Portugal.The Man

American Ghetto - Tour 2010 - Support: Plants & Animals

11.08.2010 Centralstation / Darmstadt

Von: Pascal Kraus

Portugal.The Man Darmstadt

Die Musik ist augenscheinlich nicht ganz so seltsam wie der Bandname des Quartetts aus Wasilla, Alaska. "Portugal.The Man" sind mittlerweile in Portland, Oregon angekommen und haben dort seit 2005, nach anfänglich entbehrungsreichem Dasein, weiter an ihrer speziellen Art von Musik gebastelt. Mit der Verstärkung durch Jason Sechrist am Schlagwerk bringen die Musiker dann auch bald ihr Debüt "Waiter:"You Vultures" unters Indie-Volk. Darauf brauen John Gourley (Gesang, Gitarre), Wesley Hubbard (Keyboards), Zachery Carothers (Bass, Gesang) und eben der später hinzugekommene Mann an den Percussions einen brodelnden Sud aus den unterschiedlichsten Genres. Da werden die Hardcore-Einflüsse aus den Teenagerjahren im kalten Alaska mit einer feurigen Prise Soul, Elektro – Emo – sonst was – Core – Rock durch den audiophilen Fleischwolf gedreht. Es folgt die fiepende elektronische EP "Its Complicated Being A Wizard" und "Devil Say I, I Say Air", welche mit dem zweiten Longplayer "Church Mouth" und dessen sechziger Jahre infizierten Rock buchstäblich die Elektroden abgedreht bekommen. 2009 folgt das elegische dritte Album "The Satanic Satanist" und die vorläufige Krone dieser Veröffentlichung- und Schaffenswut setzt all dem jetzt aktuell das 2010er Werk "American Ghetto" auf, mit dem im Gepäck die Kombo derzeit auf Clubtour unterwegs ist und diese am heutigen Abend in der Centralstation in Darmstadt Halt macht.

Eine passende Wahl, so zeichnet sich diese Institution im Rhein-Main-Gebiet doch durch ein sehr anspruchsvolles und vor allem Genre übergreifendes Programm aus. Die besten Voraussetzungen also, die ebenfalls "übergreifende" Musik der Amerikaner den anwesenden Indie-Nerds gebührend zu präsentieren. Schade nur, dass die Centralstation heute nicht ausverkauft ist. Zu sehr speziell sind wohl die herausfordernden Stücke des Quartetts aus Alaska. Unter den Anwesenden finden sich überwiegend junges "Szene-Publikum", eine Menge Leggins unter kurzen Retro Röcken, hippe Jeans und passende Frisuren.

Als der Support "Plants & Animals" um 21:00 Uhr die Bühne betreten, ist die Halle der Centralstation gerade mal zu einem Viertel gefüllt und groß ist diese wahrlich nicht. Aber der unerwartet druckvolle Sound des Trios aus Montreal, Kanada lockt die vor der Halle sitzenden Zuschauer ins Innere. Die drei Musiker bewegen sich teilweise in den Fußstapfen von Neil Young und vermischen klassische Songstrukturen mit einer Guided By Voices-Hymnik, die ordentlich losrockt, sodaß auch allmählich die Letzten vor der Tür ihr Bier austrinken, um zu sehen was sich da drin so lautstark abspielt. In manchen  Momenten hat das auch ein bisschen was (Achtung: gewagt!) von den großen Geschwistern von "Arcade Fire".

Um kurz nach Zehn dann "Portugal.The Man". Die Halle ist allerdings noch immer schätzungsweise nur bis knapp über die Hälfte gefüllt, mit genügend Platz um das Tanzbein zu schwingen, was einzelne für sich alleine in den kommenden Minuten auch tun werden. Wer die Platten nicht kennt wird durch den hohen Gesang von John Gourley überrascht und ich persönlich kann mich an die teils quäkende Stimme auch den Abend lang nicht gänzlich gewöhnen. Man taucht ein in den vertrackten, doch immer irgendwie trotzdem eingängigen musikalischen Kosmos der "Portugiesen". Ein versponnener steriler Habitus wechselt mit brachialer Street-Credibility, untermalt von Hubbard´s Keyboard-Klangteppich. Die Songs dringen übergangslos von orientalischen Elementen zu quietschenden Klangkaskaden und ein an alten Brit Pop gemahnender Song endet schonmal in einem Feedback Gewitter. Es rattert eine schleifende Rock´n´Roll Lokomotive, die nur durch einen plötzlichen Break gedrosselt wird und die Weiche steht auf 70s Soul. Welcome to funky town!

Die gesamt sehr treibend rockige Show wechselt abrupt in ruhige Passagen innerhalb eines schnellen Songs und die Band changiert gekonnt mit einer Laut / Leise-Dynamik. Überraschend wabert  ein groovender Reggae mit frankophilem Touch ins Publikum, um sich kurz drauf in ein stampfendes Rock-Ungetüm zu verwandeln. Floydsche Psychedelik und ausufernde Instrumentaljams mit durchaus überraschenden Rhythmuswechseln, bewegen sich stetig knapp an gefälliger Eingängigkeit vorbei und lassen dennoch genügend Platz für zuckersüße Melodien. Der Retro Rock der "Church Mouth"-Phase endet dann wieder, wie nicht selten heute Abend, in einer kurzen Kakophonie. Keine richtig leichte Kost, diese Sphären in die Portugal.The Man mitunter gerne verschwinden. Die Kompositionen der Nordamerikaner sind gerade so schräg, dass die "Kitsch-Gefahr" sofort gebannt ist. Eine fehlende gemeinschaftliche Stimmung ist heute allerdings mutmaßlich auch dieser gewissen Sperrigkeit geschuldet. Jeder der mag tanzt so vor sich hin, oder steht auch nur so rum und die Band auf der Bühne ergeht sich in ihrer World Of Sound. Wie ein aufeinander folgender Strom aus Tönen, Rock historischen Zitaten, ohne Luft zum Verschnaufen, folgt Song auf Song. Bis kurz vor Ende des Konzerts besteht kaum Konversation mit dem Publikum, keine Ansage oder der jeweilige Songtitel. Orgelklänge flirren durch einzelne Nummern und drängen sich temporär in den Vordergrund.

Die mittlerweile im Jahrestakt veröffentlichten neuen Alben (derzeit ist erneut für 2011 das nächste Werk in der Pipeline) sind einer professionellen Live-Performance offensichtlich aber nicht abträglich. Die Band aus Alaska wirkt heute Abend taufrisch und voller Energie, wenn auch seelenlos. Um 23:15 Uhr ist Pause. Für nur eine Zugabe kommen Portugal.The Man  zurück und verabschieden sich bereits nach insgesamt etwa 70 Minuten. Ein kollektives Erlebnis war das heute nicht, dafür aber ein durchaus Interessantes.

Twitter

Amazon, Musicload, Napster & AOL-Download

Amazon.de Musicload

Mehr zum Thema:

Musicheadquarter Twitter RSS Feed abonieren! Musicheadquarter bei Facebook
Rhingtön
Digg Reddit Del.icio.us Facebook Twitter Google Yahoo! MyWeb Furl" BlinkList Technorati Mixx Windows Live MySpace Mister Wong
Bon Jovi Tickets bei www.eventim.de