Metamorphosis Tour 2009 - Support: In This Moment, Filter
Wie auch schon für die Aufnahmen des 2006er Albums „The Paramour Sessions“ hatte es die nordkalifornische Band Papa Roach für den aktuellen Longplayer „Metamorphosis“ in eine alte Villa verschlagen, in der einst eine stinkreiche Öl-Erbin hauste, die bei einem Autounfall tödlich verunglückte. Nach den Sessions ließ Sänger Jacoby Shaddix aka Coby Dick verlauten, dass es in den Gemäuern nicht mit rechten Dingen zugegangen sei. Schlussendlich war man froh, als das Album im Kasten war und man wieder sicheres Terrain unter die Füße bekam.
Insgesamt aber kein schlechter Ort für einen Longplayer namens „Metamorphosis“, denn das Durchlaufen verschiedener Entwicklungsstadien ist dem Album deutlich anzuhören. Obwohl es dieses Mal stellenweise härter als gewohnt zur Sache geht, sind auch gleich vier Balladen unter den 12 Songs zu finden.
Es werden also viele sanfte Töne angeschlagen, mit denen In This Moment, die erste Support-Band dieses Abends, so gar nix anfangen kann. Die liefern nämlich reinsten Metal, hervorgehoben durch Sängerin Maria Brink, die trotz elfenhafter Figur mit ihren Shoutings die Wände der Live Music Hall zum Beben bringt. Mit ihren wasserstoffblonden Haaren, dem gelben Kleidchen und einer sensationellen Figur zweifelsohne eine Augen-, aber keine wirkliche Ohrenweide. Toll, dass so ein zierliches Persönchen shouten kann, aber man kann es auch wirklich übertreiben. Ein Makel, den sie jedoch mit einer amtlichen Performance wettmacht und die Bühne als Chef im Ring verlässt.
Sehr gespannt wartet das Publikum nun auf den Auftritt von Filter, die sich in den 90ern mit „Hey Man, Nice Shot“ ein kleines Denkmal setzten, an dem sie an diesem Abend zum wiederholten Male heftig rütteln. Zwar ist allgemeinhin bekannt, dass Richard Patrick’s Stimme sehr unstet ist, aber dass der Ex-Nine Inch Nails-Gitarrist schon nach dem ersten Song „Welcome To The Fold“ heiser ist, ist schon ungewöhnlich. Zwar zappelt der arschcoole, ganz in schwarz gekleidete und sonnenbebrillte Frontmann sichtlich bemüht über die Bühne, aber man hat schon das Gefühl, dass die Band ihre beste Zeit längst hinter sich hat. Diesen Eindruck können auch Hits wie das besagte „Hey Man, Nice Shot“, die Crystal Method-Kollaboration „Trip Like I Do“ und „Take A Picture“ nicht wettmachen. Da nützen auch die üppig eingesetzten klangkosmetischen Hall-Effekte auf Patrick’s Gesangsmikro nichts.
Ein ganz anderes Bild bieten Papa Roach. Die Jungs um Frontmann Jacoby Shaddix, stürmen um 22 Uhr förmlich die Bühne. Energiegeladen, wild und unbändig werden sie ihrem Status als Headliner mehr als gerecht, denn Sänger Jacoby lässt von der ersten Sekunde an keinen Zweifel daran, wer die Hauptfigur des Abends sein wird. Mehr Frontmann kann man gar nicht sein. In den neun Jahren seit „Infest“ hat er sichtlich jede Seite des Großen Brockhaus der Rockstar-Posen verschlungen und bietet dem Publikum eine makellose Performance. Auch stimmlich lässt Jacoby keine Fragen offen. Egal ob hoch oder tief, laut oder leise. Er ist an diesem Abend der Meister der Töne. Gut, dass sich Jacoby in den 90ern gegen die Klarinette und für den Gesang entschied. Auch der Rest der Band macht einen guten Job, aber der Sänger steht eindeutig im Mittelpunkt. Zwischen den Songs sucht er den Dialog mit seinen Fans und sorgt regelmäßig für Abkühlung, indem er ganze Wasser-Sixpacks ins Publikum wirft. Sehr zur Freude des verschwitzten Moshpits, denn die gefühlte Temperatur geht dem Siedepunkt entgegen. Dies geht auch an Jacoby nicht vorbei, der die Situation mit den Worten „I feel like I’m in church confessing my sins“ schildert.
Auffällig ist an diesem Abend, dass das Publikum fast jeden Song mitsingen kann, sodass man den Eindruck hat, dass viele der Fans Papa Roach schon seit Ewigkeiten begleiten. Egal ob „Broken Home“ vom Album „Infest“, “Getting Away With Muder” von der gleichnamigen CD, „To Be Loved“ von „The Paramour Sessions“ oder „Hollywood Whore“ vom neuen Silberling - da sitzt jeder Refrain.
Bei so viel Enthusiasmus von Seiten der Band und auch der Fans ist - anders als bei Filter - das Ende der Fahnenstange noch lange nicht in Sicht.