Aufmerksamkeit des Publikums mit einem Aficionado, von dem er sich seine Tattoos zeigen ließ. So was kommt bei den Leuten an. Umso mehr, wenn es merkt, dass es sich nicht um gestellte Plattitüden handelt.
Auffällig war an diesem Abend, dass das Publikum fast jeden Song mitsingen konnte, so dass man den Eindruck hatte, dass viele der recht jungen Fans, Papa Roach schon zu Jugendzeiten hörten. Egal ob „Last Resort“ vom Album „Infest“, “Born With Nothing, Die With Everything” von „Lovehatetragedy”, “Getting Away With Muder” vom gleichnamigen Album oder „To Be Loved“ vom neuen Silberling - da saß jeder Refrain.
Nach fast 90 Minuten hatte auch jeder Besucher in der letzten Reihe eine von Freude gezeichnete Gesichtröte und trat zufrieden den Nachhauseweg an.
Wenn der bisherige 2-Jahres-Rhythmus eingehalten wird, gibt es 2008 das nächste Album und die nächste Tour. Das Stollwerck oder jede andere Venue gleicher Größenordnung wird wieder voll sein. Auf jeden Fall!