Ringsted Festival

Ringsted Festival 2010

05.08.2010 Ringsted Lystanlæg / Ringsted

Von: Julia Wolf

Wer in den 80ern groß geworden ist und auch mit Rockmusik aus dieser Zeit was anfangen kann, ist damals wohl nicht um White Lion herumgekommen. Also nicht in dem Maße, wie etwa Bon Jovi, dennoch ist einem bestimmt die Ballade "When The Children Cry" oder die No.1 US Hitsingle "Wait" ein Begriff, im Gedächtnis oder in den Ohren. Verbunden mit engen Hosen, knappen Oberteilen, eben schrillen Outfits und Löwenmähne kommen die Erinnerungen wieder farbig auf den Bildschirm. Gleichzeitig stellt man sich die Frage "Was ist eigentlich mit den ganzen Bands passiert?". Denn wie wir wissen haben es die wenigsten geschafft die Zeit zu überstehen und ihrer Musik treu zu bleiben bzw. die Zeit mit ihrer Musik zu überstehen. Manche sind komplett verschwunden, manche versuchen sich mit Konzerten in kleinen Clubs, neuen Alben und Reunions über Wasser zu halten und wieder andere wie z.B. Bret Michaels von Poison versuchen es in diversen Dating Shows auf MTV. Schade, dass es solche Leute für nötig halten diese Schiene einzuschlagen aber das ist ein anderes Thema – zurück zu White Lion.

Sänger der Formation war der charismatische Frauenschwarm Mike Tramp. Mit ihm als Frontmann stand man den anderen Bands aus dieser Zeit in nichts nach und tourte durch große Hallen auf dem ganzen Erdball. Als die 80er rum waren und der Grunge Einzug hielt, konnte Mike Tramp nach Ende der White Lion Ära mit seiner neuen Formation Freak Of Nature vor allem in Asien gute Erfolge erzielen und fügte sich musikalisch in die damalige Zeit ein. Freak Of Nature, so sagt er heute noch, war die beste Band der Welt. Nun ja, war dies Mitte der 90er auch wieder Geschichte besann er sich und machte seine eigene Musik. Persönliche und private Erlebnisse zeichnen seine Songtexte aus und musikalisch ist er dem treu geblieben, was er am besten kann: Rock and Roll! Von ihm stammt übrigens auch die Aussage "Rock and Roll ain’t dead, never was, never will be!", womit er hoffentlich auch immer recht behalten wird. Mit seiner ersten Scheibe "Capricorn" von 1998 tourte er in kleinem Rahmen aber mit Anerkennung durch die Staaten. Nach Europa kam er dann erst 2002 seiner zweiten Platte "Reovering The Wasted Years". Die Musik besteht wie schon erwähnt aus oft persönlichen Texten und die Musik ist Rock – schöner Rock, eigentlich schon radiotaugliche Rockmusik. Mike Tramp ist einer der Menschen, die – aufgrund ihres Talentes – viel mehr Aufmerksamkeit bekommen sollten. Seit 2002 verfolge ich seine Karriere und auf der Bühne macht er das, was ihm am meisten Spaß macht – Rock’n’Roll! Er liebt es seine Musik den Leuten zu präsentieren. Und kommen nur 50 Leute zum Konzert, nimmt das seiner Euphorie an der Musik nichts. In seinem Song "If It Ain’t Gonna Rock – It Ain’t Gonna Roll" sagt er wie es ist – it’s not a fashion, a way of life. Und genau das lebt er, er lebt einfach für die Musik, für seine Musk. Nach der 2003 erschienenen "More To Live Than This" CD, ging er dann noch mal ausgiebig auf Europatournee, bevor dann 2005 die White Lion-Reunion stattgefunden hat. Mit großer Werbetrommel tourt man rund um Globus, bringt eine Live CD raus und 2008 folgt das Studioalbum "Return Of The Pride". Es folgen mehrere Auftritte beim Rocklahoma oder Bang Your Head Festival, doch kurz darauf wurde es wieder still. Mike Tramp tourte wieder Solo (vorwiegend in seinem Heimatland Dänemark), aber ohne wirklich Aufsehen zu erregen. Momentan schaut es – aufgrund des Streites um das Namensrecht, was sich der Gitarrist Vito Bratta unter den Nagel gerissen hat – so aus, als ob es kein White Lion mehr geben wird.

Wir schreiben das Jahr 2009 und in Dänemark läuft im Fernsehprogramm die Serie "Allstars" an. Ähnlich wie diese ganzen Musikshows aber doch etwas anders. Bekannte dänische Musiker stellen sich aus Leuten wie du und ich einen Chor zusammen. Und diese Chöre treten dann im wöchentlichen Rhythmus gegeneinander an. Jede Woche mit einem anderen Lied und einer komplett anderen Aufmachung und Show. Und das ganze wird ein Riesenspektakel in dem kleinen Land und sorgt für Rekordeinschaltquoten. Und hier hat Mike Tramp einen der 10 Chöre unter sich und schafft es bis ins Finale, wo er aber letztendlich dem Sieger unterliegt. Das ganze ist in jedem Fall ein Schub für ihn im eigenen Land und vor allem weckt er das Interesse des jüngeren Publikums, also alles was jünger als 30 ist und ihn überhaupt nicht kennt. Daraufhin folgte dann auch sein aktuelles Soloalbum "Mike Tramp And The Rock’n’Roll Circuz", was bis heute allerdings nur in Dänemark zu kaufen ist – oder eben online. Hierzu gab es von Oktober bis Dezember 2009, also direkt im Anschluss an das Allstars Finale, eine ausgedehnte Tour durch (leider mal wieder nur) Dänemark und diesen Sommer spielt er auf so gut wie allen Festivals, die das Land hergibt. Okay, nachdem jetzt alle über Mike Tramp Bescheid wissen, kann ich auch mit meinem Bericht und seinem Auftritt beim "Ringsted Festival" beginnen – das habe ich nämlich besucht.

Aufgrund meines Fandaseins kennt man sich innerhalb der "Die Hard-Mike Tramp Fans" in Europa ganz gut (und das bereits schon seit Jahren) – sodass es ein freudiges Wiedersehen mit Freunden wird und das Anstehen in der Schlange für das Festival nicht so schlimm ist. Das Ringsted Festival gilt als das dänische Woodstock und das kommt so in etwa hin. Als wir dann endlich drin sind befinde ich mich in einer Art Park mit Bäumen und Wiesen wo man nur hinschaut. Mit Decken und Campingstühlen lassen es die Leute gemütlich angehen und vom Baby über Kleinkind, Teenager, Eltern bis hin zu Oma und Opa ist alles mit dabei. Ein Anblick, welcher mir so noch nicht geboten war, zumindest nicht auf einem Musikfestival. Es gibt auch mehrere Bühnen sowie unzählige Möglichkeiten sich mit den verschiedensten Essen und Getränken einzudecken. Ich verschaffe mir einen Überblick, genieße das schöne Wetter, die Atmosphäre und freue mich auf ein Tuborg. Die Zeit verfliegt mal wieder wie im Flug, denn auf meinem Rückweg vom Tuborgholen erklingt auch schon das Intro, ein Mix aus Zirkus- und Gauklermusik. Wie ein Zirkuszelt sieht auch die Bühne aus, eben alles an die CD angepasst. Das Intro ist ein relativ langes, denn als ich an meinem Platz zurück bin, geht es bestimmt noch 1 Minute, bis dann die Herren die Bühne stürmen und mit "All Of My Life" beginnen. Ein schöner Rocksong von der neuen Platte, der sofort ins Bein geht und fast schon zum Tanzen einlädt. Mit "Back To You" kommt ein weiterer Song von der aktuellen Scheibe und dann kommen mit "If I Live Tomorrow" Erinnerungen aus vergangenen Tagen hoch. Eines meiner persönlichen Lieblingslieder – es stammt von der "Capricorn", Tramps erster Solo-CD. Gut gelaunt und gespannt auf die nächsten Lieder und während ich so um mich blicke stelle ich fest, dass alles sehr locker zugeht – keiner steht gedrängt oder ähnliches und doch nur wenige scheinen überhaupt den Akteur auf der Bühne zu kennen. Gut, seit dieser Allstar Geschichte kennt Mike Tramps Namen jeder, jedoch scheinen die Lieder nur die wenigsten zu kennen. Mit "Highway" kommt eine weitere Rocknummer, gefolgt von der gefühlvollen Ballade "Anymore", die mir live sehr schmalzig vorkommt.

Weiter im Programm geht’s mit dem wieder fetzigen "Come On", alle von der "Rock And Roll Circuz". Da es die aktuelle Platte ist und für die neuen Fans die wohl "erste" Mike Tramp-CD, wird das ganze Set dementsprechend gestaltet. Aber ganz ohne Vergangenheit geht’s wohl doch nicht, sodass mich die ersten Gitarrenriffs überraschen, als die Jungs mit "Little Fighter" daher kommen… und mag es auch schon um die 25 Jahre auf dem Buckel haben – es rockt wie eh und je! Toll, toll, ich freue mich! Leider hält die Euphorie gar nicht so lange an, denn mit "When The Children Cry" kommt zwar ein weiterer White Lion Song und auch einer der Kategorie "unverzichtbar", dennoch gleich schon wieder eine Ballade und die Partystimmung ist verflogen. Aber gut, das Lied ist wohl noch vielen im Gedächtnis und wird dementsprechend mitgesungen, mit Feuerzeugen begleitet und mit dem Partner gekuschelt. Mit "The Road" kommt ein sehr popiger Song, der mir im Set nicht besonders gefällt, gefolgt von "No Tomorrow" – beide Lieder von der neuen Scheibe und ich stelle fest – er spielt mir eindeutig zu viele neue Songs. Aber gut – ich will mich nicht beschweren, wir sind in Dänemark... Dafür werde ich auch gleich belohnt, es geht nämlich mit "More To Life Than This", dem Titelsong des gleichnamigen Albums weiter – und es rockt wieder! Aber mit dem tollen Song verabschieden sich die Jungs dann auch schon kurz von der Bühne um für die Zugabe wieder zu kommen. Kommt mir alles so kurz vor, aber für ein Festival wohl okay. Begonnen wird die Zugabe mit "Between Good And Bad", ein weiterer Song von der "Circuz"-CD, was diesmal aber völlig in Ordnung ist, denn es ist mein persönlicher Favorit von der Platte. Und beendet wird das Set mit "Don’t Take My Rock And Roll", einem schnellen und fetzigen Song von der "Recovering The Wasted Years"-Scheibe. Der Song war auch bei einer der letzten Tourneen der Abschluss des Set. Hier hatte Mike dann alles erdenkliche aufgezählt – ungefähr so: "…and you can take my long blond hair, that I used to have - …and you can take, all the money I have – BUT DON’T YOU TAKE MY ROCK AND ROLL!!". Wie gesagt, ich habe ihn damals auch bei mehreren Shows gesehen und ihm ist jedesmal was anderes eingefallen, was wir haben können – wenn er will, kann er schon so ein kleiner Entertainer sein.

Somit geht ein schöner Abend wohl auch mal zu Ende. Alles in allem war mir die Show zu "Circuz lastig". Zwar verständlich, dennoch freue ich mich, wenn ich ihn auch in Deutschland mal wieder sehen darf. Im Gespräch mit der Band danach darf man sich auch auf das neue Studioalbum von Mike Tramp freuen. Claus Langeskov (der Bassist) hat es mir wie folgt erklärt: "Die ersten drei Tramp Alben sind alle straight Rock – mit der "Rock And Roll Circuz" sind wir dann an der Kreuzung abgebogen Richtung Pop und beim kommenden Album biegen wir in die andere Richtung ab – es wird düsterer und geht fast schon in die Richtung Dio". Ohhhoo, das nenne ich mal eine Aussage, mir schnackeln jetzt noch die Ohren. Das Kapitel Tramp geht in die nächste Runde, ich verbringe noch ein paar Tage Urlaub in Kopenhagen und erwarte gespannt was kommt.

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