Pearl Jam

Tour 2007 - Support: The Futureheads / Interpol

21.06.2007 ISS Dome / Düsseldorf

Von: Sascha Knapek

Pearl Jam Düsseldorf

Auf der Bühne des Düsseldorfer ISS-Domes teilt sich hinter Pearl Jam das Meer. Eventuell kommt auch einfach eine Welle von links und eine von rechts, aber das mit dem Teilen passt besser zu dem was ich gleich ansprechen möchte. Das neue Bühnenbild der US-amerikanischen Band, ist denkbar übersichtlich und trägt für mein Empfinden positiv und unaufdringlich zur gesamten Performance bei. Andere Teilungen in und um den ISS-Dome herum sind an diesem Abend weniger übersichtlich und gut passend. Die Raumaufteilung und Teile der damit zusammenhängenden Organisation. Erste Welle, zweite Welle, Sitz- und Stehplätze auf dem Rang und für alles verschiedenfarbige Bändchen. Nur beim Latrinengang wurde man nicht kontrolliert. Nicht falsch verstehen, im Prinzip ist das alles eine sehr gute Idee. Nur wenn man sich beim Einlass schon solch eine Zeit lässt die wartenden Gäste in die Halle zu bekommen und dann noch die Bändchenkontrollpunkte an denkbar ungünstigen Positionen errichtet, braucht man sich nicht wundern wenn teilweise derart chaotische Szenen entstehen. Sicher, die Verlegung von der LTU-Arena in den Dome spielt da eine große Rolle, trotzdem denke ich hätte man den Vorlauf des Konzerts für Ordner und Publikum um einiges entspannter gestalten können, wenn nicht sogar müssen. (Eine Stellungnahme des Veranstalters findet ihr übrigens hier).

Nun gut, so war es und man konnte es eh nicht ändern. Ganz unangesprochen wollte ich es aber nicht lassen. Jetzt jedoch zum wichtigen Teil des Abends. Nachdem jeder im fast ausverkauften ISS-Dome sein Plätzchen gefunden hatte, oder auf dem Weg dorthin noch kurz am Getränkestand Halt machte, konnte es mit der Musik losgehen.

Als um Punkt 19 Uhr The Futureheads die Bühne betraten, ist der ISS-Dome mäßig gefüllt. Ob das an der Band oder anderen Gründen lag, soll jeder für sich beurteilen. Persönlich konnte ich der Combo aus Sunderland (UK) nicht viel abgewinnen. Der zweite Support-Act des Abends, Interpol, spielte da schon vor einer weitaus volleren und begeisterteren Halle auf. Die Zeit bis Pearl Jam die Bühne betreten würden, konnte man mit den New Yorkern gut rumbekommen. Gegen 21.20 Uhr begann dann der Hauptact dieses Donnerstags. Der ISS-Dome war mittlerweile bis fast auf den letzten Platz gefüllt.

Wie bereits in München, neun Tage zuvor, startete die Band mit „Sometimes“ in das nur so mit Raritäten gespickte Set. Das Lied scheinen Sänger Eddie Vedder und seine Mitstreiter mit Deutschland zu assoziieren. In den letzten Jahren äußerst selten gespielt, eröffnete es in Düsseldorf das vierte der letzten sechs Deutschlandkonzerte. Um der Meute von Beginn an gut einzuheizen setzte man mit „Whipping“ und „Do The Evolution“ einige Kracher bereits ganz an den Anfang. Zielsicher gaben sich selten gespielte Perlen wie „Brain of J“, „In Hiding“ oder „Once“ im Mainset mit erprobten Gassenhauern wie „Severed Hand“, „Why Go“ oder „Daughter“ die Klinke in die Hand. Lead-Gitarrist Mike McCready begann auffallend früh mit „hinter-dem-Kopf“-Einlagen. Egal ob man stand oder irgendwo weiter oben auf der Tribüne saß, dass die Kerle da vorne auf der Bühne mächtig Spaß und an diesem regnerischen Abend etwas vorhatten, merkte man besonders an der Kommunikation mit dem Publikum und an dem bandinternen Gesprächsbedarf. Mit „Insignificance“, „Sad“, „Life Wasted“ und traumhaften Versionen von „Come Back“ (eingeleitet durch einen „I’m Open“-Teaser) und der Mike McCready-Nummer „Inside Job“, gab es Songs die man nicht auf jedem Pearl Jam-Gig zu hören bekommt. Zu meinem absoluten Höhepunkt des Mainsets kam es nach gut 45 Minuten. Die Band stimmte bereits in den nächsten Song ein, doch Vedder wollte erst noch kurz was erzählen. Mit einem kleinen ironischen Seitenhieb auf die Fans in der ersten Reihe leitete er „Breath“ ein. Ein relativ selten gespielter Song der, ebenfalls wie das darauf folgende „State of Love and Trust“, vom 1992er „Singles“-Soundtrack stammt und das Publikum stimmlich wie rockerisch einwandfrei forderte.

Es war egal, dass auf Englisch mit dem Publikum geredet wurde und dass Düsseldorf die Band noch nie vorher zu Gesicht bekommen hatte. Die Anwesenden bedankten sich während und nach den Songs auf ihre Weise für das Gastspiel der amerikanischen Musiker. Speziell jener südamerikanische Fan der vor dem Ramones-Cover „I Believe In Miracles“ auf die Bühne geholt wurde, wird das Konzert sein Lebtag nicht mehr vergessen. Zum Singen konnte er zwar nicht motiviert werden, aber zu einer Pogoeinlage mit Vedder reichte es. Das wunderschöne „Black“ und ein vom Publikum sehnlichst erwartetes „Alive“ beschlossen den ersten Zugabenblock, der mit „Not For You“ einen weiteren Kracher enthielt. Zu diesem Zeitpunkt sank das kollektive Durchschnittsalter im Saal aus Nostalgiegründen um geschätzte zwölf bis fünfzehn Jahre.

Der zweite Zugabenteil wurde von Stone Gossards Gitarre eingeleitet. „Elderly Woman Behind The Counter In A Small Town“ verleitete zum Mitsingen und bei „Given To Fly“ war der Titel Programm. Kaum ein Konzert endet ohne die Nummer und maximal eine Handvoll Beine blieb während der knapp vier Minuten unbewegt auf dem Boden. Der Klimax ist in vielerlei Hinsicht erreicht und die Zeit reif für den letzten Akt. Nachdem „Rats“, ein Song der seit 1995 nur auf ganz wenigen Setlisten zu finden war, ungeprobt und auf Wunsch gespielt wurde, beschloss die Band bei erleuchtetem Hallenlicht ihr Konzert. Das The Who-Cover „Baba O’Riley“ und der Rausschmeißer schlechthin, „Yellow Ledbetter“, entließen freudige Gesichter, durchnässte T-Shirts und mehr als erfüllte Erwartungen in die Düsseldorfer Nacht.

Vor 2006 machte die Band sechs Jahre lang einen Bogen um Europa. Nun kamen sie innerhalb von knapp zehn Monaten zwei Mal über den großen Teich und entschädigten uns für die lange Wartezeit. Alte Liebe rostet nicht.

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