Ray Wilson

Acoustic Genesis 2008

20.09.2008 Stadthalle / Landstuhl

Von: Astrid Weist

Ray Wilson Landstuhl

Als am Samstagabend in der ausverkauften Landstuhler Stadthalle das Saallicht ausging, entsprachen die ersten Töne aus den Boxen nicht ganz den Erwartungen der Zuschauer, die sich auf ein Akustik-Konzert mit Ray Wilson freuten –  die Titelmelodie von "Musik ist Trumpf" erklang da in voller Lautstärke und brachte nach der ersten Verblüffung viele zum Schmunzeln oder sogar zum Mitklatschen.

Ray Wilson, der mit seiner akustischen Gitarre natürlich doch noch auf der Bühne erschien, zeigte sich ebenfalls begeistert vom ungewöhnlichen Intro und legte nach einer kurzen Begrüßung mit dem eigenen Song "Ever The Reason" los, gefolgt von "Follow Me, Follow You". Damit steckte er gleich den musikalischen Rahmen für diesen Abend ab – eine gelungene Mischung von Stücken aus seiner Solokarriere, Genesis-Songs und anderen Klassikern.
Als Verstärkung hatte der Schotte diesmal keine ganze Band, sondern nur seinen Gitarristen Ali Ferguson dabei, der ihn mit akustischer Gitarre, E-Gitarre und auch gesanglich unterstützte. Gemeinsam schufen die beiden Musiker einen sehr harmonischen und auf´s Wesentliche reduzierten Gesamtklang und präsentierten die ausgewählten Songs fast in Wohnzimmer-Atmosphäre, zu der auch die Bestuhlung im Saal und die sparsame aber gemütliche Bühnenausstattung und Beleuchtung passten.

Im ersten Teil des Konzertes ging Ray Wilson mit "Carpet Crawlers" und "Lovers’ Leap" zu den Anfängen von Genesis zurück, hatte mit "No Son Of Mine" aber auch einen Charts-Klassiker auf Lager. Von seinen eigenen Sachen spielte er unter anderem "Lemon Yellow Sun" und "Change" und machte mit dem neuen Song "Propaganda Man" auf sein gleichnamiges, demnächst erscheinendes neues Album aufmerksam.
Emotional sehr überzeugend gelang ihm "The Actor", der innere Dialog eines abgehalfterten Schauspielers, der sich selbst davon zu überzeugen versucht, dass doch irgendwie alles gut ist.
Mit der ohne Ali Ferguson vorgetragenen Ballade "Shipwrecked" vom einzigen Album seiner Zeit als Genesis-Sänger "Calling All Stations" entließ Ray  das Publikum in die Pause.

Den zweiten Teil eröffnete der großartige Klassiker von Peter Gabriel "Solsbury Hill", der die Zuschauer sofort spürbar und hörbar begeisterte. Die ausgelassene Stimmung übertrug sich auch auf das folgende "Throwing It All Away", bevor mit "Another Day" wieder nachdenkliche Töne angeschlagen wurden.
Die nächsten Stücke kündigte Ray als einige der Klassiker an, die ihn in der Kindheit musikalisch beeinflusst hätten – und begann dann mit den ersten Tönen von "Fernando". Er brach zwar schnell wieder ab, ließ aber doch noch einige Takte von "Take A Chance" folgen, in das auch Ali mit einstimmte. Den Reaktionen des Publikums zufolge hätte Ray wohl auch den Rest des Abends ABBA-Songs singen können, er wandte sich aber lieber den echten Klassikern zu – "Knocking On Heavens Door" und "Wish You Were Here". Bei letzterem ließ er Ali den Vortritt am Mikro, so dass dieser sein ebenfalls beachtliches Talent als Sänger beweisen konnte.
Mit der wunderschönen Ballade "Razorlight" präsentierten die beiden einen weiteren  Song vom neuen Album, um sich dann wieder Genesis zuzuwenden, genauer gesagt der Phil-Collins-Ära, aus der nun "Entangled" und "Ripples" erklangen.
Scherzhaft kündigte Ray dann den besten Song aller Zeiten an, den er selbst einst wartend auf einem Flughafen geschrieben habe, und brachte mit dem schwungvollen "Airport Song" das Publikum sogar zum Mitsingen, was er beim folgenden "Land Of Confusion" auch wieder einforderte. Mit der tollen akustischen Interpretation von Phil Collins "In the Air Tonight" verabschiedeten sich die Künstler zum ersten Mal von der Bühne.

Als Zugabe brachte Ray Wilson noch zwei seiner eigenen Stücke, "Ghost" und "Inside“. Mit einem weiteren Song aus seiner Genesis-Zeit, dem ruhigen  und von ihm solo vorgetragenen "Not About Us" beendete er schließlich das inzwischen schon weit über zwei Stunden dauernde Konzert und ließ bestimmt nicht wenige Zuschauer mit dem Gefühle zurück, dass sie ihm noch ewig hätten zuhören können. Ein wirklich großartiger Abend, der einmal mehr bewiesen hat, das gute Musik nicht viel Aufwand braucht, sondern einfach nur gute Musiker.

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