Rilo Kiley

Tour 2007

26.08.2007 Prime Club / Köln

Von: Simon Baranowski

Rilo Kiley Köln

Pünktlich um 22h betraten Rilo Kiley die kleine Bühne im Kölner Prime Club. Für die fünfköpfige Live Band fast schon zu klein. Jeder suchte sich seinen Platz unter dem freudigen Applaus derer, die den Weg in die Luxemburger Str. gefunden hatten. Nicht ganz gefüllt war der Prime Club, aber genau richtig für einen schönen gemütlichen Abend.

Mit „It’s A Hit” ging es zunächst ganz sachte los. Zarthauchende Gitarrenriffs und die einmalig wohlfühlende Stimme von Frontfrau Jenny Lewis ließen die Herzen schneller schlagen. Dann setzte das Schlagzeug ein und man sah in den Gesichtern der Anwesenden förmlich die Freude aufkommen. Nach der Tour 2005 und einigen Soloausflügen und Nebenprojekten, die als solche eigentlich auch nicht mehr zu definieren sind, sind Rilo Kiley also wieder in Deutschland angekommen. Neben Köln standen noch Konzerte in Berlin und München auf dem Programm. Das Konzert in Hamburg, Mitte August, wurde leider abgesagt, soll aber laut Veranstalter im Herbst nachgeholt werden.

Im Oktober erscheint der neue Longplayer „Under The Blacklight“ von Rilo Kiley auf dem deutschen Markt. Verständlich wie bei jedem Act mit frischer Ware im Musikbuisness, wird hier vorwiegend das neue Material live zum Besten gegeben. Und die neuen Songs schlugen sich gut. Ist man nach dem Studiodurchlauf eher skeptisch, der ungewohnten Töne um Rilo Kiley, wurde man live schnell wieder eines Besseren belehrt. Hier entwickelten sich die neuen Nummer als sehr tanzbar und mitwippend. Es kam discolastig rüber und schwebte etwas dem Indie davon. Doch der Mix passte. Mehr als spielfreudig und ohne auf Distanz aus zu sein, spielten Rilo Kiley ein Set, das wirklich jedem im Prime Club glücklich zu machen schien. „Portions For Foxes“, der Indiedisco-Kracher von 2004, lockerte die eh schon unangespannte Stimmung weiter auf. „…it’s bad newsÂ…“? Von wegen! "Breakin’ Up", "The Moneymaker" und "Dreamworld", in dem Sänger/Gitarrist Blake Sennett sogar eine deutschsprachige Zeile im Refrain einbaute, ließen das Tanzbein schwingen, zumindest innerlich, denn hier wurde eher genossen, zugehört und mitgefühlt. Der Titeltrack des neuen Albums „Under The Blacklight“ wurde in seiner Akustikversion präsentiert. Teilweise schon atemberaubend, wie Jenny Lewis mit ihrer Stimme scheinbar die Sonne in den kleinen Club holte und jedes Herz erwärmte. Sehr klar und jeden Ton treffend, dazu improvisierend und verspielt. Nahezu lustig wurde es, als für den Song „Ripchord“ Blake Sennett die Ukulele rausholte. Eine sehr charmante Performance. Mit einem Song von Jenny Lewis’ Soloalbum, „Rise Up With Fists“, in neuem Gewand und der Nummer „I Never“ schloss das Set.

Natürlich kam es zu einer Zugabe. Und was nun folgte, machte den Abend noch sympathischer als er eh schon zu diesem Zeitpunkt war. Die Band wollte „Give A Little Love“ bringen, aber die Technik versagte. Die Musik, mehr der Beat würde ich mal sagen, kam bei diesem Track vom Band. Nur hatte dieses wohl gerade jetzt keine Lust und kratzte und sprang nur so, dass die drei Sängerinnen auf der Bühne (Jenny Lewis plus ihre zwei Backgroundsängerinnen) natürlich sofort aus dem Takt kamen. Was nun? Das Publikum jedenfalls reagierte völlig richtig und war nach dem bereits Gebotenen alles andere als unzufrieden. „With Arms Outstretched“ folgte also in improvisierender Weise. Und das war auch gut so. Selten packten Rilo Kiley diesen Song bisher live aus. Sie sträubten sich eher den Song, den so viele mögen, live zu spielen. Der Refrain wurde obligatorisch in den letzten beiden Refrain-Durchläufen vom Publikum gesungen. „Does He Love You?“ machte dann den Abschluss eines knapp anderthalbstündigen Sets.

Ein feiner Abend in Köln war das, trotz technischer Probleme, Textvergessen und Akkorde verhauen. Die Band aus Kalifornien war spielfreudig, witzig und äußerst sympathisch. „You’ll fall in love with them, too“, wie mir vor einigen Jahren mal gesagt wurde. „Under The Blacklight“ ist das mittlerweile vierte Album, neben einer ersten EP. Seit 1998 mischen Rilo Kiley elektronische Mittel mit Indierock und traditionellem, wunderbaren Songwriting. Daumen hoch für diese Band und ein herzliches Dankeschön für diesen wirklich netten Abend im Kölner Prime Club.

Setlist:

It's A Hit
Close Call
Portion For Foxes
Paint's Peelin'
Breakin' Up
Ripchord
The Moneymaker
Wires & Waves
Dreamworld
Under The Blacklight (acoustic)
(loop)
Silver Lining
Smoke Detector
Dejalo
15
Rise Up With Fists
I Never
--
Give A Little Love (abgebrochen)
With Arms Outstretched
Does He Love You?

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