Funhouse Tour 2009
Sie hat den Brit Award gewonnen, zwei Grammy Awards und fünf MTV Video Music Awards. Mit ihrem aktuellen Album "Funhouse" schoß sie im Oktober des vergangenen Jahres direkt an die Spitze der internationalen Charts. Die Rede ist von Alecia Beth Moore, besser bekannt als Pink. Zwischen dem 8. März und 8. April gibt sich die 29-jährige für gleich zwölf Konzerte in Deutschland die Ehre und heute abend steht Köln auf dem Tourplan.
Die Kölnarena ist komplett ausverkauft. Das schaffen nicht viele. Die Stimmung unter den 16.000 Fans im weiten Rund ist schon vor Beginn prächtig. Jeder Roadie, der nur eine Wasserflasche durch die Gegend trägt, wird bejubelt. Die Bühne ist noch hinter einem grossen bunten Vorhang verborgen, auf dem das "Funhouse"-Logo prangt. Um kurz nach 21 Uhr ertönen dann die ersten Takte von... "Highway To Hell". Häh? Falsches Konzert? AC/DC sind doch erst für Mai in der Domstadt angesagt. Nein, es ist nur das Intro. Aber gut gewählt! Währenddessen läuft auf vier Videoscreens ein Film ab, in dem sich Pink erst gelangweilt auf einer Couch herumlümmelt, um dann schließlich mit ihrem Motorrad davonzubrausen. Unterwegs trifft sie ein Gauklerpaar und wagt mit dessen männlichem Part auf der Strasse ein Tänzchen. Der Tänzer erscheint dann wie bestellt auch auf der echten Bühne, trippelt zu einer Kurbel am Ende des Laufstegs, der in den Innenraum ragt und öffnet so eine Luke am Ende des Catwalks. Aus dieser wird Pink an zwei Seilen über die Köpfe ihrer Fans emporgezogen. Ein mehr als origineller Auftakt für die nun folgenden knapp zwei Stunden Entertainment der Extraklasse!
Alleine die Bühnendekoration ist ein Fest fürs Auge. Als der Vorhang fällt, gibt er den Blick frei auf eine Konstruktion, die im Stile eines alten Jahrmarkts gehalten ist. Mit ihren Rutschen, Treppen und Podesten erinnert sie fast ein wenig an einen überdimensionalen Flipper. Unterstützt wird Pink von fünf Tänzern, zwei Backgroundsängerinnen und einer 6-köpfigen Band. Aus dieser ragen im weiteren Verlauf besonders Jesse Green an Violine und Cello, Gitarrist Justin Derrico sowie Jason Chapman (Keyboards, Piano) heraus. Los geht es mit "Bad Influence" und "Just Like A Pill", bei dem sich Pink lasziv vor dem Schlagzeugpodest und den Fans am Kopfende des Laufstegs räkelt. Überhaupt sehr sexy, die Dame. Ob in roter Lederhose, schulterfreiem Umhang und High Heels oder später im Spitzen-BH und knielanger, spitzenbesetzer "Hose". Nur der Sound ist anfangs noch etwas matschig, was sich aber spätestens bei "I Touch Myself" legt. Auch hier windet sie sich wieder auf einem roten Sofa, aus dem plötzlich Hände erscheinen und sie betasten. Ein ähnliches Schauspiel kann man dann während "So What" bestaunen, nur dass sich diesmal die Tänzerinnen in Unterwäsche auf einem grosszügigen Futon eine Kissenschlacht liefern, bis die Fetzen fliegen. Die Fans sind jedenfalls begeistert.
Aber Pink kann auch anders. "Family Portrait" singt sie nur mit Pianobegleitung und sorgt so für Gänsehautstimmung. Und es bleibt ruhig. Folgt anschließend doch ein ausgewachsener Unplugged-Block aus "I Don`t Believe You" (bei dem sie sich symphatischerweise an der Akustikgitarre verspielt - Kommentar: "Bullshit"), Crystal Ball" und einer sehr schönen Neuinterpretation von "Trouble". Unbestrittener Höhepunkt ist dabei jedoch das Led Zeppelin-Cover "Babe I`m Gonna Leave You". Hut ab! Doch das wahre Highlight soll erst noch folgen.
Während "Sober" vollführt Pink nämlich auf einer Trapezschaukel unter der Bühnendecke allerlei akrobatische Kunststücke und singt bei dieser zirkusreifen Vorstellung auch noch fehlerfrei weiter. Eine atemberaubende Einlage! Nicht nur Pink, auch die Kölnarena steht Kopf. Aber das ist immer noch nicht alles. Es folgt "Bohemian Rapsody" von Queen, stilecht im Freddie Mercury-Outfit vorgetragen. Zu "Funhouse" zieht Pink dann noch einmal alle Register der Tanzchoreographie, bevor es über "Crazy" (an dem auch Gnarls Barkley seine Freude gehabt hätte), die Piano-Nummer "Glitter In The Air" und das selbstironische "Get The Party Started" dem Ende des 23 Songs starken Sets entgegen geht. Im Hintergrund wackeln derweil zwei riesige aufblasbare Teufelsfiguren anerkennend mit den Köpfen. Am Schluss sitzt in der feierseligen Kölnarena tatsächlich niemand mehr und die Fans haben 120 Minuten Vollbedienung mit Musik und noch mehr optischem Genuss erlebt. In beiderlei Hinsicht eine ganz starke Performance von Frau Moore und ihren Mitstreitern. Und das bei vergleichsweise moderaten Ticketpreisen. Davon kann sich so mancher Kollege eine dicke Scheibe abschneiden.
Insbesondere, weil das Ganze bei aller Perfektion überraschend natürlich rüberkommt und den Protagonisten sichtlich Spass zu machen scheint. Ich persönlich habe Pink bisher immer etwas abschätzig als "Madonna der Rockmusik" betrachtet. Aber heute abend hat sie auch mich ehrlich begeistert. Und wenn man den Kritiker überzeugt, das wusste schon Goethe, kann man sich eigentlich zur Ruhe setzen. Doch das wird Pink nicht tun. Im Gegenteil. Im November und Dezember kehrt das "Funhouse" für weitere zehn Gigs zurück! Gut so!