Peter Fox

Peter Fox, Cold Steel, Miss Platnum - Tour 2009

28.08.2009 Strandbad / Losheim

Von: Andreas Weist

Peter Fox Losheim

Das Phänomen Peter Fox lässt sich kaum in Worte fassen: Mehr als 700.000 Exemplare von "Stadtaffe" hat der Berliner inzwischen verkauft und heimst einen Preis nach dem anderen ein. Damit hat er seine Teamkollegen von Seeed längst hinter sich gelassen. "Mann für den Konsens" – so wird er gerne mal genannt. Warum? Weil er die Generationen zusammenführt, weil er intelligente deutsche Texte ohne Peinlichkeiten schreibt und weil seine Musik so komplex arrangiert und produziert ist, dass sich Hip-Hop-Freak und Klassikliebhaber gleichermaßen angesprochen fühlen.

Vergangenen Freitag hatte Peter Fox zu einem Konzert an den Losheimer See geladen. Dort weilte er nicht zum ersten Mal, denn Seeed hatten schon öfter das Vergnügen, in Losheim mit dabei zu sein. Das Open Air am Strandbad des Sees genießt einen hervorragenden Ruf und Jahr für Jahr beweisen die Veranstalter ein Gespür dafür, die Aushängeschilder der (vor allem deutschen) Musikszene ins Saarland zu lotsen.

Peter Fox heißt eigentlich Pierre Baigorry – oder Enuff, wenn er als eines der drei "e" von Seeed unterwegs ist. Heute darf aber das zweite alter ego beweisen, warum Foxy die coolste Sau unseres Planeten ist. Vor den Star hat das Schicksal allerdings die Vorbands gesetzt – und die könnten unterschiedlicher kaum sein. Ein Ansager teilt mit, dass Nummer 1 (eine Band namens Balthasar aus Belgien) sich verspätet. Man wolle aber den Zeitplan einhalten und Miss Platnum und der Headliner sollten pünktlich beginnen. Tatsächlich finden Balthasar noch den Weg auf die Bühne, rocken im Eiltempo zwei schnelle Nummern ab und werden auch schon wieder wegkomplimentiert. Merke: Wer im Stau steht, den bestraft das Leben.

Zweite Band des Tages ist Miss Platnum. Die Sängerin aus Berlin hat einen engen Bezug zu Peter Fox: Schon 2007 sang sie mit ihm gemeinsam den Titel "Come Marry Me" ein und begründete damit quasi die Karriere des Sängers außerhalb von Seeed. Jetzt darf sie wahrlich das Publikum vorglühen, um den Rest des Abends als Backgroundsängerin komplett auf der Bühne zu verbringen. Die Musik der deutsch-rumänischen Musikerin ist sehr vielseitig, enthält viele Elemente aus R’n’B, Soul und Hip Hop, die mit osteuropäischen Ethno-Soundspielereien verfeinert werden. Vor allem ein Ensemble aus drei Blechbläsern bringt ordentlich Pep in die Performance. Dazu ist Miss Platnums energische Stimme vom Allerfeinsten und lässt Vergleiche zu diversen Scream-Queens des Soul hochkommen. Das mitreißende Auftreten verleitet das Publikum von Beginn an zu Begeisterungsstürmen.

Diese wollen dann nicht mehr enden, als kurz nach 21.00 Uhr endlich der Meister selbst die Bühne betritt. Die Szenerie enthält viele Elemente aus bekannten Affen-Filmen, sei es "Planet der Affen" oder "King Kong". Ein armer Kerl muss zudem während des kompletten Auftritts mit äffischer Gummimaske neben Peter Fox rumhampeln. Unscheinbar, fast verloren steht der Meister auf der Bühne und hat doch die Szenerie vom ersten Ton an fest im Griff. Mit sonorer, durchdringender Stimme gibt es elf der zwölf Stücke vom Soloalbum. Nur "Zucker" wurde weggelassen – vielleicht weil einfach der weibliche Gegenpart mit schriller Frauenstimme fehlt. Doch wann kann mal ein deutscher Künstler ein fast komplettes Album vortragen, ohne dass man sich aufgrund mehrerer langweiliger Lückenfüller langweilen müsste? "Stadtaffe" verzeichnet nun mal keine Ausfälle. Jeder Song steht für sich und funktioniert vom ersten bis zum letzten Ton. Klar gibt es den größten Applaus für die Singlehits: "Haus am See" passt nach Losheim wie das Amen in die Kirche. Die Blockhütte auf der Großleinwand lässt die Zuhörerschaft sich wegträumen in eben dieses Haus, in das Fox alle einlädt. "Alles neu" wird beim ersten Mal nur angespielt und leitet in die schönste Hommage an Berlin aller Zeiten "Schwarz zu blau" über. Das komplette "Alles neu" gibt es dann erst im Zugabenteil.

Um auf eine Konzertlänge von knapp 90 Minuten zu kommen bedarf es natürlich noch weiterer Songs. Einige Stücke von Seeed werden ebenso zum Besten gegeben wie eine mit deutschem Raptext versehene Version von Led Zeppelins "Kashmir". Auch Miss Platnum darf aus dem Background wieder ans Hauptmikro treten und zwei weitere Songs performen. Und als Sahnehäubchen gibt es ja noch Cold Steel, die Truppe aus fünf Schlagzeugern, die mit viel Energie und perfekt einstudierten synchronen Bewegungsläufen ein göttliches Bild abgeben. Manchmal verschwindet ihr Schlagwerk zwar im Gesamtklang, doch wenn es dann wieder zu den Zuhörern durchdringt, kann kein Fuß still stehen bleiben.

Peter Fox nimmt die Geschehnisse mit stoischer Gelassenheit. 13.000 Zuschauer rasten bei jedem Ton aus, und er steht als personifizierte Coolness – gerne mit Sonnenbrille – im Rampenlicht. Ich hoffe, dass es nur ein Marketing-Gag war, das Ende der Solokarriere zu verkünden und Seeed wieder höchsten Stellenwert einzuräumen. Sicher wird auch die Stammband durch den unerwarteten Erfolg des Sängers einen Hype erfahren, doch es kann einfach nicht dasselbe sein. Peter Fox war mein Konzerthighlight der letzten Monate. Ein absolut stimmiger Auftritt vom ersten bis zum letzten Ton. Und ich will einfach nicht glauben, dass es mein erstes und letztes Fox-Konzert gewesen sein soll.

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