Open Air 2010 - Support: Terry Hoax & Blue October
Ungemütliches Wetter empfängt die gut gelaunten, fröhlichen Zuschauer des letzten Reamonn-Konzerts in Köln bevor die Band sich nach elf erfolgreichen Jahren trennen wird. Die Band wurde von Rea Garvey (Gesang und Akustikgitarre) durch eine Zeitungsannonce und glückliches Zusammenfinden der Bandmitglieder Uwe Bossert (E-Gitarre), Mike "Gomezz" Gommeringer (Schlagzeug), Philipp Rauenbusch (E-Bass) und Sebastian Padotzke (Saxophon, Keyboard und Querflöte) im Jahre 1998 gegründet. 2000 landeten sie mit "Supergirl" den Hit, der sie bekannt machte, auch über Deutschlands Grenzen hinaus.
Durch Verkehrsprobleme bedingt müssen viele Zuschauer auf den Genuss verzichten, (zumindest) die erste Vorband Terry Hoax zu hören, so auch ich. Sie scheint allerdings gut anzukommen, die Stimmung ist positiv, die verklingende Musik rockig und lockend, als ich das Open Air Theater erreiche. Mit Blue October wird eine weitere sehr gute Vorband gestellt, die vor allem mit "Jump Rope" überzeugt und auch viele Fans der Band sind besonders in den ersten Reihen anzutreffen, von denen anzunehmen ist, dass sie dieses Konzert nicht zuletzt wegen der Klänge der speziellen Rockband besuchen, die emotionale Texte mit harter Rockmusik und Geigenklängen gepaart präsentiert.
Pünktlich um halb neun ist die Bühne bereit für Reamonn. Durch Licht und ein rockiges, von Streichern begleitetes, Stimmung aufpeitschendes Intro eingeleitet kommt Rea Garvey zu seinen Bandmitgliedern auf die Bühne und es wird das erste Stück – eine Ballade – eingeleitet. "Faith" stimmt das Publikum auf einen gelungenen Abend ein. Da der Platz vor der Bühne großzügig überdacht ist, besteht kaum Gefahr, von den leider in der zweiten Hälfte einsetzenden Regenschauern durchnässt zu werden. Mit dem zweiten Lied des Abends, "Set Of Keys", zieht Rea das Publikum endgültig in seinen Bann, die positiv abwartende, gespannte Stimmung wird abgelöst von einer mitreißenden, bewegenden Stimmung – die auch für Bewegungen der Zuschauer selbst sorgt. Eins mit sich, dem Publikum, seiner Band und den Liedinhalten führt Rea die 3.500 Fans durch die folgenden Stücke, unter anderem "Through The Eyes Of The Child" bis zum gefühlten Höhepunkt mit dem neuen Lied "Closer", das auf dem aktuellen Album "Eleven" zu finden ist. Überleitungen zum jeweils kommenden Stück schafft er durch kleine Erzählungen um die Stücke herum, die sich durchaus auch mit persönlichen Erfahrungen des Sängers beschäftigen. Die Menge hört zu, tanzt, singt schliesslich lauthals mit- und wird darin bestärkt, dass Reamonn eine der besten Live-Bands überhaupt ist.
Es folgt die gefühlvolle Ballade "Tonight", die von rotem Scheinwerferlicht unterstrichen wird und eines der bekanntesten Stücke von Reamonn ist. Mit "Tonight" findet das Konzert quasi einen zweiten Anfang, der Song stimmt die Zuschauer wieder etwas ruhiger, ganz geschickt geht Rea auf das Publikum ein, nimmt es mit, lässt es Textstellen singen, bezieht es in die Show mit ein. Es folgen Lieder wie "Free Like A Bird, Million Miles", bis ein erneuter Höhepunkt naht, und zwar mit "Moments Like This", bei dem die Menge heftig tanzt, geradezu wie in der Disco. Spätestens bei den Zeilen "It’s Over Now", weiß jeder, dass das Konzert sich seinem Ende nähert. Mit den Schlussakkorden dieses Liedes verlässt die Band dann auch geschlossen die Bühne. Der Applaus, der die Fünf schnell zurück auf die Bühne holt, ist überwältigend. Die Gewissheit auf eine gute Zugabe hat jeder, denn noch fehlt "Supergirl" in der Sammlung der gespielten Stücke.
"You can tell by the way..." - Die Freude über den Song ist groß, schließlich spielt der Keyboarder Sebastian Padotzke ein Solo auf dem Saxophon, es ist zum Teil erhofft und erwartet – Schreie der Freude hallen durch die Luft, es kommt fantastisch gut an. Eine Zugabe, die sich sehen (und natürlich auch hören) lassen kann. Nach der Darbietung von "Alright", die ebenfalls sehr gelungen ist, folgt das letzte Stück, die endgültige Zugabe, der Abschluss dieses sehr guten Konzertes. Und zwar mit – eine so große Überraschung ist es nicht! – "Yesterday". Stimmungsvoll beendet Rea Garvey das Konzert mit diesem neuen Song.
Auffallend ist, dass viele Familien, auch mit Jugendlichen und teilweise sogar Kindern anwesend sind, was zeigt, wie generationsübergreifend Reamonn die Menschen bezaubert. Die Atmosphäre ist sehr freundlich und ausgelassen, das Publikum fühlt sich als Einheit, Reamonn hat die Erwartungen vollends erfüllt, wenn nicht sogar noch ein kleines bisschen übertroffen. Eindeutig eine sinnvolle Investition für ein sehr gutes Konzert. Es bleibt nun zu hoffen, dass sich die Band nach der anstehenden Pause vielleicht doch noch einmal zusammen tut. Rea sagte in einem Interview kürzlich zwar ganz klar und deutlich: "Dann war’s das mit Reamonn und was neues kann beginnen." – Aber lasst uns hoffen.