Philipp Poisel & Freunde - mit Florian Ostertag, Oh Napoleon und Alin Coen Band
"Bis nach Toulouse" hat er es bei der gleichnamigen Tour zwar noch nicht geschafft, dafür macht Philipp Poisel nun schon zum zweiten Mal Halt in der heimlichen rheinischen Hauptstadt. Beim letzten Mal noch in der ausverkauften Live Music Hall, spielt Philipp diesmal Open Air im Rahmen des c/o pop-Festivals im Kölner Tanzbrunnen. Der Unterschied zum letzten Mal: Genug Raum, fern von stickiger Konzerthallen-Atmosphäre. Auf den rund 30.000 Quadratmetern Areal finden rund zehntausend Fans Platz und die frische Luft macht auch ein Hyperventilieren der Teenie-Mädchen-Fraktion schier unmöglich.
Um 17.45 Uhr geht es los. Den Anfang, oder vielmehr die kurze Begrüßung, übernimmt Florian Ostertag, der kurz später, wie gewohnt, dann aber auch wieder als Pianist bei Philipp Poisel im Einsatz sein wird. Um 18.15 Uhr räumt er die Bühne für Oh, Napoleon. Mit der Zeit strömen immer mehr Fans in den Tanzbrunnen. Picknickdecken werden ausgebreitet, es gibt frisch gezapftes Bier und Grillwürstchen. Und auch Petrus, den Wettergott, scheint die Festival-Atmosphäre milde zu stimmen. Nach dem unbeständigen Wetterwechsel im Laufe des Tages lässt er es zum Abend hin gut sein und die Sonne scheinen.
Um 18.20 Uhr betreten Oh, Napoleon die Bühne. Die fünfköpfige Indie-Pop Band aus Krefeld hat an diesem Tag sogar etwas zu feiern. Denn seit heute gibt es ihr Debütalbum "Yearbook" zu kaufen. Und man merkt, die Feierstimmung steckt auch das Publikum an. Spätestens beim dritten Song "I Don’t Mind" hat Sängerin Katrin Biniasch mit ihren vier Jungs den Zuschauern einen Ohrwurm verpasst. Es scheint, als wäre es eine Feuertaufe für die Band: Von ruhig und leise, wird es schneller und sogar schon rockig. Die Band zeigt, was sie drauf hat. Dabei müssten sie sich gar nicht mehr beweisen. Denn gezeigt, dass sie es können, haben sie bereits beim diesjährigen Rock am Ring- und Rock im Park-Festival.
Nach den sieben Songs hat man einen Vorgeschmack auf die Vielfältigkeit des neuen Albums. Hier findet sicherlich jeder seinen ganz persönlichen Ohrwurm. Denn man merkt, auch das Publikum im Kölner Tanzbrunnen ist schnell überzeugt. Im Laufe des Konzertes lassen sich alle von Rhythmus und Stimmung der Band anstecken.
Hier die Setlist von Oh, Napoleon:
Save Me
Chicago
I Don’t Mind
Falling Away
Lovers In Your Head
To Have / To Lose
Good Times
Mit "Das waren wir – Oh, Napoleon!" übergeben sie das Mikro an die Alin Coen Band, die um 19 Uhr die Bühne betreten. Diesmal, im Gegensatz zum letzten Konzert in der Live Music Hall, eben nicht nur Alin Coen alleine, sondern in Begleitung der Band. Und auch die sind erst einmal baff. "Wir haben noch nie vor so vielen Leuten gestanden", stellt Alin auf der Bühne, mit Blick über den Tanzbrunnen, fest. Doch schnell fasst sich die charmante Sängerin und beginnt eher ruhig und melancholisch. "Es sollte eigentlich ein ganz fröhliches Lied werden", rechtfertigt sich Alin. "Das ist es aber nicht geworden". Bis einschließlich diesem dritten Song "Wolken", kann man der Band gut im Sitzen zuhören. Denn trotz der großen Fläche, schaffen sie es, eine intime Atmosphäre zu erzeugen. Auf der Picknickdecke liegend, hat man sich glatt auf eine Sommerwiese träumen und den gepflasterten Tanzbrunnenboden unter sich vergessen können.
Jedoch spätestens bei "Chasing Answers", bei dem Alin Coen persönlich am Keyboard steht, hält dann auch die Fans nichts mehr am Boden. Es scheint, als hätte sich das Publikum, wenn auch verträumt und ruhig, in Ekstase getanzt. Die Mischung aus englischen und deutschen Songs scheint beim Publikum angekommen. Um 19.30 Uhr hat es sich jedoch ausgeträumt und die Alin Coen Band lässt ein zufrieden wirkendes Publikum zurück, das dann dem Hauptact des Abends, Philipp Poisel, entgegenfiebert.
Setlist Alin Coen Band:
Segelflieger
Halo
Wolken
Chasing Answers
Einer will immer mehr
Steps
Hol mich ein
Pünktlich um 20 Uhr ist er da. Wortlos geht es mit "Für keine Kohle dieser Welt" los. Danach hat sich Philipp Poisel wohl gesammelt. "Heute wird der Tag sein, an dem ich Texte vergesse, an dem ich Namen vergesse und an dem ich sogar vergesse, wie ich heiße", stellt er, von der Menschenmasse überwältigt, fest. Er habe noch nie vor so vielen Menschen gespielt, gibt er zu. Zur Sicherheit, um den Überblick zu behalten, hat er sogar ein Fernglas dabei. Er scheint vorbereitet. Ein Orchester, das ihn bei einigen Songs unterstützt, verschlägt dem bis dahin eher aufgeweckten Publikum die Sprache und versetzt die Massen ins Staunen.
Philipp Poisel sorgt mit seinem Konzert für ein Stimmungschaos: Ohnehin schon ruhige Lieder bekommen durch das Orchester die Krone aufgesetzt, bei "Im Garten von Gettis" packt seine Band Ukulele und Mandoline aus und sorgt damit für Urlaubsstimmung. Zum Ausgleich bittet Herr Poisel hin und wieder zum Tanz, was das Publikum sich nicht zweimal sagen lässt. Und zwar nicht nur ein bisschen, sondern auch auf der hintersten Picknickdecke erhebt man sich, um mit Philipp zu tanzen. Der tut es seinem Publikum auf der Bühne gleich.
Und gegen Ende des Abends merkt man, auch er kann sich nur schlecht trennen. Zwei Stunden lang, ohne Pause, bis 22 Uhr, spielt Philipp Poisel mit seiner Band. Drei Zugaben, die fast kein Ende finden und die Fans auch gar kein Ende zulassen möchten. Mit dem Sonnenuntergang kommt jedoch auch der Zapfenstreich im Kölner Tanzbrunnen: Man merkt Philipp Poisel und seiner Band an, dass sie hier wirklich nur ungern klein beigeben und sicherlich bald wieder in Köln zu hören sein werden.
Setlist Philipp Poisel:
Für keine Kohle dieser Welt
Ich und Du
Markt und Fluss
Durch die Nacht
Wo fängt dein Himmel an
Im Garten von Gettis
Froh dabei zu sein
Halt mich
Schweigen ist Silber
Zünde alle Feuer
Wie soll ein Mensch das ertragen
Mit jedem deiner Fehler
Bis nach Toulouse
All die Jahre
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Liebe meines Lebens
Als gäb’s kein Morgen mehr
Ich will nur