Funhouse Summer Carnival Tour 2010 - Support: Stanfour, Butch Walker, Nikka Costa und Paolo Nutini
Weil der Tourauftakt, damals am 08. November 2002 im ausverkauften E-Werk so glänzend lief, wollte Pink die Deutschland Tour 2010 wieder in Köln starten. Da ist sie Traditionalistin. Diesmal allerdings im ausverkauften Rhein Energie Stadion. Das kann man durchaus Karriere nennen.
Mit Stanfour, Butch Walker, Nikka Costa und Paolo Nutini beginnt das Programm bereits um 17.00 Uhr. Als dann um 21.00 Uhr die Bühne für Pink bereitet wird, schwappt bereits die Welle durchs Stadion. Immerhin ein Ort in dem es in den letzten Jahren nicht viel zu feiern gab. Ein Kran hebt einen Korb auf Höhe des Stadiondaches, auf die Bühne wird eine überdimensionale Kanone gezogen und gezündet. Und neben vielen Ballons fällt Pink aus dem Korb, mit großen, goldenen Schwingen. Gott sei Dank wird die Kanone von Pinks Tänzerinnen abgeschossen, die Jungs vom FC hätten wahrscheinlich nicht getroffen.
Sicher gelandet beginnt sie mit "Get The Party Started", welches aber gleich zu "Funhouse" wird. "Who Knew" klingt puristischer, ein bisschen wie ein Rough-Mix, aber auch erwachsener als im Studio. Ebenso wie "Bad Influence" irgendwie eine Spur rauer, rockiger als sonst. Dann ist es Zeit für den ersten Kostümwechsel. Aber natürlich zieht sich der weibliche Badass nicht backstage um, sondern "on stage". Hinter einem Papiervorhang, im Gegenlicht mit bester "9 ½ Wochen"-Musik. Show ist ja schön und gut, aber wenn aus einem wirklich "nackten" Song wie "Don´t Leave Me" eine Mitklatsch-Nummer wird, während im Hintergrund ein Video mit ihrem (Noch-, Nichtmehr- oder Schonwieder-?) Mann Carey Hart läuft… ich weiß nicht, schon etwas strange. Die Stimmung bleibt auch bestehen als Pink im Regen auf einem der Seitenstege sitzt und "Sober" singt. Sie, die immer als Rebellin für die Kunst und gegen den Kommerz stand. Gegen austauschbaren Plastik Pop und für Rock Musik. Irgendwie passt ihr selbstauferlegtes Tom Boy- und Lucky Bitch-Image nicht zu den immer kürzer werdenden Röcken. Die Stiefel nicht zu ihrer offenen Abneigung gegen Konventionen. Sie singt wirklich schöne Moll-Songs zu Uptempo Dur-Melodien. Aber man kann seinen Kummer natürlich auch einfach feiern, und zugegeben, der Grat zwischen Kunst, Kitsch und Kommerz ist wirklich sehr, sehr schmal.
Doch zurück zum P!NK-Universum: Von der Decke werden lange rote Tücher gelassen. Pink und ihre beiden Tänzerinnen haken sich ein, werden hochgezogen und Pink singt "Unwind" komplett kopfüber. Wieder zurück auf dem Boden der Tatsachen begrüßt sie ihren "very, very dear drinking buddy" Butch Walker. Zusammen singen sie abwechselnd The Who´s "My Generation" und Green Day´s "Basket Case" und "Roxanne" von Police. Bis Pink in einen riesigen, transparenten Ball klettert und damit durchs Stadion "surft". Nach eigenen Angaben hat sie das zum ersten Mal gemacht. Und die Fans kommen weiter voll auf ihre Kosten. "Just Like A Pill" singt sie fast durchgehend im Graben, schreibt dabei Autogramme, macht Fotos, nimmt Geschenke entgegen… Pink ist zur Zeit so etwas wie der weibliche Robbie Williams. Sie ist Entertainerin durch und durch. Auch wenn man manchmal den Eindruck gewinnt, sie sei trotz des Riesenerfolges nicht wirklich glücklich, als habe die Kunstfigur P!NK, Alecia Beth Moore schon lange und uneinholbar überholt. Um dies zu bestätigen (oder um es zu widerlegen?), setzt sie sich im Regen auf den Seitensteg und singt dem ausverkauften Stadion "I´m Not Here For Your Entertainment" entgegen.
Nach einer sehr kurzen Pause kommt sie zurück, hakt sich in ein paar Drahtseile ein und hebt jetzt richtig ab. Während sie "So What" singt, fliegt sie kreuz und quer durch das ganze Stadion, bleibt in der Luft stehen, taucht dann senkrecht ins Publikum ab, macht Handstände auf Pfeilern im Innenraum, überschlägt sich in der Luft und lässt sich zum großen Finale feiern. Während auf dem Bühnendach Feuerfontänen aufsteigen. Nach nur 80 Minuten ist dann doch sehr pünktlich Schluss, und während ich zum Ausgang geschoben werde, bekomme ich eine SMS vom Chef: "ENTERTAINMENT!!!" – Schöner und treffender hätte ich das auch nicht sagen können.