PollerWiesen Open Air c/o pop mit Paul Kalkbrenner u.a.
Die PollerWiesen-Partys sind mittlerweile zu einem festen Bestandteil der c/o pop geworden und für die diesjährige Ausgabe konnte man mit Elektro-Ikone Paul Kalkbrenner wieder einmal einen guten alten Bekannten engagieren, der bereits 2008 (mit der Präsentation seines Szene-Kultfilms "Berlin Calling") und 2009 das Festival in der Domstadt rockte.
Ursprünglich war dieser Open Air-Tanzmarathon für den Donnerstag vorgesehen - da es aber am Mittwoch fast ununterbrochen geregnet hatte und die Veranstalter aufgrund der nur durchwachsenen Wetterprognosen keinerlei Risiko eingehen wollten, wurde das Ganze kurzfristig auf den Ausweichtermin am Sonntag verschoben. Ein Plan, der sich im Nachhinein auch als absolut richtig herausstellen sollte.
Startschuss bei dann letztendlich trockenen und angenehmen äusseren Bedingungen im Jugendpark ist Punkt elf Uhr morgens mit Lokalmatador Marc Lansley, gefolgt vom Duo Pig & Dan aka Dan Duncan und Igor Tchkotoua aus Frankfurt am Main - diese beiden Angaben allerdings ohne Gewähr, da ich erst am späten Nachmittag auf der idyllischen Rheinhalbinsel aufschlage.
Direkt an den Eingängen sind Hinweisschilder mit der Aufschrift "ausverkauft!" angebracht, was mich im ersten Moment doch etwas verwundert, da das Areal doch ausreichend Platz bieten sollte. Zur eigentlichen "Partywiese" muss nun noch ein Fußmarsch von etwa 150 Metern zurückgelegt werden und - siehe da - es ist tatsächlich rappelvoll. Die Bühne ist noch weitere gut 70 Meter weg und man sieht nur Kopf an Kopf - viele der Tanzwütigen haben es sich aber auch noch auf Decken gemütlich gemacht und lauschen in der Horizontalen. Keine Ahnung, wieviele sich an diesem warmen Sommerabend schätzungsweise nun wirklich hier eingefunden haben (3.000?) und ob noch Platz für Nachzügler und Kurzentschlossene gewesen wäre - die Veranstalter von größeren (Techno-)Events lassen offenbar nicht nur zuletzt nach den bedauerlichen Vorkommnissen in Duisburg Vorsicht walten.
An den Decks präsentiert sich gegen 18 Uhr der Münchner House-DJ und Flokati-Gründer Tobi Neumann, obwohl laut Timetable eigentlich Matthias Tanzmann angekündigt war. Natürlich absolut kein Qualitätsverlust, höchstwahrscheinlich ist dieser Wechsel auch auf die terminliche Verlegung zurückzuführen. Da das Wetter aber einfach zu gut ist, vertreibe ich mir die Wartezeit lieber am nahegelegenen Rheinufer als im Pulk. Auch hier ist Sicherheit großgeschrieben und der unmittelbare Uferbereich mit rot-weissem Flatterband abgesperrt, was zusätzlich von patroullierenden Security-Mitarbeitern überwacht wird. Dies sorgt bei einigen wenigen für leichten Unmut, die einfach nur mal ihre Füße kurz ins kühlende Nass halten möchten. Aber auch diese Maßnahme ist aus Sicht der Betreiber durchaus nachvollziehbar, wenn Alkohol bereits seit dem Vormittag dem ein oder anderen Raver die Sinne vernebelt hat. Als absolut unzulänglich muss an dieser Stelle allerdings die Organisation bezüglich der Essens- und Getränkestände bezeichnet werden. Nur eine Ausgabestelle von Wertmarken und ein einziger (!) Bierstand führen zu langen Wartezeiten, viele Snacks sind am frühen Abend sogar ausverkauft.
Um kurz nach acht betritt dann endlich der derzeitige Superstar der deutschen Elektroszene die Bühne und beginnt unter dem Jubel des Partyvolks sein Set. Der Berliner operiert erwartungsgemäss ausschliesslich mit Laptop und Mischpult, das jedenfalls lassen seine geübten Handgriffe aus der Ferne erkennen. Regler und Knöpfchen drehen statt Platten auflegen - dies ist mittlerweile (nicht nur) bei Großveranstaltungen von elektronischer Musik leider der Trend.
Hinsichtlich seiner Playlist gibt es aber nix zu meckern, neben neuen Stücken mit den kauzigen Titeln "Jestrüpp" oder "Böxig wieder" vom kürzlich erschienenen Album "Icke wieder" gibt es auch ältere Nummern, bevor um viertel nach zehn mit dem obligatorischen und viel umjubelten Hit "Sky And Sand" vom Berlin Calling-Soundtrack der Auftritt endet.
Als etwas unbefriedigend bleibt lediglich die ziemlich gedrosselte Lautstärke in Erinnerung. Die generelle Dezibel-Beschränkung hat ja schon dem S.O.M.A.-Festival vor Jahren auf diesem Gelände den Garaus beschert, nur hätte man hier mit dem Aufstellen von ein bis zwei Boxen im hinteren Bereich den Leuten, die nicht unbedingt scharf auf Vordrängeln und Körperkontakt waren, durchaus einen großen Gefallen getan.