Richie Kotzen

Tour 2009 + 07.02. Altes Pfandhaus / Köln

08.02.2009 Altes Pfandhaus / Köln

Von: Wolrad Wolff

Richie Kotzen Köln

Ein Double-Feature der ganz besonderen Art konnten Liebhaber der handgemachten Musik am vergangenen Wochenende im Alten Pfandhaus in Köln erleben: Der Gitarrist, Sänger und Songwriter Richie Kotzen gab sich gleich an zwei aufeinanderfolgenden Abenden die Ehre. Der Samstagabend stand hierbei ganz im Zeichen der Akustik-Gitarre, während am Sonntagabend ausschließlich auf der Strom-Gitarre gerockt wurde. Der aus den Staaten stammende Ausnahmemusiker stellte an beiden Abenden nicht nur sein gitarristisches Können unter Beweis, sondern begeisterte vor allem auch durch gute Songs und seine herausragende Stimme.

Der Konzertsaal im Alten Pfandhaus ist angelegt wie ein kleines Amphitheater. Auch bei geringen Besucherzahlen rücken Publikum und Künstler zwangsläufig zusammen. Der Künstler sitzt inmitten des Publikums; oder andersherum: das Publikum sitzt quasi mit auf der Bühne. Und genau das ist es, was den Reiz der Pfandhaus-Konzerte ausmacht.

Die Atmosphäre ist perfekt, als Richie am ersten Abend nur mit seiner Ovation Akustik-Gitarre alleine die Bühne betritt. Ruhig begrüßt er das Publikum und nimmt anschließend gelassen auf einem Barhocker Platz. Bereits nach den ersten Tönen herrscht im Saal eine deutlich spürbare Euphorie. Dem Publikum wird sehr schnell klar, was für ein begnadeter Singer und Songwriter der attraktive Mann mit den langen schwarzen Haaren ist. Songs wie “Stand“, “Doin’ What The Devil Says To Do“ oder “High” funktionieren wunderbar in der abgespeckten Akustik-Version. Die Interaktion zwischen dem Gitarristen und seinen Zuschauern ist großartig. Richie reagiert auf Zurufe, was mit großer Begeisterung von Seiten des Publikums belohnt wird. Nach einigen Stücken gibt es eine fünfzehnminütige Pause.

Nach der Pause betreten mit dem Gitarristen auch Bassist Johnny Griparic und Schlagzeuger Pat Torpey die Bühne. Akustisch geht es weiter. Das Zusammenspiel der Band ist gut, gefühlvoll und dynamisch. Mit jedem Song steigt die Stimmung im Saal; Band und Publikum heizen sich gegenseitig an, und zum Ende will keiner den Star gehen lassen. Es gibt mehrere Zugaben. “The Road“ ist das letzte Stück an diesem Abend; ein Stück, das im Rahmen von Richie Kotzens neuem Projekt, dem “Wilson-Hawk-Project, entstanden ist. Es wird von ihm auf dem Piano vorgetragen. – Ein gelungener Abend.

Der Sonntagabend ist anders, jedoch keineswegs weniger gelungen: Es herrscht deutlich mehr Publikumsandrang und die Stimmung ist schon zu Beginn ausgelassener als am Vorabend. Der Saal ist voll, und die Luft ist stickig, als Richie mit seiner Signature Telecaster samt Band den Raum betritt. Ohne große Worte stöpselt er die Gitarre ein und legt direkt los! Mit dem ersten Song beginnt die Stimmung im Saal bereits zu brodeln, nach dem zweiten Song kocht sie! Es ist ein richtiges Rock-Konzert, aber mit Stars zum Anfassen und in angenehmer Größe und Lautstärke. An diesem Abend gibt es keine Pause, es wird durchgerockt. Die Songs kennt man: vieles ist ähnlich wie auf dem 2008 veröffentlichten Album “Live In São Paulo“. Höhepunkte sind neben den Eigenkompositionen auch die Coverversionen von “Shapes Of Things“ und von Hendrix’ “All Along The Watchtower“. Eindrucksvoll präsentiert sich der Singer und Songwriter des Vortages heute als wahrer Könner und Virtuose an der E-Gitarre, und nach einigen Zugaben mag niemand so recht begreifen, wie schnell die zwei Stunden Konzert vergangen sind. Euphorische, zufriedene Menschen verlassen begeistert den Saal: Hier und da wird fachgesimpelt, um Verstärkertypen und die richtigen Gitarrensaiten geht es, oder man trinkt einfach noch ein Bier auf einen äußerst gelungenen Abend.

Richie Kotzen an einem der beiden Abende gesehen zu haben ist schon großartig. Wer jedoch beide Konzerte an diesem Wochenende im Alten Pfandhaus miterleben konnte, für den ist sicherlich ein Gitarristen-Traum in Erfüllung gegangen.

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