Live From Berlin
Unglaublich, einfach unglaublich. Verkehrschaos, wie ich es in Köln-Mülheim selten erlebt habe. Parken müssen wir irgendwo in der Pampa. Am Kölner-Palladium angekommen, sehen wir erst mal eine Menschenschlange, die sich fast bis zu den TV-Total Studios zieht. Warum das alles? Für eine Live-Übertragung eines Konzertes aus dem Berliner Velodrom! Von wem? Von Robbie Williams. Übrigens durfte man 15 € zahlen. 15 € um auf einen Bildschirm zu gucken. Na immerhin sollte das ja alles exklusiv sein, weil man ja erstmalig die neuen Songs seines neuen Albums „Intensive Care“ zu hören bekommen sollte. Die Karten für das Konzert in Berlin erzielten entsprechend auch Horrorpreise im Internet. Selbst die Karten für die Live-Übertragungen in die Kinos und Konzertsäle gingen zum Teil für fast 100 € weg. Blöd an der ganzen Geschichte war nur, dass das ganze dann doch nicht so exklusiv war, wie es im Vorfeld angekündigt wurde. Es gab dann doch urplötzlich Konzerte in Paris und London. Ups. Wurde da etwa der gemeine Fan an der Nase rumgeführt? Die Promo-Maschine für Herrn Williams rollt(e) also wieder über Europa hinweg.
Vor dem eigentlichen „Konzert“ hatte man noch ein Gewinnspiel über die Leinwand zu überstehen und pünktlich um 20 Uhr ging es dann auch los. Unnötig zu erwähnen, dass das Palladium mit 3.500 Leuten gerammelt voll war. Übrigens hatten sich einige Damen so zurecht gemacht, als wenn der gute Robbie persönlich in Köln anwesend wäre und sie (die Damen) auf die Bühne holen würde – sehr bizarre das ganze. Die Bühne öffnete sich, ein Mikrofonständer kam heraus und Bang, da stand der Robbie auch schon. Neben einigen neuen Songs, durften natürlich auch einige Klassiker wie „Feel“, „Supreme“, „Angels“, „Millenium“ und „Rock DJ“ nicht fehlen. Das Publikum bekam also das „Rund-Rum-Glücklich-Paket“. Dazu gab es natürlich Robbie pur. So wie man ihn kennt und die Massen ihn lieben. Oder anders ausgedrückt, jeder Schritt ist einstudiert, jeder Hüpfer geplant bis in die kleinste Sekunde, jede ach so spontane Tanzeinlage wahrscheinlich vorher bis zum Erbrechen geübt, jedes Augenblinzeln ist einstudiert und selbst die obligatorischen Tränen bei „Angels“ fehlten nicht. Hat nicht irgendwer Herrn Williams als neuen James Bond ins Spiel gebracht? Also die Rolle kann man ihm schon zutrauen, da er ein gewisses schauspielerisches Talent immer wieder unter Beweis stellt. Und an dieser Stelle mal kurze Einkehr und überlegen, ob das alles nur auf das „Kunstprodukt“ und die Marke Robbie Williams zutrifft oder ob das nicht auch etwa auf „richtige Rocker“ übertragen werden kann. Wenn man mal zwei der größten Bands dieses Planeten und deren aktuelle Tourneen unter die Lupe nimmt, dann muss man sich eingestehen, dass bei denen auch vieles, wenn nicht sogar alles bis ins kleinste geplant ist. Jeder Schritt von Mick Jagger dürfte wohl auch bis in kleinste Detail vorher feststehen, Ron Wood bekommt genaue Anweisungen, wo er wann und wo zu stehen hat und so senile Altstars wie Bono Vox sind noch nicht mal in der Lage ihre Texte auswendig zu kennen und müssen diese ablesen und seine (im übrigen jeden Abend gleichen) Ansagen laufen auch über den Monitor (Ozzy Osbourne lässt an dieser Stelle grüssen). Kann man Robbie Williams also einen Vorwurf machen? Nein, wohl eher nicht!
Wenn man Robbie so über den Bildschirm flimmern sieht, dann wird einem auch einiges über das Phänomen Robbie Williams klar. Der Mann ist der geboren Sympathiekus! Dieses Produkt wurde in den letzten Jahren so geschickt aufgebaut, dass wirklich für jeden was dabei ist: Für die Damenwelt sowieso (unnötig zu erklären warum), echte Kerle können sich auch mit ihm identifizieren, da er doch auch dieses schöne böse Image (verpasst bekommen) hat und sich einen gemeinsamen Abend an der Theke vorstellen können, er kann so drollig gucken, dass jede Schwiegermutter ihre helle Freude haben dürfte, Väter können sich wohl eine Diskussion mit Robbie über Fußball vorstellen und die Schwulen- und Lesbenszene dürfte auch ihre helle Freude an Robbie haben. Kurzum, es gibt genug Robbie für jeden und das sieht man auch in Berlin. So einfach ist aber auch das wieder nicht, denn jeden anderen seiner früheren „Bandkollegen“ von Take That hätte man ja ebenfalls so aufbauen können. Wieso also gerade Robbie? Die Frage kann ich nach dem Konzert leicht beantworten. Robbie hat dieses gewisse ETWAS, was anderen abgeht. Sei auch noch so alles durchgeplant, der Mann hat zweifelsohne Charisma und ein Talent, dass in der Musik- und Medienlandschaft momentan rar gesät ist: Robbie Williams ist der geborene Entertainer. Und ja, er hat auch mich bekommen. „Na, Torsten. Bist auch fleißig am mitwippen?“ Ja so war es. Mit hat die Show in Berlin sehr gut gefallen und einige wirklich gelungene Popsongs sind ja nun wahrlich dabei. Als Musiker und schon gar nicht als Songwriter kann ich Robbie Williams nicht ernst nehmen, aber nach dem Abend ist mir eines klar: Robbie Williams ist im Musikbereich der größte Entertainer, den Europa zu bieten hat und das ist auch ein nicht zu verachtende Gabe! Stellt sich nur die Frage, warum er in Amerika kein Bei auf den Boden bekommen hat, mit so Pappnasen wir Justin Timberlake kann es „unser“ Robbie nun allemal aufnehmen!
Ich ziehe meinen Hut vor Herrn Williams, ich werde nächstes Jahr sehr gerne bei der Tour vorbeischauen und perfektes Entertainment genießen! War in Berlin ganz großer Sport und ich habe mir sagen lassen, dass Robbie noch nicht mal in Höchstform war...