Something To Be-Tour 2005
Über 30 Grad in Köln, da heißt es so wenig wie möglich bewegen, ist ja wie in den Tropen hier – schön schwülwarm. Gestern Abend war es nicht anders, allerdings stand die Rob Thomas Solo-Tour auf dem Plan und so war schwitzen schon mehr oder weniger vorprogrammiert. Über die Kleiderfrage brauchte man sich auch keine größeren Gedanken zu machen – so wenig wie möglich war angesagt. Viel spannender war da schon die Frage, was man von Rob Thomas auf Solopfaden zu erwarten hat. Kann er abseits von seiner Stammband Matchbox Twenty live überzeugen? Was wird er spielen? Nur Solo-Sachen oder auch Songs seiner Band? Wenn er nur seine Solo-Songs präsentiert, ist der Zauber nach einer Stunde schon wieder vorbei? Kann er die Erwartungshaltung des Publikums erfüllen? Der Laden soll ja schließlich ausverkauft sein.
Kurz nach acht haben wir dann das Gelände der Live Music Hall betreten, da es aber immer noch so warm war und der Getränkestand so verlockend, haben wir die frische Luft (haha) im Vorhof bevorzugt und so den Support Act, die 29-jährige Schwedin Lisa Miskovsky, fast komplett verpasst. Lediglich den letzten Song haben wir noch mitbekommen. Für eine Urteilsbildung, geschweige denn für eine Bewertung ist das natürlich zu wenig. Scheint aber irgendwo in die Richtung von Ani Difranco zu gehen.
Überrascht waren wir dann allerdings von der Anzahl der Leute im Inneren der Halle. Ausverkauft soll das sein? Nie im Leben! Unser Stimmung tat das keinen Abbruch, eher im Gegenteil, so konnten wir uns ein gutes Plätzchen im hinteren Drittel der Halle suchen von wo wir hervorragende Sicht hatten. In der Bude stiegen die Temperaturen dann noch mal auf eine neues Level und ich für meinen Teil war schon vor Beginn der Show ohne körperliche Bewegung gut nass.
Gegen 21.15 stieg die Spannung in der mittlerweile gut gefüllten Halle (aber immer noch weit weg von ausverkauft) merklich an – das Intro begann und die Musiker betraten im Dunkeln die Bühne. Drei Backgroundsänger/innen, der Drummer, Bassist, Gitarrist und der Keyboarder nahmen ihre Plätze ein und dann brandete schon Jubel auf – der Meister betrat die Bühne. Mit ‘Something To Be‘ ging es auch gleich in die Vollen. Ich muss gestehen, ich war überrascht und zwar positiv. So einen glasklaren Sound habe ich schon lange nicht mehr (wenn überhaupt) in der Live Music Hall gehört. Die eigens mitgebrachte Lichtshow tat ihr übriges, auch wenn sie keine Innovation darstellte, wurde sie doch sehr effektiv eingesetzt und das über die gesamte Show. Rob Thomas selber überzeugte auf ganzer Linie mit seinem Instrument – der Stimme. Überhaupt muss man dem Mann schon ein unglaubliches Charisma bescheinigen und seine Stimme ist live noch besser als auf Platte!
Das Hauptaugenmerk bei der Songauswahl lag natürlich auf den Solostücken seines Albums ‘Something To Be‘. Falling to Pieces, Problem Girl, Ever The Same, Streetcorner Symphony, um nur einige zu nennen, fanden ihren Platz in der Setliste wieder. Daneben gab es dann einige Coverversionen wie ‘The Joker‘ und ‘Aint No Sunshine‘. Besondere Erwähnung sollte noch das Cover ‘Borderline‘ von Madonna finden. Unser Chef des ganzen, Denis, kann es wohl immer noch nicht fassen und geriet bei dem Song in schiere Verzückung, was natürlich auch an der Art und Weise des Vortrags lag. Rob Thomas spielte dazu nämlich eine Wurlitzer (The Wurli - O-Ton Thomas). Ebenfalls fand sich der fast vergessene und uralte Track ‘Dear Joan‘ im Set wieder. Zum Schluss ging es mit ‘This is How a Heart Breaks‘ noch mal richtig zur Sache.
Rob Thomas war an diesem Abend sehr kommunikationsfreundlich und ging des Öfteren auf das Publikum ein. Dazu gab er natürlich immer den perfekten Entertainer, mal als Tänzer, auf der Gitarre oder an den Tasten. Allerdings sollte Rob Thomas vielleicht noch mal den Spannungsbogen seiner Konzerte überdenken, da war zwar nicht direkt Leelauf drin, aber durch sehr viele ruhige Passagen war die Stimmung nicht immer gut und das Publikum oft sehr verhalten. In meinen Augen war der Großteil der Zuschauer auch mal wieder eine Katastrophe. In letzter Zeit beobachte ich immer wieder, dass Konzerte immer häufiger als Kommunikationsplattform missbraucht werden und es die so genannten Dauerunterhalter gibt (quatschen wirklich das ganze Konzert durch), dazu dann noch Leute, die einen ohne Ende mit ihrem blöden Gelache nerven. Ich weiß nicht, ob ein Konzert der richtige Ort dafür ist. Das stört die anderen Besucher und ist einfach respektlos gegenüber dem Künstler. Irgendwann wird eine/r von Euch meinen aufgestauten Ärger darüber abkriegen – versprochen!
Was bleibt nun von diesem Abend? Die Erinnerung an ein sehr schönes Konzert, an einen gut aufgelegten Rob Thomas, an eine spielfreudige Band, an einen satten, klaren Sound und an eine wahnsinnig gute Live-Stimme. Dazu die Freude, dass man zu einem (für die heutige Zeit) moderaten Preis von 28 € ein Konzert von 1:45 Stunde erleben durfte (ist ja nicht mehr selbstverständlich). Natürlich ist die ganze Show durch und durch amerikanische Mainstreamunterhaltung, aber wenn man sich darauf einlässt, dann hat man eine gute Zeit. Auch wenn ich kein großer Anhänger von Matchbox Twenty und/oder Rob Thomas bin, beim nächsten Konzert in Köln werde ich wohl wieder dabei sein. Insgesamt gibt es 8 von 9 Sternen (Punktabzug für den fehlenden Spannungsbogen).