Pearl Jam

Tour 2007 / Support: The Futureheads

12.06.2007 Olympiahalle / München

Von: Thomas Kröll

Pearl Jam München

Als wir in München ankommen, scheint die Sonne. Dem Anlass entsprechend. Schließlich sind Pearl Jam in der Stadt! Eigentlich unglaublich. Früher lagen schonmal locker sechs Jahre Wartezeit zwischen zwei Europatourneen des Quintetts aus Seattle. Diesmal haben Pearl Jam nach ihrem letzten Konzert in Athen gerade achteinhalb Monate verstreichen lassen. Seit dem 8. Juni sind sie für insgesamt 13 Konzerte wieder zurück. München ist die Premiere der vier Deutschlandshows und der erste Auftritt, den Pearl Jam auf dieser Tour in Eigenregie bestreiten, nach zwei Festivalgigs in Lissabon und Madrid. Der weitere Verlauf zeigt, dass die Band offensichtlich froh ist, ohne irgendwelche Zwänge alle Live-Register ziehen zu können.

Die Olympiahalle liegt gleich neben dem altehrwürdigen Olympiastadion im Olympiapark. Ein See um die Ecke, viel Grün, wir machen es uns auf einer Wiese gemütlich und warten entspannt auf den Einlass. Im Inneren selbst verströmt die Halle noch den symphatischen Charme der siebziger Jahre. Wir versorgen uns mit Getränken und lassen die Vorgruppe Vorgruppe sein. Nach allem was wir mitkriegen, muss man The Futureheads auch nicht unbedingt gesehen haben. Das Konzert ist nicht ausverkauft, letztlich sind es geschätzte 8.000 Fans, die gekommen sind. Sie werden es nicht bereuen. Das zeigt sich schon beim Opener!

Denn mit "Sometimes" packen Pearl Jam gleich die erste Rarität aus. Ein ruhiger, fast beschwörender Beginn. Der Song wurde in den vergangenen drei Jahren ganze viermal live gespielt. Inklusive heute. Welch ein Auftakt! Dann wird erstmal gnadenlos gerockt. Mit "Porch" und "Why Go" vom Debütalbum "Ten" (1991) geht es gleich schweißtreibend weiter. Die Lightshow ist gewohnt sparsam. Hier soll nichts von der Musik ablenken. Die spricht für sich. Wer die Live-Qualitäten von Eddie Vedder, Matt Cameron, Mike McCready, Jeff Ament und Stone Gossard (mit passendem Sommerhut) kennt, der weiß was ich meine. Auch das Bühnenbild ist mit zwei ineinander stürzenden Wellen im Hintergrund eher spartanisch.

Leider ist der Sound in unserer Ecke phasenweise ziemlich grottig. Da überschlagen sich die Instrumente fast, die PA scheppert und brummt und Eddie Vedder ist kaum zu verstehen. Was der guten Stimmung allerdings kaum Abbruch tut. Kein Wunder, geht es doch mit "God`s Dice", "Given To Fly", "Dissident" und "Severed Hand" volle Möhre weiter. Ein erstes Luftholen gibt es dann bei "Elderly Woman Behind A Counter In A Small Town". Die Halle feiert ihre Helden. Es folgen das wunderbare "Sad" vom Raritäten- und B-Seiten-Sampler "Lost Dogs" von 2003. Danach "Unemployable" vom aktuellen Album "Pearl Jam" (ein Review findet ihr hier) und mit "Even Flow" ein immer gern genommener Uralt-Kracher. Matt Cameron zeigt bei einem mehrminütigen Drum-Solo seine Kunst. Die Mischung stimmt. Am Ende haben Pearl Jam von jedem ihrer bisherigen neun Studioalben mindestens einen Song gespielt. Und immer wieder streuen sie eine Überraschung ein.

"I Got Shit" ist so eine. Das Stück erschien 1995 auf der "Merkinball"-EP mit Neil Young. Oder "Down", das 2002 als B-Seite der "I Am Mine"-Single veröffentlicht wurde. Dazwischen gibt es mit "Whipping" nochmal richtig was zum Abrocken. Die Halle kocht jetzt und das Adrenalin läuft mir aus den Ohren. Herrlich! Mit dem eher ruhigen "Present Tense", "Save You" und dem Knaller "Rearviewmirror" endet ein fulminantes Main Set. Man spürt förmlich, wieviel Spass die Band (zeitweise unterstützt von Boom Gaspar an der Hammond-Orgel) an dem hat, was sie da veranstaltet, als sie sich in eine kurze Pause verabschiedet. Von den Fans ganz zu schweigen.

"Inside Job" läutet dann den ersten Zugabenblock ein. Mit seinem elegischen Beginn wäre das Stück auch bestens als Opener geeignet. Danach "Do The Evolution" und "Betterman". Eddie Vedder beginnt den Song alleine auf seiner Gitarre und die ganze Halle singt mit. Ich habe eine Gänsehaut biblischen Ausmaßes und fange langsam an heiser zu werden. Zum Glück kann ich mich nach dem obligatorischen "Alive" kurz setzen. Man wird halt nicht jünger. Auch Pearl Jam gehen schnell mal was trinken, tauchen aber zügig wieder auf.

Besser gesagt, Eddie Vedder solo. Nur mit Akkustikgitarre bewaffnet singt er "No More War" aus dem Soundtrack des Antikriegsfilms "Body Of War". Wunderschön! Und noch ein Highlight! Es soll nicht das letzte gewesen sein, denn mit "Footsteps" (ursprünglich die B-Seite der "Jeremy"-Single von 1992) geht es nicht minder schön weiter. Diesen Song wollte ich immer schon live hören. Spätestens jetzt ist der Abend nicht mehr zu toppen. Denkste! Es folgt das extrem selten gespielte Neil Young-Cover "Throw Your Hatred Down" von dessen "Mirrorball"-Album von 1995. Danach "Blood", aber ich habe keine Kraft mehr. Bei voller Hallenbeleuchtung beschließt "Baba O`Riley" von The Who nach gut zwei Stunden ein abgesehen vom Sound denkwürdiges Set. The Who spielen übrigens morgen in München.

Als wir wieder ins Freie kommen regnet es. Der Himmel weint Freudentränen, anders kann es garnicht sein. Ich habe Pearl Jam jetzt zum neunten Mal gesehen und jedes Konzert war etwas besonderes. Das liegt alleine schon an den ständig wechselnden Setlisten. München allerdings wird in meiner heimlichen Rangliste einen der vorderen Plätze besetzen. Nächste Woche geht es dann weiter nach London. Hoffentlich scheint auch da zur Abwechslung die Sonne.   

Twitter

Amazon, Musicload, Napster & AOL-Download

Amazon.de Musicload

Mehr zum Thema:

Musicheadquarter Twitter RSS Feed abonieren! Musicheadquarter bei Facebook
Rhingtön
Digg Reddit Del.icio.us Facebook Twitter Google Yahoo! MyWeb Furl" BlinkList Technorati Mixx Windows Live MySpace Mister Wong
Joe Cocker Tickets bei www.eventim.de