Tour 2010 - Support: Pour Habit, Strike Anywhere und Bouncing Souls
Wenn vier Bands an einem Abend in einem Club spielen, kann man eigentlich schon von einem kleinen Festival sprechen. Dabei ist es für die routinierteste Band gleichermaßen eine kleine Premiere, denn Pennywise treten erst seit kurzem mit der neuen Besetzung auf, nachdem Sänger Jim Lindberg letztes Jahr die Band verließ und durch Zoli Teglas von Ignite ersetzt wurde. Ob sich die anfängliche Skepsis mancher Fans bestätigt, wird sich später zeigen. Erfreulich ist, dass die "Sea Shepard Conservation Society" mit an Bord ist, eine Organisation, die seit Jahren erfolgreich in den Weltmeeren mit der nötigen Aggressivität gegen den Walfang kämpft.
Pour Habit sollen den Anfang machen und fangen recht pünktlich um 20 Uhr an zu spielen. Eine energische Mischung aus Hardcore und Off-Beats bis hin zu Reggae macht richtig gute Laune und auf jeden Fall Lust auf mehr. Die an Heavy Metal-Soli angelehnten Breaks von Gitarrist Eric gehören ebenso zur Linie wie die Breakdance-Einlagen von Chuck. Weil das recht schüchterne Publikum sich ein wenig ziert weiter an die Bühne heranzutreten, steigt der Sänger geradewegs über die Bühnen-Absperrung, stellt sich mitten ins Publikum und singt zusammen mit den Fans. Selten hat man eine Band erleben dürfen, die ihren Spaß an der Musik so sehr auslebt und dabei absolut authentisch wirkt. Hier ist nicht nur für jeden der passende Musikgeschmack dabei, sie schaffen es sogar die verschiedenen Genres perfekt ineinander verschmelzen zu lassen. Noch kurz ein Lob an das deutsche Bier und hier und da ein bisschen Unfug und die Show ist perfekt. Schade, dass sie nur so kurz gedauert hat.
Langsam füllt sich der Konzertsaal der Markthalle, als nächstes stehen Strike Anywhere auf dem Plan. Die markanten Dreadlocks von Sänger Thomas Barnett werden natürlich sofort erkannt, als die Band die Bühne betritt. Die nicht minder markante Stimme natürlich auch und so ist wie selbstverständlich gleich zu Beginn des Auftritts der Pogopit im Gange. Politische Ansagen gehören genauso zur Show wie die gewohnte Härte und Aggression, mit der Strike Anywhere auftritt – die Fans lieben sie dafür und das passt auch zum Bild, welches sich in der mittlerweile recht gut gefüllten Markthalle bietet. Barnett erklimmt ebenfalls die Absperrung und hält abwechselnd den grölenden Fans das Mikro ins Gesicht. Eine gute Show ist man von den fünf Punkrockern ja bereits gewohnt und auch dieses Mal enttäuschen sie nicht. Zwar passt nicht immer jeder Ton und die Gitarre ist nicht die sauberste, aber wir sind hier ja nicht beim Kurkonzert und gerade diese nötige Portion Dreck macht den Punkrock ja bekanntlich erst zu dem was er ist: Dreckig, laut und Strike Anywhere.
Ähnliche Erwartungen werden den Bouncing Souls entgegengebracht, doch der erste Eindruck ist ein wenig zwiespältig. Gute Musik auf jeden Fall, aber irgendwie fehlt es an Dynamik. Ein wenig spießig schon fast, tritt Sänger Greg Attonito mit rosa Poloshirt und weißer Krawatte vor das Hamburger Publikum. Die Fans sind trotzdem begeistert und die Stimmung ist richtig gut. Das leichte Tanzen und Kopf-hin-und-her-Nicken von Attonito scheint ein wenig müde, aber scheinbar ist er der einzige im Saal und auch von der Band, der so wirkt. Hauptsache die Fans sind zufrieden und das ist merklich der Fall.
Als Headliner des heutigen Abends betreten zu guter letzt Pennywise die Bühne und spätestens jetzt wird klar, dass heute Abend jede der vier Bands auf ein Intro verzichtet hat. Mit neuer gesanglicher Unterstützung legen die vier Punkrocker aus Orange County, CA, gleich mit der gewohnten Energie los und die Fans tun es ihnen gleich. Letzte Zweifel über die Kompetenz von Sänger Zoli Teglas sind längst verflogen, er macht hier einen wirklich guten Job, auch wenn er mit der Attitüde des ein oder anderen Songs durcheinander kommt, aber das ist ihm verziehen. Scheinbar sieht es das Publikum ähnlich und so ist niemand enttäuscht und alle machen gut mit. Ein Album soll mit der aktuellen Besetzung auch schon geplant sein, die "Übergangslösung" hat sich also längst etabliert. Pennywise danken ebenso wie zuvor schon Strike Anywhere der Sea Shepard Crew, Teglas trägt sogar ein Soli-Shirt. Die politische Intention liegt der Band spürbar am Herzen, vor oder nach jedem Song gibt es einen mal kürzeren, mal längeren Kommentar oder ein übliches "The next song is dedicated toÂ…", so auch die Auf-die Fresse-Hymne "Fuck Authority". Der letzte Song wird wie immer dem ehemaligen Bassisten Jason Matthew Thirsk gewidmet, der 1996 vermutlich durch Suizid ums Leben kam. "Bro Hymn Tribute" beendet die Show und ebenso den Abend, der so schnell in der gleichen oder einer ähnlichen Besetzung wohl leider nicht wiederkommen wird. Aber hoffen kann man ja dennoch!