Invade Germany Tour 2011 - Support: Mignon
Ob mit seiner Musik oder seinen Horrorfilmen: Rob Zombie machte hierzulande in den letzten Jahren immer mehr von sich reden. Nach weit über einem Jahrzehnt sollte es dann auch endlich soweit sein: eine Deutschlandtour wurde angekündigt. Die Hamburger durften sich gleich doppelt freuen. Nicht nur ein Konzert in der Großen Freiheit 36 stand auf dem Plan, sondern auch eine nachmittägliche Autogrammstunde bei Saturn wurde abgehalten. Diese war gut besucht, somit stiegen die Erwartungen für den anstehenden Konzertabend an. Doch nur langsam füllte sich die Große Freiheit. Natürlich musste man dabei auch berücksichtigen, dass es mitten in der Woche war und einige Fans wahrscheinlich nicht pünktlich zur Türöffnung würden eintreffen können.
Gegen 20 Uhr startete die Vorband Mignon. Passend zum Hauptact Rob Zombie präsentierte sich Frontfrau Mignon mit wilder blonder toupierter Frisur im Stil der 80er Hardrockära und Augenklappe. Das enge Lederoutfit reizte die männlichen Zuschauer sofort dazu laut "ausziehen" zu brüllen. Gut gelaunt jubelte die mittlerweile stark angewachsene Menge der Vorband zu. Die Show heizte von der ersten Sekunde gut ein. Ob eine Horror-Metzgers-Frau mit blutbesudelter Schürze, die apathisch die Axt über den Köpfen der Fans schwang oder eine punkige Stripperin in Lack und Latex – Mignon wussten zu unterhalten und boten hauptsächlich etwas fürs Auge. Neben der Show konnte man direkt das Musikalische übersehen (-hören). Dies erwies sich als große Frage des Geschmacks. Der Sound war perfekt abgemischt und ließ nichts zu wünschen übrig. Doch die Stimme von Frontfrau Mignon schien auf Dauer wie eine Kreissäge in die Gehörgänge zu dringen und an den Nerven zu sägen. Entweder man mochte es (oder war von der Optik betäubt) oder man hielt die halbe Stunde Vorprogramm aus.
30 Minuten später war die Zombie-Horror-Show mit Sexappeal vorüber und Johnny Cash geleitete das Publikum in die Umbaupause. Kurzer Jubel brauste auf, als ein Skelett-Mikrofonständer auf die rechte Seite der Bühne gekarrt wurde. Das Zwillings-Skelett folgte auf der linken Seite. Doch diese beiden Hungerhaken bildeten lediglich das Spalier für ein 6-armiges Monster-Skelett am mittigen Chef-Mikrofon. Bedrohlich stand es auf einem kleinen Podest und erweckte den unheimlich realistischen Eindruck, als würde es sich jeden Augenblick auf die Wartenden in den ersten Reihen stürzen.
Doch zum Glück geschah vorerst nichts dergleichen und Punkt 21 Uhr durfte jeder in der bis unters Dach gefüllten Großen Freiheit das Erklingen des gruseligen instrumentalen Intros "What Lurks On Channel X?" genießen. Als gänsehaut-erzeugende Monster maskiert, eroberten die Bandmitglieder die Bühne. Lediglich die langen Dreadlocks verrieten Frontmann Rob Zombie. Die Menge war außer sich und hing sofort an des Zombiemasters Lippen. Weiter ging es in bester Horror-Laune mit "Jesus Frankenstein" und bald flogen auch die Masken und gaben vielleicht nicht gerade freundlichere, jedoch etwas menschlichere Gesichter frei. Rob Zombie schien kein bisschen gealtert zu sein. Zwar war bei seinem Sixpack ein wenig mit Bodypaint nachgeholfen worden, doch bewies er eine Top-Kondition. Die Dreadlocks wirbelten umher, sodass die ersten Reihen aufpassen mussten, dass ihnen keine davon ins Gesicht peitschte. Von einer Ecke jagte er in die andere ohne jegliche Ermüdungserscheinungen. Rob zeigte vollen Körpereinsatz und seine Fans taten es ihm gleich. Die Luft in der Großen Freiheit brannte und zitterte. Die astreine Abmischung und die Bandmitglieder, die ebenfalls in Bestform waren, taten den Rest. Dank des Podestes – quasi die Bühne auf der Bühne – konnte man Rob Zombie auch bis in die letzten Reihen sehenÂ… aber auch Rob konnte seine Fans bis nach hinten verfolgen. Und so predigte er seinen Zombie-Jüngern "Scum Of The Earth", "Living Dead Girl" oder den White Zombie Song "More Human Than Human". Als die Band einmal kurz die Bühne verließ, um teilweise die durchnässten Outfits zu wechseln, wurden unverzüglich "Zombie"-Rufe laut. Rob Zombie drehte schnell den Spieß um und animierte die wilde Meute den Titel des nächsten Songs zu rufen. Und wie ihnen befohlen ward ertönte aus dem gesamten Saal ein einheitliches "Mars Needs Women". Allerdings wollten die über den Köpfen der Leute freigegebenen bunt-fröhlichen Wasserbälle beim besten Willen nicht ins Bild passen.
Nach "House Of 1000 Corpses" gab Drummer Ginger Fishh ein Solo zum Besten. Seine Symphatie zu Deutschland symbolisierte er mit einer kleinen Flagge an seinem Instrument. Bevor es mit "Never Gonna Stop" weitergehen sollte, wollte Rob Zombie einen Fan mit einem verschwitzten Handtuch beglücken. Guter Dinge fand der Trief-Lappen seinen Weg ins Publikum. Das kam jedoch nicht so gut an, wurde unverzüglich retouniert und landete direkt auf Zombies Knie. Dieser warf es unbeirrt und unerbittlich zurück – diesmal blieb es an seinem Bestimmungsort. Nach "Demon Speeding" und "Super-Charger Heaven" folgte der vorerst letzte Song mit "Thunder Kiss `65". Kurz vor 22 Uhr verließen Rob Zombie die Bühne und augenblicklich wurden wieder die bereits bekannten Zombie-Rufe laut.
Die Zugabe startete mit stampfender Basedrum und im Einheitslook erschien die restliche Band. Nun konnte es losgehen, mit dem Song, der bei keiner Schwarzen Nacht in der Großen Freiheit fehlen durfte. "Dragula" brachte den Saal erneut zum Kochen. Doch nach diesem Song verschwand die Band erneut und ließen sich diesmal etwas länger bitten und rufen. Doch auch die 2. Zugabe wurde den ausdauernden Fans gewährt. Und danach blieben Rob Zombie sogar auf der Bühne und spielten weiter ohne sich lange bitten zu lassen. Die Menge wünschte sich "Pussylicker" und der Wunsch wurde ihnen erfüllt. Zwischendurch reagierte Rob (berechtigterweise) irritiert über die peinlichen "Whoomp There It Is" Anfeuerungsrufe des Publikums. Doch er fuhr fort in seinem Programm und das 6-armige Skelett wurde wieder on stage gerollt damit es 6-fach auf Wiedersehen winken konnte. Nun begab sich Rob zu guter Letzt auch noch auf Tuchfühlung mit den Fans in den Security-Graben. Offensichtlich taten die Hamburger ihren Job gut, denn es folgte noch ein letzter Song mit "Lords Of Salem". Doch verließ der Horror-König nicht die Bühne ohne seine Band vorzustellen. Ein kurzes "Goodnight" und etwas Wasser für das Publikum und der Spuk war vorbei.
Eine energiegeladene Show, von der sich so mancher Jüngling noch eine Scheibe abschneiden kann! Wir hoffen sehr, dass Herr Zombie sich nicht wieder jahrzehntelang Zeit lässt, bevor er wieder nach Deutschland kommt. Es wäre einfach ZU schade!