Rise Against

Endgame-Tour 2011 - Special Guest: Coliseum

23.03.2011 Palladium / Köln

Von: Thomas Kröll

Rise Against Köln

Seit über zehn Jahren sind Rise Against nun schon auf den Bühnen dieser Welt unterwegs. Momentan reiten die Punkrocker aus Chicago auf einer besonders grossen Erfolgswelle. Ihr vor knapp zwei Wochen erschienenes sechstes Studioalbum "Endgame" stieg in den Media Control Charts sofort von 0 auf 1 und die fünf Konzerte der aktuellen Deutschlandtour sind bereits seit Wochen restlos ausverkauft. So auch das heutige im Kölner Palladium. Immerhin beweist dieser Erfolg, dass politisches und soziales Engagement mit kredibiler Attitüde selbst in unserer schnelllebigen Zeit noch nachhaltig sein kann. Die Band unterstützt beispielsweise seit vielen Jahren die Tierrechtsorganisation Peta und bezieht auch in ihren Songs klar Stellung. Dementsprechend findet man im Eingangsbereich des Palladiums einige Stände von Tierschutz- und Umweltinitiativen.

Musikalisch entwickelten sich Rise Against in der Vergangenheit von der Hardcore-Kapelle zu eher mainstreamlastigen Surf Punk-Vertretern der Marke Green Day. Die Zielgruppe der 14- bis 20-Jährigen ist im Palladium deutlich in der Überzahl und feiert sich selbst immer wieder mit "Scheiß Tribüne"-Gesängen in Richtung Empore. Ironie am Rande: Als mit diesen Gesängen in den Achtziger Jahren die Stehplatzränge in den Fussballstadien noch die Stimmungstöter auf der Ehrentribüne geißelten, waren die meisten der heute Anwesenden noch nicht mal geboren.

Als Special Guest haben Rise Against auf dieser Tour Coliseum eingeladen und das erweist sich als gute Wahl. Natürlich ebenfalls im Hardcore-Punk verwurzelt, heizen der massige Frontmann Ryan Patterson (Gesang, Gitarre), Bassist Mike Pascal und Carter Wilson am Schlagzeug der Meute 45 Minuten lang ordentlich ein. Das Trio aus Louisville, Kentucky hat gerade sein drittes Album "House With A Curse" veröffentlicht und erntet für seine energiegeladene Show reichlich Anerkennung. Besonders bejubelt wird der Gastauftritt von Rise Against-Gitarrist Zach Blair bei ihrem letzten Song, obwohl der erstmal fünf Minuten vergeblich versucht sein Instrument in Gang zu bringen und dann kurzerhand Pattersons Gitarre übernimmt.

Nach weiteren 30 Minuten Umbaupause (in denen man schonmal ausgiebig die Nebelmaschine antestet) werden Zach Blair und Kollegen endlich mit "Rise"-Sprechchören in Empfang genommen, legen mit "Chamber The Cartridge" gleich standesgemäß los und hauen den Fans die ersten sechs Songs quasi ohne Pause um die Ohren. Vor der Bühne wird gepogt was das Zeug hält (manches Zeug hält auch nicht). Die Band, allen voran Sänger Tim McIlrath, ist ebenfalls vom ersten Ton an in Bewegung. Leider kann der Sound dieses Niveau nicht halten. Wie vom Palladium gewohnt klingt er eher scheppernd. Der Stimmungspegel erreicht trotzdem bedrohliche Ausmaße, die Laune ist bestens und die Crowdsurfer fleißig unterwegs. Die Kölner erweisen sich als extrem textsicher, obwohl Rise Against von "Endgame" überraschenderweise nur zwei Songs spielen ("Help Is On The Way" und "Architects").

"Survive" widmet Tim McIlrath den Opfern der Naturkatastrophe in Japan. Später bedankt er sich für die grossartige Unterstützung: "Germany, you gave us the very first Number One-Record". Mit "Savior", dem sie einen fast schon psychedelischen Anstrich verpassen, beenden Rise Against ihr für alle Beteiligten schweißtreibendes Mainset. Doch schon kurz darauf kehrt McIlrath alleine zurück und nimmt mit einer sehr schönen Akustikversion von "Swing Life Away" zumindest vorübergehend etwas Dampf vom brodelnden Kessel. "Hero Of War" gibt es dann zusammen mit Zach Blair, ehe sich die komplette Band zum Uralt-Kracher "Remains Of Summer Memories" hinzugesellt und nochmal richtig Vollgas gibt. Das ganze Palladium brüllt mit. Noch ein Gitarrengewitter am Ende von "Ready To Fall" - das war`s.

Rise Against sind ohne Zweifel eine symphatische Truppe. In Köln kann jeder zufrieden und mit dem beruhigenden Gefühl nach Hause gehen, dass sich der Besuch gelohnt hat. Für "Unbeteiligte" hören sich die Songs live allerdings relativ gleich (schnell) an und eine Spielzeit von 85 Minuten ist auch nicht gerade rekordverdächtig. Dennoch darf man den Fans in Berlin, München und Leipzig für die noch folgenden Konzerte eine amtliche Party versprechen. Abschließend haben wir HIER noch den brandneuen Videoclip zu "Help Is On The Way" für euch. Darin erzählt die Band das Schicksal einer Familie während des Hurrikans Katrina in New Orleans und bittet am Ende zudem um Spenden für die Opfer von New Orleans und Japan.

Setlist:

Chamber The Cartridge
State Of The Union
The Good Left Undone
Heaven Knows
Re-Education (Through Labor)
Survive
Like The Angel
Help Is On The Way
The Dirt Whispered
Injection
Prayer Of The Refugee
Audience Of One
Architects
Savior
---------------
Swing Life Away
Hero Of War
Remains Of Summer Memories
Give It All
Ready To Fall

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