Queen & Paul Rodgers

Tour 2005

06.07.2005 RheinEnergie Stadion / Köln

Von: Stefan Bink

Queen & Paul Rodgers Köln

Geschätzte 30.000 Menschen haben sich im Stadion eingefunden und erwarten im Kölner Regen Queen und Paul Rodgers. Wir können noch in den Bereich der vordersten Absperrung gelangen und haben einen Platz in der Nähe der Bühne mit hervorragender Sicht eingenommen. Die Frage nach einer Vorgruppe wird beantwortet, als die Musik aus den Boxen lauter und die Spannung mit Eminem aufgebaut wird und als ein Gitarrenriff den Song durchschneidet. Die Bühne ist noch verhangen als Paul Rodgers für den ersten Song des Abend Tie your motherdown durch den Vorhang auf die Bühne tritt. Einige Sekunden später folgt ihm Brian May und als der Vorhang fallen gelassen wird, geht die Show direkt mit Tempo los.

Es folgen mit I want to break free und Another one bites the dust weitere Queen-Klassiker und es macht einfach Spaß zuzuhören. Roger Taylor übernimmt im Anschluss das Mikro und während Rodgers und May die Bühne verlassen singt er mit zwei Gitarristen an seiner Seite der Song Say it´s not true.

Nun ist May mit zwei Songs alleine an der Reihe. ´39 und dann wird es bei Love of my Life sehr emotional. Brian May ist auf der Vorbühne und kündigt diesen Song als einen von Freddy Mercurys Lieblingssongs an, der auch von ihm geschrieben wurde. Traumhaft gefühlvoll spielt er das Lied ausschließlich mit der Gitarre und lässt den Refrain vom Publikum singen. Gänsehaut pur! Brian gibt einen Fingerzeig gen Himmel, grüßt Freddy damit und bei seinem Rückweg muss auch er sich eine Träne aus den Augenwinkeln wischen.

Das nächste Stück beginnt ähnlich ruhig. Hammer to fall in einer Version, wie ich sie bislang noch nicht gehört habe. Zur Hälfte des Songs geht es dann wie auf der Albumversion richtig zur Sache. Unglaublich gut, wie die Jungs hier den Spagat hinbekommen und aus der nachdenklichen Stimmung wieder zum Rock zurückfinden, ohne das es abgebrochen wirkt.

Eine große Show bietet Brian mit einem Gitarrensolo in Halbzeitlänge. Dazu werden alte Bilder aus der Queen Zeit mit Freddy gezeigt. Zum Ende seines Spiels besteigt er ein Podest hinter den Drums und seine Silhouette vor den Bildern in Kombination mit dem Solo ergeben einen sehr speziellen Moment.

Als letzten Song des Mainsets spielen Queen Bohemian Rhapsody. Die Bühne wird verdunkelt und auf der Leinwand im Hintergrund erscheint übergroß Mercury und spielt am Klavier. Paul Rodgers überlässt ihm den Gesangspart in den ersten Strophen und perfekt inszeniert steht May im Spotlight am Rand der Bühne und spielt. Unglaublich gut, vor allem wenn man bedenkt, dass die Jungs um die 50 auf der Bühne schon fast zwei Stunden auf der Bühne stehen.

Die Zugabe wird natürlich mit The show must go on eröffnet. Jetzt sind sogar die Ränge wach. Was ist los hier in Köln? Zu Karneval hätte das Stadion das ganze Konzert so gerockt wie jetzt. Es folgen natürlich noch We will rock you – alle Hände sind da – und We are the champions. Hierzu kommen noch etliche Darsteller des Queen Musicals auf die Bühne. Zu den Klängen von God save the Queen verabschieden sich Queen und Paul Rodgers vom Publikum.

Das Konzert ist vorbei und die Suche nach dem Fazit fällt nicht schwer. Eher die richtigen Worte zu finden, dieses auszudrücken. Die Show war perfekt. Der Sound satt und die Lichtshow, vor allem als es Dunkel wurde, gigantisch. Brian May an der Gitarre einfach extraklasse und dazu hat man für die mindestens knapp 60 € fast 2 ½ Stunden Musik mit vielen Klassikern am Stück bekommen. Aber: Geht Queen ohne Mercury? Auf diese Frage kann man nicht einfach mit Ja oder Nein antworten. Irgendwie muss man dies jedoch auch gar nicht. Freddys Körper mag zwar Tod sein, doch sein Geist war allgegenwärtig. Paul Rodgers macht nicht den Fehler ihn kopieren zu wollen und singt auf seine Weise. Eigene Songs wie Can´t get enough und All right now passen sehr gut ins Programm. Sie geben ihm in der übermächtigen Gruppe Queen seine eigene Identität und das ist auch gut und wichtig so. Trotzdem geht es hier in aller erster Linie um Queen. Durch die Einspielungen während des Konzertes wird es dem Publikum deutlich gemacht wie bewusst allen ist, dass Freddy Mercury ein elementarer Bestandteil von Queen war und ist. Brian May ist weiterhin einer der weltbesten Rockgitarristen und alleine schon ihm beim spielen zuzusehen ist ein Genuss. Insgesamt ist es auch ein sehr emotionales Konzert. Freddy ist tot und kommt nicht wieder. Doch wie sang er doch selber: The show must go on. Er lebt in seiner Musik weiter, doch dazu muss sie auch gespielt werden.

Ohne obige Frage direkt zu beantworten: Mein Konzerthighlight 2005 und an jeden, der schmollend zu Hause geblieben ist – Echt Pech gehabt!

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