Endgame-Tour 2011 - Support: Antillectual + Templeton Pek
Als ich das letzte Mal in Düsseldorf-Oberbilk war, hieß die Philipshalle noch Philipshalle. Mittlerweile heisst sie Mitsubishi Electric Halle. Ansonsten hat sich wenig verändert. Der Parkplatz ist immer noch zu klein und die Siegburger Strasse demzufolge weiterhin in beiden Richtungen zugeparkt, was besonders bei der Abfahrt nach wie vor zu leicht chaotischen Zuständen führt. Die Stadt Düsseldorf hat sich ebenfalls nicht die Mühe gemacht, die Hinweisschilder auszutauschen oder gar die benachbarte U-Bahn Station umzubenennen, denn wer weiß schon, wie die Halle im nächsten Jahr heißen wird. So aber bleibt zumindest die Erinnerung an viele legendäre Konzertabende in der Philipshalle lebendig, als sich hier beispielsweise New Model Army regelmäßig die Ehre gaben oder Mudhoney und Bad Religion gemeinsam die WDR-Rocknacht bestritten.
20 Jahre später heissen ihre Nachfolger Rise Against aus Chicago. Vor fünf Monaten spielte das Quartett noch im Kölner Palladium, heute verkaufen sie schon die Philips... äh, Mitsubishi Electric Halle aus. Ihr Anfang März erschienenes Album "Endgame" markierte endgültig die Abkehr vom Hardcore vergangener Tage hin zum eher mainstreamlastigen Surf Punk und war dementsprechend kommerziell erfolgreich. Allerdings muss man Rise Against zugute halten, dass die Band ihre politische und soziale Attitüde trotzdem nicht verloren hat und die gestiegene Popularität nach wie vor glaubwürdig dafür nutzt, um auf diverse gesellschaftliche Mißstände aufmerksam zu machen. Beim Konzert selbst ist für derlei Nachdenklichkeiten aber diesmal kein Platz. Es geht Schlag auf Schlag.
Als wir um 21.30 Uhr in Düsseldorf einlaufen, haben sich die 7.000 Fans bereits mit Antillectual und Templeton Pek warmgerockt. Davon zeugt nicht nur die saunaähnliche Luft (auch das Belüftungssystem ist offensichtlich noch das alte...), sondern vor allem so mancher dehydriert aussehende Fan, der vor der Halle noch schnell versucht seinen Sauerstoffmangel auszugleichen, bevor es mit Rise Against weitergeht. Tim McIlrath und Co. starten eine halbe Stunde später dann auch fast auf die Sekunde pünktlich mit "Chamber The Cartridge" in ihr Set. Im Vergleich zum Konzert in Köln variiert der Vierer die Setlist dankenswerterweise einige Male. So war zum Beispiel der zweite Song des Abends, "Satellite", in der Domstadt nicht vertreten. Im Innenraum geht schon jetzt die Post ab und Rise Against haben ihre Fans vom ersten Ton an voll im Griff. Besonders McIlrath präsentiert sich als ausgemachte Rampensau und heizt die Stimmung immer wieder mit langgezogenen "Düsseldooooorf"-Rufen an, während seine Mitstreiter - Joe Principe am Bass, Brandon Barnes am Schlagzeug sowie Gitarrist Zach Blair - ihre Parts überwiegend solide herunterspielen. Der Sound ist schön fett und ausgewogen.
Es ist Pogo angesagt und bis in die letzte Reihe der Gegentribüne wird getanzt, gefeiert und geschwitzt. Rise Against befeuern die Party mit "Heaven Knows", "Survive" oder dem unvermeidlichen "Help Is On The Way", ehe "Prayer Of The Refugee" nach elf gespielten Songs schon das Ende des Mainsets markiert. Etwas früh für meinen Geschmack, aber die Menge muss nicht lange "Rise" brüllen, bis Tim McIlrath zunächst alleine auf die Bühne zurückkehrt und mit einer wunderbaren Akustikversion von "Swing Life Away" für Gänsehaut sorgt, die vom darauffolgenden "Hero Of War", das die gesamte Halle voller Inbrunst mitsingt, weiter verstärkt wird. Mit "Audience Of One", "Architects" und "Ready To Fall" rockt dann die komplette Band der nächsten Pause entgegen und wer sich jetzt noch auf den Beinen halten kann, der reckt seine Fäuste in die stickige Luft und setzt zu erneuten "Rise"-Sprechchören an. Andere verleihen ihrer Begeisterung dadurch Ausdruck, dass sie ihre Bierbecher quer durch die Halle werfen. Was solls, ist ja auch kein Pfand drauf...
Schließlich lassen es Rise Against mit "Entertainment", "Savior" und "Give It All" nochmal so richtig krachen, bevor der Abend nach 90 Minuten so endet, wie er begonnen hat: Mit Atemnot und grenzenlosem Jubel. 90 Minuten erscheinen auf den ersten Blick etwas dürftig, aber wenn man sich so manche Gestalten anschaut, die danach vollkommen fertig in Richtung Ausgang taumeln, dann kann man sich kaum vorstellen, dass auch nur einer von ihnen weitere fünf Minuten durchgehalten hätte. Nicht zu vergessen, dass es ja bereits vorher mit Antillectual und Templeton Pek fast zwei Stunden lang ordentlich was auf die Zwölf gegeben hat. Aus meiner Sicht hat die Mitsubishi Electric Halle ihre Feuertaufe dank Rise Against jedenfalls mit Bravour bestanden und ich bin sicher, dass mir da jeder der Anwesenden zustimmen wird, sofern er das Sauerstoffzelt inzwischen wieder verlassen hat.
Setlist:
Chamber The Cartridge
Satellite
The Good Left Undone
Heaven Knows
Re-Education (Through Labor)
Survive
Make It Stop (September`s Children)
The Dirt Whispered
Help Is On The Way
From Heads Unworthy
Prayer Of The Refugee
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Swing Life Away
Hero Of War
Audience Of One
Architects
Ready To Fall
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Entertainment
Savior
Give It All