Tour 2009
Wenn man auf viele gut gelaunte Menschen treffen will, muss man nur ein Konzert von Phoenix besuchen. Die Franzosen machen es einem aber auch nicht schwer, sich auf ihren Gigs gut zu fühlen. Dies liegt vor allen Dingen an der Nonchalance von Sänger Thomas Mars und seinen Bandkollegen.
Ganz entspannt gleitet der Phoenix-Zeppelin, der auf dem Cover vom neuen Album "Wolfgang Amadeus Phoenix" abgebildet ist, bei Songs wie "Run Run Run" durch den Abend, nimmt bei "Rally" ordentlich Fahrt auf, um dann später beim letzten Lied "1901" wieder sanft auf dem Boden zu landen. Zwischendurch genießt man die (Sound-)Landschaften im Licht der untergehenden Sonne, passiert ein paar Schäfchenwolken und lässt sich die Abendluft um die Nase wehen.
Phoenix ist der musikalische Inbegriff von Gelassenheit. Die Songs allein sind so atmosphärisch, dass es auf der Bühne keines Brimbamboriums bedarf. Lediglich in Nebel und spärliches Licht gehüllt geben die Franzosen mit Hits wie "If I Ever Feel Better", "Everything Is Everything", "Long Distance Call" und "1901" einen Querschnitt durch alle vier Alben zum Besten. Hierbei unterstreicht die Band eindrucksvoll, dass sie qualitativ in den neun Jahren nach dem Debütalbum "United" nicht im Geringsten nachgelassen hat. Immer noch sorgt der Cocktail aus Indie-Rock, Eighties-Pop und elektronischen Exkursionen für berauschende Momente.
Und bei allem Star-Ruhm sind die Jungs auch noch auf dem Boden geblieben. Zwischen "Too Young" und "Consolation Prizes" wird das Publikum gebeten, ein Geburtstagsständchen für Crew-Mitglied Cedric zu singen. Dies lässt sich der sangesfreudige Kölner drei Tage nach Eröffnung der Karnevalssession natürlich nicht zweimal sagen und trällert aus allen Kehlen mit. Die Nähe zum Publikum zu suchen, scheint gerade für Frontmann Thomas Mars ein besonderes Bedürfnis zu sein. Bereits beim dritten Lied "Lasso" klettert er von der Bühne, um ein ausgiebiges Bad in der Menge zu nehmen. Gegen Ende des Konzerts gibt es eine weitere Tuchfühlung, indem der smarte Sänger von einer seitlichen Empore kurz über dem Zuschauerraum etliche Hände schüttelt. Sicherlich eine unvergessliche Begegnung für viele der weiblichen Fans. Doch leider Pech gehabt: Der Frontmann ist mit der Regisseurin Sofia Coppola ("Lost In Translation") verheiratet und hat mir ihr einen Sohn. Messieurs: Vielen Dank für einen wundervollen Konzertabend. Allez les bleus!
Setlist:
Lisztomania
Long Distance Call
Lasso
Run Run Run
Fences
Girlfriend
Armistice
Love Like a Sunset Part I
Rally
Too Young
(Happy Birthday, Cedric)
Consolation Prizes
Rome
Funky Squaredance
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Everything Is Everything
Love For Granted
If I Ever Feel Better
1901