Queensryche

American Soldier Tour 2009

22.06.2009 Stahlwerk / Düsseldorf

Von: Thomas Kröll

Queensryche Düsseldorf

Queensryche stehen wie kaum eine andere Band für erstklassige Konzeptalben. Ihr innovativer Stilmix aus Heavy Metal, Prog Rock bis hin zur Verwendung von Klassikelementen erreichte 1988 in "Operation: Mindcrime" seinen ersten Höhepunkt und hat vor kurzem mit dem neuen Album "American Soldier" eine überzeugende Fortsetzung (manche sagen: Wiederauferstehung) gefunden. Dazwischen lag allerdings auch viel Mittelmaß. Im Vorfeld der aktuellen Tour konnten die Fans auf der Webseite der Band per Voting zwei Alben bestimmen, die dann live zusammen mit "American Soldier" die "3 Suites Of Music" bilden sollten. Man entschied sich für "Rage For Order" (das zweite Album von 1986) und "Empire", das Queensryche 1990 zum kommerziellen Durchbruch verhalf. Eine durchaus nachvollziehbare Wahl.

Bevor die Düsseldorfer jedoch in den Genuss der Songs aus drei Dekaden Queensryche kommen, werden sie auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Das Line Up des heutigen Abends "verspricht" nicht weniger als vier (!) Vorgruppen, von denen die erste, Inhale, bereits um 19.30 Uhr loslegt. Es folgen Cube Casino, Fatal Smile und Ivanhoe. Ich tue mir diesen Support-Marathon dann, wie die meisten anderen, auch nur häppchenweise an, weshalb eine detaillierte Einzelbeurteilung an dieser Stelle entfällt. Leider bietet das Stahlwerk, trotz zweier riesiger mittelalterlicher Kronleuchter, im Inneren nicht unbedingt eine gemütliche Atmosphäre, welche die Warterei zumindest etwas erträglicher gestaltet hätte. Lediglich die überaus nette Klofrau sammelt Pluspunkte, indem sie jeden ihrer "Gäste" mit einer Handvoll Süssigkeiten belohnt. Die Halle ist etwa zur Hälfte gefüllt, was angesichts des Hauptacts eigentlich eine Schande ist. Vielleicht liegt das aber nur am Montagabend oder daran, dass sich viele schon vorher von dem festivalwürdigen Programm haben abschrecken lassen.

Es dauert schließlich bis 22.45 Uhr, ehe Queensryche endlich an der Reihe sind. Frontmann Geoff Tate betritt mit Sonnenbrille, schwarzem Hemd und roter Krawatte die Bühne (tauscht das alles aber später gegen eine luftige Weste ein). Ihm folgen Michael Wilton an der Gitarre, Bassist Eddie Jackson, Drummer Scott Rockenfield und zur Verstärkung die beiden Tourmusiker Parker Lundgren (Gitarre) und Jason Ames am Keyboard. Der erste Teil des Sets besteht aus sieben "Rage For Order"-Songs, darunter "I Dream In Infrared" oder das krachende "Walk In The Shadows". Leider ist der Sound ziemlicher Matsch und Geoff Tate geht zumeist völlig darin unter. Dabei ist er stimmlich Weltklasse. Einzig beim ruhigen "I Will Remember" ist er richtig zu hören. Michael Wilton und Parker Lundgren glänzen immer wieder mit einigen Soli und zweistimmigen Gitarrenläufen, während Scott Rockenfield hinter seinem Drumkit über allem thront und kräftig Gas gibt. Trotzdem wirkt die Band alles in allem seltsam uninspiriert und es scheint fast so, als habe sie die lange Wartezeit selbst ein wenig ermüdet. Die Fans lassen sich davon aber kaum beirren und feiern die "Rage For Order"-Suite fleißig ab.

Von "American Soldier" spielen Queensryche dann überraschenderweise nur vier Songs: "The Killer" (das Tate allen Kriegsveteranen widmet), "At 30,000 ft", das brachiale "Man Down!" sowie "A Dead Man`s Words", bei dem Geoff Tate (der zwischendurch Klarinette spielt) von Jason Ames am Gesang unterstützt wird. Die neuen Songs lassen die Stimmung unverständlicherweise eher sinken als steigen, dabei belegen gerade ihre komplexen Arrangements aufs Neue eindrucksvoll die Ausnahmestellung dieser Band.

Die Stimmung ändert sich dann aber schlagartig, als anschließend mit "Best I Can" die "Empire"-Suite eingeläutet wird. Nun ist sogar der Sound besser. Bei "The Thin Line" greift Geoff Tate zum Tenor-Saxophon. Der Mann muss wirklich eine Pferdelunge haben. Die Fans singen ebenfalls lautstark mit und auch die Band wirkt jetzt nicht mehr so routiniert wie noch zu Beginn des Konzertes. Der Spasspegel steigt deutlich an. Vor "One And Only" fragt Tate, ob sich noch jemand an Musikkassetten und Schallplatten erinnern kann. Lustigerweise hatte ich Anfang der Neunziger ein Tape, das ich rauf und runter gehört habe und auf dem gerade dieses Stück mittendrin aufhörte, weil die Seite zu Ende war. Unendlich viele weitere Erinnerungen an diese Zeit steigen dann beim Klassiker "Silent Lucidity" auf. Ich bestehe komplett aus Gänsehaut und habe einen dicken Kloß im Hals. Bei dem Song musste ich früher schon immer heulen und bis heute hat sich daran nichts geändert. Den Schlußpunkt unter den fulminanten letzten Block setzen dann "Jet City Woman", das wunderschöne "Anybody Listening?" und - als einzige Zugabe - "Empire". Nach 110 Minuten und insgesamt 19 Songs ist dann endgültig Schicht im Stahlwerk.

Nach einem langen Abend geht dann doch noch jeder zufrieden nach Hause. Ich habe Queensryche zwar sicherlich schon besser, sprich explosiver, gesehen als in Düsseldorf, aber das letzte Drittel der Show hat dann doch für so manchen Hänger entschädigt. Die etwas unglückliche Konstellation mit fünf Bands sollte man allerdings nochmal dringend überdenken.

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