First Final Farewell-Tour 2005
An diesem Samstagabend im November darf ich gleich zwei Premieren feiern: Phil Collins habe ich noch nie live erlebt und die Düsseldorfer LTU Arena auch nicht. Über Collins` Musik kann man ja durchaus geteilter Meinung sein. Aus seiner Zeit bei Genesis und solo bis zu seinem 1993er Album „Both Sides“ schätze ich persönlich ihn als Musiker sehr. Danach ist er mir leider allzu sehr ins Schmalzige abgedriftet. Als Mensch kam er aber jederzeit freundlich und bescheiden rüber.
So passt es ins Bild, dass von jeder Eintrittskarte (Preise zwischen 55 und 89 €) 17 € als Spende an die von ihm und seiner Frau Orianne gegründete „Little Dreams Foundation“ fließen. Damit sollen weltweit Kinder zwischen 4 und 16 Jahren gefördert werden, die über besondere Talente in den Bereichen Sport und Kunst verfügen. Da die beiden Düsseldorf-Shows (Zusatzkonzert am 13.11.) die einzigen Deutschland-Auftritte des Briten in diesem Jahr sind, ist die LTU Arena natürlich zweimal ausverkauft. Da kommt schon ein hübsches Sümmchen zusammen.
Die LTU Arena wirkt ebenso imposant. Aber ist das nun mehr Halle oder Stadion? Immerhin dürfen hier auch ab und zu die Fussballer von Fortuna Düsseldorf in der Regionalliga auf Torejagd gehen. Betrachtet man den Glaskasten denn als Halle, drängt sich dem Rheinländer unwillkürlich der Vergleich zur Kölnarena auf. In Sachen Atmosphäre und Akustik hat die LTU Arena dabei für mich die Nase vorn. Von der Infrastruktur ist das Ding allerdings eine mittlere Katastrophe. Erst nach einer wahren Odyssee über unzählige Treppenaufgänge und –abgänge finden wir den Eingang zum Innenraum.
So schaffen wir es gerade noch uns mit einem Getränk zu versorgen, als Phil Collins auch schon unter dem riesigen Jubel von 50.000 Menschen auf die Bühne schlendert. Ganz in Schwarz und nur mit zwei Drumsticks bewaffnet. Hier legt er erst mal ein fulminantes dreiminütiges Solo auf die Felle, dass einem das Bier aus dem Becher schwappt. Dann gesellt sich Chester Thompson hinzu und die beiden bearbeiten ihre Schlagzeuge volle zehn Minuten lang im Duett. Wie geil ist das denn wohl? Überhaupt hat Phil Collins seine alten Haudegen wieder vollständig versammelt. Neben Thompson sind das vor allem Gitarrist Daryl Stuermer und Leland Sklar am Bass. Sie zeigen im Verlauf des Abends mehrfach, warum sie zu den größten Könnern ihres Fachs gehören.
Nach diesem bombastischen Auftakt geht es weiter mit „Something happened on the way to heaven“ und „Against all Odds“. Zum ersten Mal erleuchten tausende Feuerzeuge die Arena. Auch die Rhythmussektion und der Backgroundchor leisten perfekte Arbeit. Am Sound gibt es nicht das geringste auszusetzen. Ausgewogen abgemischt und schön fett. Nach „Don`t lose my number“ begrüsst Collins seine Fans auf Deutsch (wenn auch von einem Spickzettel abgelesen). Mit „Ich habe gehört, dass manche Leute dabei Sex haben“ leitet er über zu „One more night“. Die Videowand hinter der Bühne verwandelt sich dazu passend in einen Sternenhimmel.
Ohne viel Firlefanz reiht sich ein Hit an den nächsten: „Can`t stop lovin` you“, „Hang in long enough“ oder „True Colours“ (a capella!). Collins im Gänsemarsch mit seinem sechsköpfigen Chor ist dabei schon ein choreographischer Höhepunkt. Ansonsten lässt er alleine die Musik für sich sprechen. Und die ist so perfekt schön dargeboten, dass sein Konzert schon jetzt mit zum Besten zählt, was ich in diesem Jahr gesehen habe. Die Stimmung in der Halle ist entsprechend euphorisch. Es folgen „Come with me“, „Groovy kind of love“, „Another day in paradise“ und „Seperate Lives“. Wieder erstrahlt der Sternenhimmel, diesmal mit Vollmond.
Dann kommt der absolute Knaller! Sphärische Klänge wabern durch die Menge und die Bühne sieht aus als würde gerade ein UFO darauf landen. Die ersten Takte von „In the air tonight“ graben sich in meine Eingeweide und ich habe spontan eine Gänsehaut gigantischen Ausmaßes. Insbesondere als Collins mit dem Schlagzeug einsetzt. Dudumm-dudumm-dudumm-dudumm-dumm-dumm... wunderbar!
Abgerundet wird das reguläre Set von „Dance into the light“, einem Medley („You can`t hurry love“/“Two Hearts“/“Wear my hat“) und „Invisible Touch“. Spätestens bei dem Genesis-Klassiker ist die Stimmung nicht mehr zu toppen. „Easy Lover“ und „Sussudio“ setzen den vorläufigen Schlusspunkt. Ein Regen aus Luftschlangen ergießt sich auf die Bühne (schließlich hat am Tag zuvor der Karneval offiziell begonnen) und Phil Collins geht zum Abklatschen zu den Fans in den Graben. Ich glaube, er ist der einzige, der hier noch völlig unaufgeregt ist...
Als Zugabe setzt er sich nochmals mit Chester Thompson hinter die beiden Drumkits, bevor nach knapp 140 Minuten mit „It`s not too late“ und „Take me home“ endgültig Schicht ist. Bevor wir uns am Ende eines sehr schönen Abends auf die Suche nach dem Ausgang begeben, sind wir sicherlich nicht die einzigen die sich wünschen, dass Phil Collins in dieser Form seiner First Final Farewell Tour noch einige mehr folgen lässt!