Queens Of The Stone Age

Tour 2007

28.06.2007 E-Werk / Köln

Von: Shirin K

Queens Of The Stone Age Köln

Vor fast drei Wochen ist „Era Vulgaris“, das neue Album von Queens of The Stone Age mit den quietschbunten Comic-Glühbirnen Bulby und seinem Freund Patchy The Pirate erschienen. QOTSA werden zwar gemeinhin als Stonerrock-Band bezeichnet, aber das neue Album lässt sich nicht ohne weiteres in diese Schublade stecken. Am besten ließe sich die Musik auf „Era Vulgaris“ vielleicht mit Post Industrial Rock beschreiben, brachial, noisig und doch melodisch, ein bisschen krank, hier und da sehr psychedelisch, und außerdem wahnsinnig gut produziert.

Ich habe QOTSA noch nie live gesehen und so interessiere ich mich natürlich sehr für die seltsamen, noch verdeckten Krangebilde, die auf der Bühne im E-Werk stehen. Was sich wohl unter den schwarzen Tüchern verbirgt? Die Vorband spielt noch. Spielt? Nein, sie langweilt sich und das Publikum eher. Die Kamikaze Queens bestehen aus zwei aufgemotzten Frontfrauen und ein paar anderen uninteressanten Exemplaren der Tierwelt. Erwähnenswert ist vielleicht noch der Kontrabassist, der sein Instrument während der Show regelmäßig bespringt. Eigentlich finde ich ja, dass viel zu wenige Frauen sich trauen, härtere Musik zu machen, aber Musik erfordert nun mal Talent und diese beiden Damen scheinen außer der Präsentation ihrer weiblichen Reize nicht viel im Gepäck zu haben. Die uninspirierte Mischung aus Psychobilly und 80er Jahre Punkrock ist so langweilig, dass mir auch nur völlig bescheuerte Wortspiele wie Kamikotze oder Kamikätzchen Queens einfallen. Die Frontkatze nervt mit ihrer krakeligen Stimme, und Texte wie „Please don’t go, because I love you so“ lassen mich an den Tod denken. Au weia, denke ich, das kann ja noch heiter werdenÂ…

Aber dann kommt doch alles anders, denn was ich nicht wissen konnte: das beste Live-Konzert dieses Jahres erwartet mich. In der Umbauphase werden die Krandinger enthüllt und zum Vorschein kommen seltsame kronleuchterartige Gebilde bestehend aus Diskokugeln, Spotlights und seltsamen Greifarmen. „Abgefahren“ ist wohl das richtige Wort, und ich denke mit einer kleinen Gänsehaut daran, was passieren würden, wenn diese Riesendinger auf die Band hinabfallen würdenÂ… Meine düsteren Gedanken werden recht bald von „Dance To the Music“ von Sly and the Family Stone unterbrochen und die Band betritt unter Jubel und Applaus die Bühne. Josh Homme, der hundert Meter große Frontmann mit den zurückgegelten, roten Haaren und seine zum größten Teil neuen Mitmusiker fackeln nicht lange herum und spielen sofort los. Die Setlist wird angeführt von „Regular John“ aus dem allerersten Album der Königinnen. Der Gesang ist bei diesem Song ein wenig nölig, aber es gibt lustiges Gitarrengefrickel und einen Refrain zum Mitsingen. Das Publikum pogt wie wild und ich verziehe mich an die Seite, um meinen fragilen Körper vor dem Ansturm des Mobs zu schützen. Vor mir wird schon das erste ohnmächtige Mädchen aus der Menge gezogen.

Weiter geht es mit dem noisigen Gitarren-Intro von „3’s and 7’s“ aus dem aktuellen Album. Der neue Bassist, der hier und da spitze Schreie von sich gibt, lässt den Kopf kreisen, dass einem vom Zugucken schwindelig wird, dafür ist ein Blick auf Hommes kreisende Hüften ein Hochgenuss. Hilfe, das ist sexy! Der Funke ist übergesprungen und im Takt zu Hommes kleinen Titties hüpfe ich auf und ab und fühle mich in meine Teenagerjahre zurückversetzt. Von da an befinde ich mich Rauschzustand. Bei „Do It Again“ schreie ich mit dem Publikum „Hey“ und gebe mich der Massenekstase hin. Die sinnliche Note des Konzerts wird mittlerweile um eine olfaktorische und taktile Komponente erweitert, Schweiß- und Biergeruch, an mir vorbeistreifende nasse T-Shirts, ach egal. Homme wackelt mit dem Arsch und ich befinde mich im Rockhimmel.

Musikalisch fährt die Band alles auf, was rockt und vergnügt. Angefangen bei schwummerigen Ufo-Geräuschen, über groovige Beats und industriellem Sound mit verzerrten Gitarren bis hin zu Bluegrass Einlagen. Aus dem neuen Album gibt es noch das fantastische „I'm Designer“, „Misfit Love“, „Into the Hallo“„Turning on the Screw“, „Battery Acid“ und „Sick, Sick, Sick“ (meine beiden Lieblinge „Run, Pig, Run“ und „The Fun Machine Took A Shit And Died“ fehlen leider). Außerdem gibt es natürlich „Little Sister“ und „Burn the Witch“.

Das Highlight ist aber zweifellos der Song „Feel Good Hit of the Summer“ mit der sich Mantra-artig wiederholenden, einzigen Textzeile „Nicotine, Valium, Vicodin, Marijuana, Ecstasy and Alcohol“. Den Song gibt es als Zugabe: Er ist auf dem Album knappe drei Minuten lang, wird aber live zu einem unbarmherzigen Monstermindfuck, mit psychedelischen Soundwänden, die von Homme zwischenzeitlich rhythmisch mit "Everybody knows you dance like you fuck, dance like you fuck, ..." begleitet werden. Die ersten Frauen im Publikum führen afrikanische Fruchtbarkeitstänze auf. Die Musiker auf der Bühne haben anscheinend andere Sphären betreten, und Homme schiebt seine Hüften immer weiter in alle Himmelsrichtungen. Als der Gitarrist sich dann in ein völlig abgefahrenes Solo hineinsteigert, zeichnet Homme in der Luft die Umrisse eines Riesenphallus nach, der aus seinen Hüften bis zu einem Mund hinaufsteigt, wo diese schauspielerisch einwandfreie Darstellung in einem grandiosen Autofellatio endet. Ächzen und Stöhnen im PublikumÂ… Die Königinnen spritzen ihre Energie einfach so in die Menge hinaus, und die Luft ist völlig geladen, als der Riesenphallus und seine Mitstreiter das Konzert mit „Song for the Dead“ beenden. Ich fühle mich hiernach allerdings quicklebendig und freue mich jetzt schon auf mein nächstes QOTSA-Erlebnis, hoffentlich bitte ohne die Kamikaze QueensÂ… und bitte recht bald, danke schön!

Twitter

Amazon, Musicload, Napster & AOL-Download

Amazon.de Musicload

Mehr zum Thema:

Musicheadquarter Twitter RSS Feed abonieren! Musicheadquarter bei Facebook
Tickets Night Of The Prog Festival
Digg Reddit Del.icio.us Facebook Twitter Google Yahoo! MyWeb Furl" BlinkList Technorati Mixx Windows Live MySpace Mister Wong
Eagles Tickets bei www.eventim.de