Red Hot Chili Peppers

I'm With You - Tour 2011 - Support: Femi Kuti & The Positive Force

07.10.2011 Lanxess Arena / Köln

Von: Thomas Kröll

Red Hot Chili Peppers Köln

Die Red Hot Chili Peppers meinen es offensichtlich gut mit Köln. Schließlich sind sie heute bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr zu Gast in der Domstadt. Während das Konzert am 30. August im E-Werk noch der Präsentation ihres aktuellen Albums "I'm With You" diente und weltweit in 39 Länder übertragen wurde, haben die 15.000 Fans in der ausverkauften Lanxess Arena die Band diesmal exklusiv für sich. Und im Gegensatz zum eher enttäuschenden August-Auftritt dürfen sie sich - soviel sei schon jetzt verraten - über einen weitaus gelungeneren Abend freuen. Bevor es soweit ist, müssen sie allerdings zeitraubende Einlasskontrollen über sich ergehen lassen, denn alle Eintrittskarten sind personalisiert und so muss jeder neben dem Ticket auch seinen Personalausweis oder Führerschein vorzeigen. Da es in Strömen regnet, ist bei nicht wenigen der aufgedruckte Barcode förmlich baden gegangen und somit unlesbar geworden. Das heißt, man darf sich an einem der "Trouble Shooting"-Schalter ein neues Ticket ausstellen lassen und sich wieder hinten anstellen. Ein zur Austrocknung des Schwarzmarktes sicherlich sehr lobenswerter Ansatz, doch so mancher Fan verliert angesichts der langen Schlangen vor den Eingängen trotzdem die Contenance.

Das musikalische Programm beginnt derweil pünktlich um 20 Uhr mit Femi Kuti & The Positive Force, persönlich angesagt von Chili Peppers-Bassist Michael "Flea" Balzary. Wer auch immer die 15-köpfige Truppe aus Nigeria eingeladen hat, er hat Mut bewiesen. Denn die Afrobeat-Band passt als Support ähnlich gut zu den Red Hot Chili Peppers wie Andrea Berg zu AC/DC. So sorgt das ungewöhnliche Ensemble dann auch neben einer fast schon überbordenden Bühnenpräsenz - besonders durch den zappeligen Bandleader Femi Kuti und eine zugegeben brillante Bläsersektion - für reichlich Verwirrung im weiten Rund. Als sich zum Ende ihres 40 Minuten langen Auftritts jedoch Flea, Peppers-Gitarrist Josh Klinghoffer und -Drummer Chad Smith mit auf die Bühne gesellen, ist auch der letzte Fan wieder ganz bei der Sache.

Die Red Hot Chili Peppers in Vollbesetzung lassen anschließend weitere geschlagene 45 Minuten auf sich warten. Ein Grund ist nicht ersichtlich, denn die Bühne ist schon längst umgebaut. In der Zwischenzeit gibt es immerhin ein wenig Screaming Trees und Foo Fighters aus der Konserve. Als es dann endlich mit "Monarchy Of Roses" losgeht, ist der Jubel entsprechend gross. Anthony Kiedis hüpft wie ein Känguruh über die Bühne, trägt dazu eine Kappe, ein weißes Feinrippunterhemd und leider immer noch die Oberlippenbehaarung, die kürzlich mal jemand überaus treffend als "mexikanischen Pornostar-Schnurrbart" bezeichnet hat. Abgesehen von derlei Äußerlichkeiten ist die Band gut drauf, was man vom Sound - wie so häufig in der Lanxess Arena - nicht unbedingt sagen kann. Zumindest im Innenraum ist er nur mit Ohrstöpseln zu ertragen, was den Songs viel von ihrem ursprünglichen Druck nimmt.

Die erste kurze Begrüßung gibt es nach "Charlie", den vorläufigen Höhepunkt im ersten Drittel mit "Under The Bridge", das Chad Smith durch ein kurzes Drum-Solo einleitet. Überhaupt ist die Setlist aus alten und neuen Songs schön ausgewogen. Auf "Factory Of Faith" von "I'm With You" folgt beispielsweise wenig später "Blood Sugar Sex Magik" vom gleichnamigen Erfolgsalbum aus dem Jahr 1991, dem wiederum ein vollkommen verrocktes "Higher Ground" (im Original von Stevie Wonder) folgt. Die Leute haben Spass und auch das kalifornische Quartett scheint den Gig zu genießen. Flea glänzt mit einem Bass-Solo und Anthony Kiedis inzwischen mit seinem tätowierten Oberkörper. Eine grosse Leinwand im Hintergrund der Bühne sowie sieben kleinere in ihrer Mitte sorgen für allerlei Animationen und beste Sicht von allen Plätzen. Überhaupt sind die visuellen Effekte ein absoluter Hingucker: Laser, Lichtsäulen, flatternde Vögel, Sternenbilder, bunte Pillen... das Auge hat reichlich zu tun. Nach einer Art Interlude von Flea und Klinghoffer beenden die Chili Peppers mit einem wunderbar gefühlvollen "Californication" und "By The Way" den regulären Teil ihres Sets.

Der Zugabenblock beginnt mit einem erneuten Solo von Drummer Chad Smith (unterstützt von Gastmusiker und Percussionist Mauro Refosco) und geht über "Around The World" und "Soul To Squeeze" weiter bis zum finalen Schlusspunkt "Give It Away", bei dem auch Femi Kuti noch einmal mitmachen darf und das in einem fast dreiminütigen Jam fulminant ausklingt. An John Frusciante denkt in diesem Augenblick wohl endgültig niemand mehr. Früher verkleideten sich die Red Hot Chili Peppers bei ihren Liveshows gerne mal als lebensgrosse Glühbirnen, trugen Silberhelme, aus denen meterhohe Flammen schossen oder spielten nur mit einer Socke an exponierter Stelle bekleidet. Solcherlei Firlefanz haben sie heutzutage nicht mehr nötig. Im 28. Jahr ihres Bestehens überzeugen sie mit solidem Handwerk und die 110 Minuten in der Lanxess Arena haben bewiesen, dass man mit ihnen auch ohne bewußtseinserweiternde Substanzen einen fröhlichen Abend feiern kann. Die Fans in Hamburg, Frankfurt, Berlin und München dürfen sich freuen!

Setlist:

Monarchy Of Roses
Can't Stop
Charlie
Otherside
Look Around
Dani California
Under The Bridge
Factory Of Faith
Throw Away Your Television
The Adventures Of Rain Dance Maggie
Right On Time
Blood Sugar Sex Magik
Higher Ground
Californication
By The Way
---------------
Around The World
Soul To Squeeze
Give It Away 

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