Open Air Tour 2010
Meine kleine Tour zu den schönsten Konzertstätten Südwestdeutschlands führte mich nach dem Trierer Amphitheater (Silbermond) gestern ins saarländische Losheim. Dort spielte im wunderbaren Ambiente am Strandbad des Sees die Gruppe PUR. Ein Sommertag mit Sonnenschein und 30 Grad – ein gut gelauntes Publikum – die herrliche Aussicht an der Bühne vorbei auf den Losheimer See – was will man mehr?
15.000 Zuschauer fanden den Weg ins Saarland. Und wieder war es ein Konzert für alle Generationen. Es gelingt Popp Concerts doch seit Jahren, Acts für die breite Masse nach Losheim zu locken und das Strandbad bis auf den letzten Platz zu füllen. In 2009 war es der Auftritt von Peter Fox, der zu meinen Konzerthighlights des Jahres gehörte. Jetzt also Pur, die in den 90ern oft in der Region vertreten waren, sich in den letzten Jahren aber etwas rar gemacht haben. Entsprechend groß war die Erwartungshaltung.
Den Anfang machte Johannes Oerding, der mit seiner deutschen Musik gut zu Pur passt und entsprechend gut ankam. Der Rheinländer war bereits mit Ich + Ich, Stefanie Heinzmann und Ina Müller unterwegs und konnte sich durch sein sympathisches Auftreten ein eigenes Publikum erarbeiten, das ihm begeistert folgt. Das Debütalbum "Erste Wahl" stieg 2009 auf Platz 39 der deutschen Albumcharts ein und konnte auch in Losheim einige Abnehmer finden. Ein gelungener Auftakt.
Pur finden um kurz nach 20.00 Uhr eine jubelnde Menge vor und genießen zunächst die Vorschusslorbeeren, bevor es mit einer Reihe von Titeln des aktuellen Albums "Wünsche" los geht. "Irgendwo" besingt ein Gefühl des Zerrissenseins, "Gesund" widmet sich bilderreich und mit einfachen Wortspielen dem Krankheitsbild der Depression, "Stell dich" wird zum eindringlichen Apell, die Anforderungen und Einflüsse der Gegenwart zu hinterfragen. Und "Winter 59" ist eine melancholische Ansprache an den ungeborenen Bruder, verpackt in emotionale Lyrics. Doch es gibt auch Songs, die einfach nur Spaß machen sollen. "Wiedersehen" beispielsweise als Liebeslied im alten Stil mit schönem Pianomotiv.
Auch die neuen Stücke werden textsicher mitgesungen – doch eine besondere Stimmung kommt auf, wenn die Klassiker erklingen: Erst "Prinzessin", dann "Funkelperlenaugen", zu dem Hartmut Engler mit dem Publikum auf Tuchfühlung geht und die ersten Reihen mit Händeschütteln und Umarmungen beglückt. Acht Songs des "Wünsche"-Albums erklingen in der ersten Konzerthälfte und der Titeltrack im letzten Drittel. Der Aktualität wird also Genüge getan.
Die alten Lieder sind häufig in kleine Medleys eingebaut. Es gibt "Seiltänzertraum", "Mittendrin" und "Mächtig viel Theater" am Stück. Etwas Später dann "Freunde" und "Ich lieb‘ dich" und im Zugabenblock einen Hitmix aus Evergreens wie "Indianer" und "Kowalski" sowie den nicht ganz so erfolgreichen Singleauskopplungen der letzten Jahre.
"Abenteuerland" und "Mein Freund Rüdi" (inklusive "Rüdi’s Walk") werden komplett gespielt. Ebenso "Wenn sie diesen Tango hört", bei dem eine sehr melancholische Stimmung aufkommt. Ein Song kommt aber zu ganz besonderen Ehren – heißt doch die Gewinnerin des Eurovision Song Contest wie der erste große Hit der Band: "Lena". Hartmut Engler spielt natürlich darauf an, dass der Song im Jahr vor Lenas Geburt erschienen ist und wohl als ihr Namensgeber fungiert haben könnte. Es gibt also den ersten englischen Song des Abends "Satellite" mit original-linkischer Lena-Choreografie durch Hartmut himself und im Anschluss unter tosendem Applaus den Mitsing-Hit "Lena". Apropos Mitsingen: Auch zu "Hab mich wieder mal an dir betrunken" entsteht der obligatorische Zuschauer-Kanon, den Engler mit großen Gesten anleitet.
Zum Abschluss erklingen "Ein graues Haar", das dem 48jährigen Pur-Frontman mit einem Grinsen über die Lippen geht, "Der geschenkte Tag", ein kurzer Ausflug in die Rockgeschichte ("Highway To Hell") und der Song "Wiedersehen" als Reprise mit dem Versprechen, bald mal wieder im Saarland aufzuschlagen.
Wer sich zum Konzertende umschaut, blickt fast zu 100 % in glückliche Gesichter. Kleinkinder auf den Schultern ihrer Väter, die sich über ihr gemeinsames Konzerterlebnis freuen. Händchenhalter aller Altersgruppen. Gestandene Rocker mit feuchten Augen. Auch wer im weiteren Freundeskreis niemals zugeben würde, gerne Pur zu hören, fühlt sich in dieser familiären Atmosphäre gut aufgehoben. Ein perfektes Konzert für einen tollen Spätsommerabend. Das nächste Konzert nach dem Motto "Schönste Konzertstätten" wird mich zu Nina Hagen in die Trierer Kaiserthermen führen. Mal sehen, was die große Dame auf dem Kasten hat...
Setlist PUR
Irgendwo
Wiedersehen
Gesund
Geliebt
Stell dich
Prinzessin
Funkelperlenaugen
Das Beste
Winter 59
Frau Schneider
Seiltänzertraum
Mittendrin
Mächtig viel Theater
Satellite
Lena
Wenn sie diesen Tango hört
Abenteuerland
Mein Freund Rüdi
Wünsche
Freunde
Ich lieb‘ dich
Hit Mix (inklusive Indianer und Kowalski)
Hab‘ mich wieder mal an dir betrunken
Ein graues Haar
Der geschenkte Tag
Highway To Hell
Wiedersehen