Paul Kalkbrenner

Berlin Calling - Live in Concert-Tour 2010

06.03.2010 Palladium / Köln

Von: Diana Dolensky

Paul Kalkbrenner Köln

"Cologne Calling" heisst das heutige Motto im Kölner Palladium, wo zahlreiche Freunde der House- und Elektroszene die Halle in einen Dancefloor verwandeln. Grund des heutigen Mottos ist der 1977 in Leipzig geborene Musikproduzent und Schauspieler Paul Kalkbrenner. 2008 wurde Kalkbrenner durch den wohl bisher wichtigsten DJ Szenefilm "Berlin Calling" bekannt. In diesem spielt Paul den Musikproduzenten Ickarus, dem die Fertigstellung seines Albums durch die Probleme des Ruhmes, Drogen und einen Klinikaufenthalt erschwert wird.

Das Palladium ist heute restlos ausverkauft. Händler versuchen in letzter Minute noch ihre Tickets loszuwerden und um 23 Uhr wird die Garderobe wegen Überfüllung geschlossen. Aggressive Raver versuchen verzweifelt noch irgendwie ihre Jacken abzugeben, bevor sie diese dann in irgendeine Ecke legen, um ohne Ballast ungestört den Paul Kalkbrenner Rausch zu erleben.

Kalkbrenner ist ein Phänomen für sich. Niemand kann sagen wie lange sein Auftritt heute dauert. In der Vergangenheit hat er seine Fans schon das ein oder andere Mal verärgert, weil er bereits nach 30 Minuten einfach wieder vom Mischpult verschwand. Auch heute legt er eine gewisse Arroganz an den Tag. Einige Male entschwindet Kalkbrenner einfach vom Set und lässt die Menge pfeifen. Durch laute "Paule! Paule!"-Zurufe holt der Mob ihn aber zurück auf die Bühne. Hier setzt er seine Live-Darbietungen mit Synthesizern und Sequenzern im Zusammenspiel mit Midi-Controllern und Drummachines fort. Sein Showpodest besteht aus einem Mischpult mit bunten Scheinwerfern und einer riesigen Discokugel. Auf zwei Monitoren an den Seiten der Bühne ist seine Mimik oder die Handakrobatik an den Reglern für die Zuschauer ersichtlich. Im Hintergrund der Bühne zeigt eine Leinwand Lautstärke- und Klangreglerbalken, das PK-Emblem oder Filmsequenzen aus "Berlin Calling".

Tracks aus dem Film wie "Aaron", "Gebrunn Gebrunn", "Atzepeng" oder "Square 1" sind heute natürlich an der Tagesordnung und lassen die begeisterten Zuhörer aufjubeln und kreischen. Je tiefer die Bässe, desto schriller und lauter sind die Fans. Der Geruch von Haschisch und Zigarettenqualm liegt in der Luft. An das Rauchverbot hält sich heute niemand. Für mich als Urlaubsrückkehrerin gibt es an diesem Abend nichts Schöneres als bei der Basswucht, die im Bauch vibriert, die Augen zu schließen und an das Meer zu denken, während man durch die Tanzbewegungen der Masse mitgezogen wird. Vor allem aber Paul Kalkbrenners größter Erfolgssong "Sky&Sand" lässt nicht nur mich vergessen, dass der noch eisige Winter Deutschland weiterhin fest im Griff hat. Die Sonnenbrillen aufgesetzt feiert die Menge Pauls fünfte Zugabe nach einer letztlich dann doch gut zweieinhalbstündigen großartigen Elektroparty, die für den ein oder anderen bei der Aftershowparty im gegenüberliegenden E-Werk noch weiter geht.

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