Rheinkultur

25 Jahre Rheinkultur Festival mit: Den Fantastischen Vier, Calexico, Kim Frank, Mother Tongue, Bosse,Gods of Blitz, Fire in the Attic, Madsen, Peter Pan Speedrock

07.07.2007 Rheinaue / Bonn

Von: Shirin K

Rheinkultur Bonn

1983 feierte der Verein Bonner Ruckmusiker zum ersten Mal die Rheinkultur in der Bonner Rheinaue. Auf einer einzigen Holzbühne und mit knappen 4000 Zuschauern frönte der VBR seinem selbst gesetzten Ziel, nämlich die lokale Musiklandschaft zu unterstützen. Wahrscheinlich hätte damals keiner der Veranstalter gedacht, dass aus der kleinen Zusammenkunft von Musikinteressierten und relativ unbekannten Bands irgendwann eines der größten Umsonst-und-draußen-Festivals Europas werden würde. Aber schon drei Jahre später gehört die Band „Trio Rio“, die damals mit dem Hit „New York, Rio, Rio“ in allen Ohren waren, zum Billing. Noch mal zwei Jahre später, also 1988, konnte die Rheinkultur dann die stolze Zahl von 50.000 Besuchern vorweisen. In diesen frühen Jahren beginnt also schon die Erfolgsstory der Rheinkultur.

Als Bonnerin kann ich mich natürlich auch an mein erstes Mal Rheinkultur erinnern: 1992 war es, damals gab es noch das Indiezelt, in dem es unerträglich heiß und eng zuging, aber das kümmerte uns Jungspunde nicht. Hier war es auch, dass ich die Finnen von Waltari sah, eine Band, der ich bis heute noch treu geblieben bin - wie ich auch der Rheinkultur treu geblieben bin. Seither habe ich fast jedes Jahr das Festival besucht, und war im Programm mal nichts für mich dabei, so bin ich doch wenigstens wegen der guten Stimmung und der einmalig lockeren Atmosphäre hingegangen. Das Festival ist zwar seit meinem ersten Mal stetig gewachsen, ist aber nie zu einem kommerziellen Riesending geworden. Dass die Veranstalter angesichts steigender Kosten vor ungefähr zehn Jahren dazu übergehen mussten, das Mitbringen von eigenen Getränken zu verbieten, kann ich gut nachvollziehen. Der Mensch lebt ja nicht von der Liebe zur Musik allein.

Was die Wenigsten vielleicht bedenken, ist, wie viel Zeit, Energie und Organisationstalent dazu gehört ein Festival von solchen Ausmaßen auf die Beine zu stellen. Ist eine Rheinkultur vorbei, schon beginnen wenige Monate später die Vorbereitungen für die nächste. Sponsoren müssen (wieder)gewonnen werden, Bands müssen angefragt werden und aus einem Wust aus Einsendungen und Bewerbungen müssen die Veranstalter diejenigen regionalen Bands auswählen, die im nächsten Jahr eine Chance bekommen sollen, ihr Können auf die Probe zu stellen. Doch damit nicht genug, die gesamte Infrastruktur des Festivals muss bis ins kleinste i-Tüpfelchen geplant werden. Gespräche mit der Stadtverwaltung, der Polizei, den Sanitätern und den Vertretern der öffentlichen Verkehrsmittel sind unerlässlich. Jedes noch so kleine Happening auf dem Festival braucht Betreuung – und sei es der Clown, der die ganz Kleinen auf dem Festival unterhalten soll. Die Rheinkultur-Zeitung ist ganz wichtig, um so viele Besucher wie möglich anzulocken und auch die After-Show-Parties gehören fest zum Programm. Und all dies, um hunderttausenden von Leuten an einem einzigen Tag im Jahr einen unvergesslichen Tag bereiten zu können.

Auch dieses Jahr, pünktlich zum 25. Jubiläum der Rheinkultur, ist das den Veranstaltern der Rheinkultur gelungen. Nicht zuletzt wegen des ausnahmsweise guten Wetters strömten die Massen immer nur weiter in die Bonner Rheinaue. Erst zwei Wochen früher war der diesjährige Jubiläumsheadliner bekannt gegeben worden: Die Fantastischen Vier! Für ein Festival, das nur von den Sponsoren und der Trinklaune der Besucher lebt, ein Riesenerfolg. Zwar haben auf der Rheinkultur schon große Acts wie The Darkness, Farin Urlaub, Sportfreunde Stiller und die Bloodhound Gang gespielt, aber dass Fanta Vier sich die Ehre geben, ist nicht zuletzt deswegen überraschend, weil diese bei ihrer Initiativbewerbung als relativ unbekannte Band vor vielen vielen Jahren von der Rheinkultur abgelehnt worden waren. Neben Fanta Vier hatten die Veranstalter aber auch noch Bands wie Sick of it All, Donots, Mother Tongue, Kim Frank, Madsen und Lambchop gewinnen können.

Die Stimmung Backstage war entspannt wie jedes Jahr auch. Zuvor hatte die furchtlose Crew der Rheinkultur eine Woche lang bei anhaltendem Regen das gesamte Gelände aufgebaut, bekocht von Mike, dem Besitzer der „Frittebud“ in der Bonner Altstadt (ja, das ist Schleichwerbung!). Dessen Team schmierte Samstagmorgen dann erstmal fleißig Brötchen für die Bands. Für Sick Of It All mussten noch extra Choco-Pops und Soja-Milch her, und der eine oder andere Musiker wollte mit veganen Brötchen versorgt werden. Ansonsten wurde hinter den Bühnen fleißig geackert, keine Zeit für Gejammer und Pannen, alles musste glatt laufen.

Und alles lief – auch dieses Jahr – Dank der hervorragenden Organisation im Voraus problemlos ab. Kim Frank, der ehemalige Echt-Sänger, und Madsen ernteten vor allem weiblichen Beifall, Mother Tongue spielten ihren amerikanischen Funk-Rock souverän wie schon vor drei Jahren auf der Rheinkultur, und die Donots bereiteten die Massen auf Sick Of It All vor. Diese ließen es sich natürlich nicht nehmen ihre berühmtberüchtigte Wall of Death durchzuführen (das Publikum wird zweigeteilt und auf den Startschuss des Sängers hin versucht jede Seite so schnell wie möglich auf die andere zu kommen). Ernsthafte Schäden gab es da zum Glück nicht. Tja, und während Sick Of It All den Emos eine gehörige Lektion erteilten, heizten Fanta Vier auf der Blauen Bühne den Massen ein. Mit aufwendiger Technik, großen Bildschirmen und perfektem Sound sorgten Thomas D. und seine Kumpanen für einen gewaltigen Auftritt. Ein großartiges Bild ergab sich für den Betrachter, als das Publikum von der Band aufgefordert wurde, auf ein Zeichen hin hochzuspringen. Mehr als hunderttausend Zuschauer folgten dem Aufruf und damit endete auch schon fast die spektakulärste und mit 200.000 Zuschauern erfolgreichste Rheinkultur der letzten Jahre. Ein Riesen-Dankeschön an die Veranstalter und die gesamte Crew dafür, dass sie jedes Jahr dafür sorgen, dass in Bonn die Fahne der alternativen Rockkultur hochgehalten wird. Bis zum nächsten Jahr!

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