Peter Maffay

Peter Maffay & Band und das Philharmonic Volkswagen Orchestra - Tour 2010

27.11.2010 Arena Trier / Trier

Von: Andreas Weist

Peter Maffay Trier

Peter Maffay lud zum dreistündigen Konzert in die Arena Trier und bot eine Show der Extraklasse. Schon der Beginn war etwas ganz Besonderes: die Bühne lag noch im Halbdunkel, plötzlich ging ein Spot in die Zuschauermenge und Peter saß ganz allein mit einer Gitarre bewaffnet inmitten des Publikums und intonierte "Steppenwolf". Ein Einstand nach Maß und zugleich ein geschickter Schachzug, denn mit diesem Beweis an Bodenständigkeit hatte er die ausverkaufte Arena vom ersten Ton an auf seiner Seite. Die rockenden Mittfünfziger neben mir ebenso wie die Jugendlichen in meinem Rücken, von denen ich mehrfach am Abend ein "Ey, datt hätten mir dem net zugetraut" zu hören bekam.

Zum zweiten Song ging zunächst das Bühnenlicht an und enthüllte das 30köpfige Philharmonic Volkswagen Orchestra, das sich keineswegs im Orchestergraben versteckte, sondern für alle sichtbar verteilt auf einem zweistöckigen Gerüst den kompletten Bühnenhintergrund einnahm. Ein sehr imposantes Bild. Im Lauf der Show wurde dann mit einer großen LCD-Leinwand hinter den Musikern und vier kleineren vor den Musikern gearbeitet, die sich munter hin und her manövrieren ließen (die Leinwände, nicht die Musiker). Ein ausgeklügeltes Showkonzept für jede Stimmung. Peter rollte im Motorrad (!) zur Ouvertüre auf die Bühne und gab den Mottosong der "Tattoos"-Tour, nämlich "Schatten in die Haut tätowiert", zum Besten.

Wenn Musiker sich den Altrocker-Status erarbeitet haben, erwartet man eigentlich, dass die Zeit der Experimente vorbei ist. Um sich aber vom Gegenteil zu überzeugen, muss man nur die breit gestreuten Aktivitäten von Peter Maffay betrachten. Alte Hits – neu produziert. Die meisten fallen damit böse auf die Nase, doch hier scheint es zu funktionieren. Zunächst ist man natürlich die alten Versionen gewohnt und es dauert, bis sich etwas gänzlich Neues im Ohr festsetzt. So ging es mir mit dem "Tattoos"-Album. Für die Tour war Maffay dann auch nicht mehr so rigoros wie auf CD, sondern kehrte in den meisten Fällen zu den Bandarrangements zurück. "Sonne in der Nacht", "Und es war Sommer" – Peter hielt sich nicht lange mit Lückenfüllern auf, sondern haute gleich mit den größten Erfolgen rein. Die Ansagen waren sehr emotional und mitreißend, wenn er beispielsweise einen langen Appell zur Abrüstung von sich gab und dann den Song "Eiszeit" mit einem aussagekräftigen Dokufilm unterlegte.

Es folgte eine gesunde Mischung aus leicht rockigen Krachern und akustischen Balladen. Die neuen Arrangements wurden mit der Peter Maffay Band und dem Orchester umgesetzt, welches sich aber nicht zu weit in den Vordergrund drängt. Die symphonischen Elemente klangen sehr schön, man wünschte sich aber bisweilen, mehr davon zu hören. Die Band war in ihrer Spielfreude oft zu laut.

Ganz besondere Momente machte ich aus, als Maffay eine junge Dame, die nebst Mutter in der ersten Reihe stand, zu sich auf die Bühne nahm und einen Song lang im Arm hielt. Als er "Meine Musik" ganz allein und in sich gekehrt mit Pianobegleitung sang. Und als "Über 7 Brücken musst du gehn" mit historischen Aufnahmen vom Leipzig-Konzert 1989 hinterlegt wurde. Freudenschreie aus dem Publikum gab es auch, als der alte Schlager "Du" mit einem Original-Einspieler von Dieter Thomas Heck und der ZDF-Hitparade von 1970 eingeleitet wurde. Und fast schon hysterische Ausbrüche, als während des Songs Bilder aus den 70er Jahren (Plateau-Sohlen, Bravo-Cover) gezeigt wurden.

Bis hierher ein mehr als fantastisches Konzert. Allerdings gab es nach zwei Stunden Dauer einen längeren Hänger. Maffay zog sich mit wechselnder Begleitung wieder aufs Podest zwischen den Zuschauern zurück und spielte akustische Versionen einiger nicht so bekannter Stücke. Das wurde zwar vom Publikum wohlwollend aufgenommen – allein aufgrund der Publikumsnähe – hatte aber doch einige Längen. Zumal die Rückkehr auf die Bühne mit einer Reihe von vier nun folgenden Coverversionen verbunden war. Den Bandmitgliedern wurde ein eigenes Podium geboten und sie durften sich in jeweils einem englischsprachigen Song selbst am Mikro versuchen. Maffay blieb zwar auf der Bühne, hielt sich aber als Gitarrero dezent im Hintergrund. Es gab einige Rockstandards: "Addicted To Love", "Gimme All Your Loving", "Radar Love" und "Saturday Night’s Alright For Fighting". Stimmungsmacher zwar, aber in dieser zeitlichen Ausdehnung leicht nervig. Danach bot man nur noch vier pure Maffay-Songs nämlich "Josie" – was viele Zuschauer sichtlich glücklich machte – "Freiheit die ich meine" und sehr ausgedehnte Versionen von "Halt dich an mir fest" und "Nessaja". Damit alles in allem zwei wundervolle Stunden zu Beginn und ein durchwachsenes letztes Drittel.

"Nessaja" beschloss den Abend mit atmosphärischem Lichterglanz und starken orchestralen Einlagen. Nach dem Konzert sah ich in rundum glückliche und beseelte Gesichter. Jung und alt waren sich einig: 61 hin oder her – er kann‘s noch, der Peter. Mein erstes Maffay-Konzert war 1988 im Saarbrücker Ludwigspark. Ich bin guter Hoffnung, dass 2010 in Trier nicht das letzte war.

Die Setlist:

1. Steppenwolf (akustisch)
2. Overture
3. Schatten in die Haut tätowiert
4. Sonne in der Nacht
5. Kein Weg zu weit
6. Und es war Sommer
7. Eiszeit
8. Bis ans Ende der Welt
9. Der Kreis
10. So bist du
11. Meine Musik
12. Ewig
13. Weil es dich gibt
14. Du
15. Für immer
16. Über 7 Brücken musst du gehen
17. Wenn ich geh
18. Unbekanntes Land (akustisch)
19. Ich bin nur ein Mann (akustisch)
20. Was wär ich ohne dich (akustisch)
21. Addicted To Love (Robert Palmer)
22. Give Me All Your Loving (ZZ top)
23. Radar Love (Golden earring)
24. Saturday Night's Alright For Fighting (Elton John)
25. Josie
26. Freiheit die ich meine
27. Halt dich an mir fest
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28. Nessaja 
 

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