Philipp Poisel

Bis nach Toulouse-Tour 2011 - Support: Florian Ostertag + Alin Coen

24.01.2011 Live Music Hall / Köln

Von: Hannah Fuchs

Philipp Poisel Köln

Philipp Poisel am 24. Januar in Köln. Die Live Music Hall meldet Ausverkauft. Zu früh da und zu weit platziert in den vorderen Reihen oder vielmehr: Zu weit entfernt von der Theke – wie man während des Konzertes feststellt. Schier unerreichbar. Da steht man nun, vorne rechts, gute Sicht und umringt von Pärchen! Pärchen links, Pärchen rechts. Durch Drängelei und ständigen Körperkontakt mit kuschelnden und knutschenden Verliebten fühlt man sich nur noch halb so einsam.

Dann geht’s pünktlich um 20 Uhr los mit Florian Ostertag, dem Pianisten von Philipp Poisel. Innerhalb einer halben Stunde hat sich der Eindruck von "geht so" zu "gefällt mir" und zu "gefällt mir sogar ziemlich gut" gewendet. Besonders der zufällig am Glockenspiel gelandete Freund ist der Liebling des Abends. Highlight des Auftritts ist das Schlagzeug vom Tonband und die Schreibmaschine, umfunktioniert zum Rhythmusgerät. Übelnehmen kann man es ihm nicht, Florian hat seine Freunde und ehemaligen Bandkollegen entschuldigt: "Die haben nun richtige Jobs; Ingenieure und soÂ…". Macht nichts, Flo! Deine One And A Half Man-Show ist unterhaltsam und originell. Auch wenn man aus anderen Gründen gekommen ist, er hätte auch noch etwas länger auf der Bühne bleiben können.

Ruhig hat es begonnen, ruhig geht es weiter. Etwa gegen 20.30 Uhr betritt Alin Coen die Bühne. Auch sie kommt allein. Ihre Band hat sie an diesem Abend daheim gelassen. Die charmante Sängerin kann das Publikum von sich und ihrer Musik überzeugen. Wer auf ruhige, leicht melancholische Musik steht: Am 22. März spielt Alin MIT Band in der Kölner Werkstatt.

Um 21.30 Uhr etwa geht es dann los, ohne ein Wort (muss ja auch nicht immer sein!) wird das erste Lied angestimmt. Da steht er nun: Ein 27-jähriger Philipp Poisel im Raupe-Nimmersatt-Shirt - wie männlich! Aber er klärt die Sache auf. Es ist das "Bis nach Toulouse"-Tour-Shirt und keine Raupe, sondern der einzig wahre Ohrwurm. Und wenn man vom Teufel beziehungsweise Wurm spricht, da ist er auch schon - weiter geht die Setlist mit "Wo fängt dein Himmel an".

Herr Poisel entpuppt sich an diesem Abend als wahrer Geschichtenerzähler. Nach den wortkargen ersten Liedern gibt es zu fast allen folgenden die Entstehungsgeschichte oder andere Gedanken, die Philipp loswerden möchte. Garten von Gettis? Man könnte fast meinen, man wäre selbst dort gewesen. Und Alberto ist seit Montag auch einer meiner besten Freunde, wegen mir kann er zum nächsten Jahreswechsel mit seinen Italiener-Freunden bei uns zu Hause aufschlagenÂ… Zur Halbzeit gesellt sich dann Alin Coen nochmal dazu, um Philipp Poisel bei einem Schlaflied zu unterstützen. Falscher Alarm – noch ruhiger wird es nicht: Im folgenden Programm geht es sogar etwas lauter und schneller zu.

Kurz vor Schluss, bei dem Versuch sich nach hinten zur Theke durchzukämpfen, fällt auf: Ein erstaunlich bunt gemischtes Publikum. Gar nicht nur Pärchen hier?! Umso weiter man nach hinten kommt, desto älter werden die Zuschauer. Und sogar ein ziemlich ausgewogenes Geschlechterverhältnis. Leider sinkt die Soundqualität aber auch rapide mit Umzug in die hinteren Reihen. Auch die Geschichten bzw. den Text versteht man nur noch halb so gutÂ… Egal: Poisel, dein Konzert war eine Reise wert, wenn auch nicht bis nach Toulouse, so doch wenigstens in die Live Music Hall.

 

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