Ray Wilson

Ray Wilson mit Stiltskin Tour 2006

27.10.2006 Harmonie / Bonn

Von: Jörg Lorenz

Ray Wilson Bonn

Warum ist der Mensch eigentlich Masochistisch veranlagt? Manche lassen sich gerne auspeitschen, andere mit heißem Wachs übergießen, und ich freue mich auf die „She“ Tour von Ray Wilson, bzw. Stiltskin. Ich habe Ray Wilson schon oft gesehen, und jedes Mal war es großartig. Der Mann hat einfach eine tolle, warme Stimme, seine Akustik Nummern sind wahnsinnig schön, und niemand, nicht einmal Peter Gabriel, singt so schön Genesis. Aber trotzdem freue ich mich, wie noch nie, auf das neue, dunkele, Angsteinflössende und brachiale Album von den Jungs. Komisch, oder?

Und doch beginnt es mit dem wärmsten, und bis dato typischsten Ray Wilson Song auf dem neuen Album, „Lemon Yellow Sun“. Gefolgt von einem nicht minder schönem „Sarah“. So schön - so gut, aber es ist nicht das für das wir gekommen sind. Dann endlich – „Fly High“, der Opener, und er hat alles was das neue Album zu dem macht was es ist. Fly High hört man nicht, Fly High bricht über einen her. Ein düsteres Gewitter, auch wenn Ray Stimme wärmer klingt als auf CD, es hat alles was der Masochist so braucht. Ebenso wie die neuen Songs „Taking Time“, und „She“.

Natürlich werden auch viele Songs aus Ray Wilsons Solo- und Cut Schaffensperioden gespielt. Der Song über seinen Freund, welcher sich umgebracht hat „Another Day“ oder „Gypsy“ genau wie Songs vom ersten Stiltskin Album „Sunshine & Butterflies“, „Footsteps“ oder „Inside“.

Aber natürlich ist nicht alles düster und traurig an diesem Abend. Im Gegenteil. Ray erzählt von Reinkarnation (Â…man könnte als Bruce Springsteen sterben und als Berti Vogts wiedergeboren werden) oder erzählt seine üblichen Geschichten. Für „Fame“ wird der Bassist mit Frauenkleid und Brüsten ausgestattet. Und Ray erzählt wie er mit seiner Frau in Edinburgh auf der Suche nach Brüsten war. Die durften jedoch nicht zu groß sein, sonst konnte man den Bass nicht mehr sehen.

Was hier so locker klingt, hat aber einen ernsten Hintergrund. Denn „Fame“ ist der schon längst überfällig, ausgestreckte Mittelfinger in die Gesichter aller Superstars und Casting Shows! „Hello, my name is Maria, I am 22 years old, my hobbies are dancing and singing, my ambition is to help people who are less fortunate than myself and to make a shit load of cash!!!“ Also ihr Superstars, fahrt weiter Taxi oder geht wieder Kellnern – Stiltskin ist in der Stadt.

Erwähnenswert ist dann noch das kein einziger Genesis Song gespielt wurde, das „She“ das beste Album 2006 ist, und das Masochismus mit Stil manchmal wirklich sein muss.

Woe to you oh earth and sea, for he devil sends the beast with wrath, because he knows the time is short, let him who hath understanding reckon the number of thebeast, for it is a human number, its number is 666.

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