Made In Germany Tour 2011 - Support: Deathstars
1,2,3,4,5,6,7,8,9,10 – BÄNG! Wenn eine Show so anfängt, wird von Anfang an klar, wo es an dem Abend hingeht. Kostüme, Feuer, Pyrotechnik ohne Ende findet man in vielen Theatern rund um die ganze Welt. Gepaart mit schweren Gitarrenriffs, stampfenden Drums und einer Stimme, die das rollende "R" als Wiedererkennungswert hat, bedeutet es nur eins: Die Halle wird im Laufe des Abends von Rammstein auseinander genommen.
Schon vor den Türen wird deutlich, wie aufwendig so eine Show sein muss. Sattelzüge stehen dort, als hätte sich eine Spedition neben dem ISS Dome eingerichtet. Ein Sattelzug allein für die Lichter. Die Bühnenteile nehmen dann noch mal mindestens zwei Schlepper ein. Drinnen wird dann auch schnell klar, wozu so viel Platz nötig ist. Aber reinkommen ist erstmal die Sache. So stehen die ersten Fans schon um 16:00 Uhr vor der Halle. Geschlagene zweieinhalb Stunden vor Einlass. Aber weder Kälte noch zeitweiliger Nieselregen halten die Fans auf. Manch einer steht dort sogar in T-Shirt und kurzer Hose. Im Verlauf des Tages wächst die Schlange so weit an, dass sie die Arena locker anderthalb Mal umsäumen könnte. So kommt es leider auch, dass die letzten in der Reihe den Start der Vorband Deathstars wohl verpasst haben.
Was an sich aber wohl nicht das Schlimmste ist. Die fünf Schweden spielen 45 Minuten schnörkellosen Gothicrock. Leider in einer höllischen Lautstärke und übertriebenem Bassgewitter. Anscheinend gehört das heutzutage zu einem Konzert dazu, vom Bass in den Magen geboxt zu werden. Dass sie es weitaus besser können, konnten die Fans am Tag zuvor bei ihrem Headliner-Gig in der Bochumer Zeche erleben (die Kollegin Fenja Volkmann war für uns vor Ort und hier findet ihr ihren Bericht). Nach dem Anstandsapplaus müssen die Fans nur noch eine halbe Stunde aushalten, worauf sie schon Stunden vorher gewartet haben. Und der Auftritt von Rammstein ist dann unbedingt showreif. In der Mitte der Arena erklimmen die sechs Berliner eine kleine Bühne, um dann über einen Steg – gut 15 Meter lang und ca. 1,50 Meter breit – über die Köpfe des Publikums zur Hauptbühne zu schreiten. Dann wird gezählt "1,2,3...", aber das hatten wir ja schon. Und nach dem BÄNG geht der Abend mit "Sonne" los, und das Publikum ist innerhalb von Sekunden von Null auf Hundert. Und das reißt den ganzen Abend nicht mehr ab.
Auf Feuer muss man auch nicht lange warten, so wird es schon zu Anfang wohlig warm. Die großen Flammenstöße wird man sogar bis ans andere Ende der Arena gefühlt haben. Bei "Asche zu Asche" werden die Mikrofonständer der beiden Gitarristen Richard Z. Kruspe und Paul Landers zum Brennen gebracht, was durchaus spektakulär wirkt. Nur, wer so lange wie Rammstein schon mit Feuer auf der Bühne hantiert, schafft es, sich nicht alle Nase lang irgendwas zu verbrennen oder anzusengen. Was, laut einigen Interviews, trotzdem immer mal wieder passiert. An diesem Abend scheint aber alles funktioniert zu haben. "Feuer frei" endet dann damit, dass die zwei Gitarristen und Sänger Till Lindemann Flammenwerfer vors Gesicht geschnallt bekommen. Die Flammen schlagen gut drei Meter in die Höhe.
Was bei "Mein Teil" passiert, muss man einfach mal gesehen haben. Till Lindemann betritt in Schlachterschürze, Kochmütze und mit Messer in der Hand die Bühne. Ein großer Kochtopf steht ebenfalls bereit. Eine Kochshow erster Güte könnte man meinen. Und aus dem Topf kommt dann auch noch jemand raus und spielt Keyboard: Christian Lorenz, von allen nur Flake genannt, muss sich an dem Abend einiges gefallen lassen und das beginnt nun mit dem gestellten Garprozess. Nach "Haifisch" wird er ebenfalls zum Zentrum des Geschehens und lässt sich in einem Gummiboot vom Publikum tragen, während der Rest der Band die Bühne verlässt. Nachdem das Boot wieder den sicheren Hafen gefunden hat, verschwindet auch Flake von der Bühne.
Nicht alle bemerken es sofort, als Kruspe auf der kleinen Bühne in der Mitte der Arena steht und sich an einem Synthesizer zu schaffen macht. Was er dort spielt lässt sich zu Anfang nur schwer einordnen, schwillt dann aber zu einer Art Remix von "Bück dich" an. Der Rest der Mannen hat die Möglichkeit genutzt und sich umgezogen. Und was jetzt wieder geboten wird, kann man wirklich nur bei einer Rammstein-Show sehen. Schlagzeuger Christoph Schneider in Hausmutter-Rock und -Schürze mit blonder Perücke. Und vor sich an der Leine ziehen die restlichen vier Bandmitglieder Frauchen über den Steg in Richtung der zweiten Bühne. Wie vieles an diesem Konzert, wurde auch dies mit großer Wahrscheinlichkeit von Aktionen im SM-Bereich inspiriert. Nach ein paar Peitschenhieben verteilt sich die Band an ihre angestammten Instrumente. Angestimmt wird nun "Bück dich" im klassischen Sinne. Die Show dazu könnte man zwar ohne viele Worte beschreiben, sie kann aber keineswegs als kindgerecht bezeichnet werden. Das ist auch der Grund, warum dieser Song auf der 1998er DVD "Live aus Berlin" nicht enthalten ist. Nur noch ein Wort dazu: Das Publikum um die kleine Bühne war dann nicht nur vom Schwitzen nass.
Nach "Mann gegen Mann" wird ein letzter Song in der Mitte der Arena angestimmt. Bei "Ohne dich" singt die ganze Arena und beschert so einigen mit Sicherheit Gänsehaut. Unter massivem Applaus schreitet die Band über die Brücke zur Hauptbühne, um dort hinter den Kulissen zu verschwinden. Der letzte Rücken ist noch nicht verschwunden, als das Publikum auch schon lauthals die Zugabe einfordert. Und lange warten muss es auch nicht. Für drei Lieder bebt noch einmal der ISS Dome. Aber auch das ist nicht der Schlussstrich. Bei "Engel" wird nochmals ganz tief in die Kiste für spektakuläre Elemente gegriffen. So wird Lindemann mit riesigen Flügen auf die Bühne emporgehoben. Ausgebreitet erlangen diese eine Spannweite von gut vier Metern. Aber auch jetzt muss noch eins drauf gelegt werden und so zünden zum Ende noch Flammenwerfer an den Flügeln. Ein sehr surreales aber beeindruckendes Bild. Das Finale zeichnet sich ab und "Pussy" beschließt es dann. In etwa ab der Hälfte des Liedes nimmt Lindemann auf einem Schlitten Platz, der über die gesamte Bühnenbreite fährt. Eine Schaumkanone hüllt dann die ersten Reihen in eine nette Schaumflut. Stilgerecht muss die Kanone natürlich auch aussehen und so sitzt Lindemann auf einem riesigen Penis. Irgendwer noch was von wegen Skandalband als Gerücht gehört?
1994 in Berlin gegründet, ist die Band auch Aushängeschild deutscher Bands, die erfolgreich das Ausland betouren. So füllen sie schon lange große Konzertarenen in den USA und Australien. Und heute ist auch mal wieder klar geworden warum. Was hier gezeigt wird macht ein Konzert zu einem Erlebnis. Die "Made In Germany"-Tour war auf einen Schlag ausverkauft und Zusatzshows wurden ebenfalls innerhalb kürzester Zeit zum Verkaufsschlager. So wird Deutschland noch bis Februar nächsten Jahres betourt, der Rest Europas bis März in Brand gesetzt und dann kommt noch Nordamerika dran.
Setlist:
Sonne
Wollt Ihr Das Bett In Flammen Sehen
Keine Lust
Sehnsucht
Asche Zu Asche
Feuer Frei
Mutter
Mein Teil
Du Riechst So Gut
Links 234
Du Hast
Haifisch
Bück Dich
Mann Gegen Mann
Ohne Dich
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Mein Herz Brennt
Amerika
Ich Will
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Engel
Pussy