Rock A Field Open Air Festival

Rock A Field feat. Arcade Fire, Bullet For My Valentine, Die Fantastischen Vier, Jimmy Eat World, Volbeat, Arctic Monkeys, The Gaslight Anthem and more...

26.06.2011 Festivalgelände Herchesfeld / Roeser/Crauthem

Von: Nadine Kosanovic

Rock A Field Open Air Festival Roeser/Crauthem

Trotz Absage von Blink 182 rocken knapp 16.000 Festivalbesucher an diesem Sonntag das Rock a Field Festival in Roeser, Luxemburg. Das Wetter ist gnädig und beschert den Festivalfans strahlende Sonne ohne jede Wolke bei gefühlten 40 Grad, was man am Ende des Tages in zahlreichen Sonnenbränden dokumentiert sieht. Das Gelände liegt südlich von Luxemburg Stadt und ist mit dem Auto nicht zu erreichen, weshalb man auf öffentliche Verkehrsmittel und Shuttle-Transporte von Park+Ride-Parkplätzen zurückgreifen muss. Dies funktioniert jedoch einwandfrei und nach knapp 30 Minuten steht man vor dem Festivalgelände, welches durch eine kleine Waldwanderung von den Bushaltestellen zu erreichen ist.

Das Gelände, ein ganz dem Namen entsprechendes Feld, ist eher kleiner und mit knapp 16.000 Menschen mehr als gut gefüllt. Die zwei Bühnen, die Atelier Mainstage und die Startin‘ Stage, werden nach einem straffen Zeitplan jeweils abwechselnd von insgesamt 15 Bands bespielt. Da es zwischen den Bands keine nennenswerten Pausen gibt, muss man, wenn man die nächste Band sehen will, schon früher seinen Standplatz verlassen und sich ein Plätzchen auf der anderen Seite suchen: eine etwas längere Pause wäre hier vielleicht hilfreich. Zwischen den Bühnen finden Sonnenbrandopfer und Erschöpfte auf Bänken in einem großen Zelt einen Sitzplatz zum Verschnaufen und eine Bar um wieder aufzutanken. Um den eigenen Durst zu stillen, muss man allerdings Bons kaufen, die mit 10€ für 8 Stück (Getränke kosteten 2-3 und Gerichte 3 Bons) nicht allzu günstig sind. Zumindest beim Essen ist der Preis aber durchaus angemessen. Da es sehr heiß ist, drängeln sich zeitweise unzählige Leute um den "Water Point", eine kleine Wanne mit acht darüber angebrachten Wasserhähnen, der für die Anzahl an Besuchern eindeutig unterdimensioniert war. Bedingt durch die Getränkepreise wird dieser zudem nicht nur für generelle Erfrischung sondern hauptsächlich als Trinkwasserquelle benutzt. Ebenfalls gibt es nur eine zentrale Toilettenstation, was in einigen Wanderungen quer über das Festivalgelände resultiert.

Für die gute Stimmung sorgt jedoch nicht nur der Sonnenschein, sondern natürlich auch die gute Musik. Bereits  um 12 Uhr rockt project54, eine Rockband aus Deutschland, die Startin‘ Stage und heißt damit die ersten Besucher willkommen, die früh genug da sind um die Band nicht vor einer leeren Wiese spielen zu lassen. Eine halbe Stunde später stehen dann die etwas bekannteren You Me at Six aus dem UK auf der Atelier Stage und zeigen, was sie drauf haben. Mit ihrem eingängigen Poprock locken sie vor allem junge, weibliche Besucher an und helfen beim eingrooven in den Tag. Kurz darauf treten Versus You, eine Pop-Punk Band aus Luxemburg auf, die vor allem beim einheimischen Publikum sehr beliebt ist.

Um 13.35 Uhr betreten unter lautem Geschrei The Gaslight Anthem die Atelier Stage. Der Platz vor der Bühne ist gut gefüllt und die Band wird schon erwartet. Trotz einiger Tonprobleme beim ersten Song liefert die Band, die sich 2005 in den USA gründete, eine einwandfreie Show. Glücklicherweise werden die Soundprobleme schnell behoben und immer mehr Leute gesellen sich hinzu, als sie endlich die Stimme des Leadsängers, Brian Fallon, erklingen hören. Als dann der Titel "American Slang", vom gleichnamigen Album, ertönt, grölt die Masse mit und ist sichtlich zufrieden. Die Stimmung ist nun ausgelassener und das Bier beginnt trotz der Hitze zu fließen: junge Frauen hüpfen in Hotpants herum und andere chillen auf der Wiese. Direkt danach spielen - mit kurzer Verspätung – All Time Low auf der Startin’ Stage. Das kann man ihnen jedoch nachsehen, da sie ihr gesamtes Equipment in Madrid lassen mussten, nachdem sie dort eine Buspanne hatten. Netterweise hilft The Gaslight Anthem mit ihren Instrumenten aus und es kann losgehen. Das Gekreische der Teenager-Mädels vor der Bühne wird nur noch durch die Aussage eines Bandmitglieds, You Me At Six habe ihnen die Penisse geliehen, angeheizt. Schön hüpft die Menge zu All Time Lows Pop-Punk und alle haben ersichtlich Spaß.

Wiederum wegen der kurzen Pausen zwischen den Bandauftritten schwindet das Publikum gegen Ende des Auftritts deutlich, da viele Volbeats‘ Auftritt auf der anderen Bühne entgegenfiebern. Um Punkt 15:05 Uhr und damit nach Abschluss ihrer Einlassmusik, betreten dann unter großem Getöse und Sprechchören Volbeat die Bühne. Das Feld vor der Bühne ist voll, und obwohl es sehr heiß ist, drängeln viele noch weiter nach vorne um richtig abzurocken. Es ist leicht irritierend Volbeat so früh am Tag eingeplant zu sehen, hatten sie doch bei Rock am Ring zur Hauptzeit die Mainstage mit riesigem Publikum gerockt. Hier hingegen hat man noch die Chance Volbeat in verhältnismäßig kleinerem Rahmen zu sehen. Die Show ist genauso wie sie sein soll, laut und energisch, und daran, dass die Herren ihre Instrumente bedienen können, lassen die Dänen keinen Zweifel. Das Publikum ist begeistert, die ersten Circle-Pits lassen nicht lange auf sich warten.

Etwas gemächlicher geht es bei den Emo Vorreitern Jimmy Eat World auf der Startin‘ Stage zu. In der langen Karriere der Band, die bereits 1993 gegründet wurde, gab es einige Hits, und spätestens bei "The Middle" singen dann alle mit. Kurz darauf starten die Hip Hopper von De Läb, die den meisten Deutschen unbekannt sind und daher vor allem luxemburgisches Publikum anziehen. Die anderen verkriechen sich ins Zelt, was sich schnell als klein in Relation zu der Anzahl der Schutzsuchenden entpuppt, um der Sonne zu entkommen und kurz zu verschnaufen. Während die Sonne unbeirrt weiter knallt und viele sich nach Wasser und Schatten sehnen, macht sich Bullet For My Valentine auf ihren Auftritt zu rocken. Pünktlich um 17.35 Uhr betritt die Band die Bühne und wird von der meist weiblichen Anhängerschaft durch schrilles Kreischen empfangen. Die Masse bewegt sich nach vorne und langsam sieht man vermehrt wippende Köpfe: so muss das sein. Die Stimmung ist den ganzen Tag über gut, jedoch erscheint das Publikum bis dato eher zurückhaltend. Jedes Headbangen des Sängers Matthew Tuck löst in der Masse Geschrei und - vor allem - ohrenbetäubendes Gekreische aus. Die ansonsten so friedlichen Festivalbesucher lassen sich dann sogar fast auf Faustkämpfe im ersten Mosh-Pit des Tages ein. Spätestens beim Hit "Tears Don’t Fall" stampft und brüllt der letzte im Publikum mit, bis sie dann unter Sprechchören und weiterem Gekreische nach knapp 50 Minuten Spielzeit die Bühne verlassen.

Für den passenden Kontrast sorgen dann Die Fantastischen Vier mit ihrer einstündigen Show. Die Wiese vor der Bühne ist voll. Einige liegen auf Decken, schlafend und/oder betrunken, und lauschen den Klängen von Thomas D und seiner Crew. Die, die noch stehen können, feiern ordentlich mit und gerade die deutschen Gäste singen lautstark mit. Die Performance ist alles in allem vielleicht etwas wortkarg, aber die Vier geben mit sichtlichem Vergnügen alle ihre Hits zum Besten: Thomas D strahlt über das ganze Gesicht, vielleicht vom treuen Publikum als auch vom Wetter begeistert. Um das Kontrastprogramm fortzusetzen, folgen die Alternative-Rocker The Wombats aus Liverpool, die einige Tracks von ihrem in diesem Jahr veröffentlichten, zweiten Album  "This Modern Glitch" performen.

Als sich dann die Co-Headliner des Festivals ansagen, füllt sich der Platz vor der Bühne rapide. Leuchtreklame im Kino-Stil "Arcade Fire – Coming Soon" auf der Bühne kündigt schon vorher die Band an. Obwohl Arcade Fire erst um 20.35 Uhr auftreten, glüht die Sonne immer noch und viele Besucher sind nunmehr nicht mehr braun sondern rotgebrannt und erschöpft. Letzteres schlägt jedoch rasant um, als die Band die Bühne betritt. Das Publikum jubelt, drängelt nach vorne und begrüßt die Indie-Rocker aus Kanada, die sich 2002 formierten und bereits einen Grammy absahnten, mit einem kräftigen Applaus. Die Bühne ist während des Auftritts derart vollgestellt, dass die Musiker gerade genügend Platz haben. Ihre Musik, die an Art-Folk erinnert und unter anderem Akkordeonklänge einsetzt, wirkt leicht experimentell und ist mit Sicherheit nicht jedermanns Geschmack. Für Rock a Field scheint es die richtige Wahl gewesen zu sein, denn viele Besucher sind schlichtweg begeistert: gebannt starren sie auf die Bühne und bewundern die Show. Direkt darauf folgt die Band Elbow, eine Alternative Rockband aus den UK, die diesen März ihr fünftes Album "Build a Rocket Boys!" veröffentlichte.

Die Headliner des Abends werden nun sehnsüchtig erwartet. Die Arctic Monkeys, wieder eine Indie-Rock-Band aus dem UK, betreten wortkarg die Bühne und verlassen sie abschließend ebenso. Ein Song nach dem anderen wird abgespult und ob das nun den coolen Charme der Band ausmacht oder einfach nur ein liebloser Auftritt ist, muss wohl jeder selbst für sich entscheiden. Die Technik läuft tadellos und abgesehen vom Genuschel, was der Sänger Alex Turner wohl Gesang nennt, aber akzentuierte Einzelheiten vermissen lässt, kann man nicht viel gegen die arktischen Primaten sagen, wenn man deren Musik genießen kann. "I Bet You Look Good On The Dancefloor", ein Track vom ersten, 2006 veröffentlichten Album "Whatever People Say I Am, That’s What I Am Not", ist jedoch der einzige Song, der mir persönlich im Kopf bleibt.

Den Abschluss des Abends machen Goose, eine belgische Dance-Punk-Band, die aber erwartungsgemäß mit einem sich leerenden Festivalgelände zu kämpfen hat. Die Leute strömen zu den Pendelbussen, um anschließend wieder von den Sammelparkplätzen den Heimweg antreten zu können.

Das Rock a Field 2011 ist ein voller Erfolg, sowohl für das Publikum als auch den Veranstalter, der trotz der Absage von Blink 182 nicht die befürchteten Besuchereinbrüche hinnehmen muss. Der Müll auf dem Gelände hält sich ebenfalls dank eines Win-Win-Deals in Grenzen: für 20 eingesammelte Getränkebecher oder -halter erhält man an der Bar im Austausch ein alkholfreies Getränk. So profitiert der Veranstalter von weniger zu beseitigendem Müll, die Besucher von Freigetränken, die Notwendigkeit von Pfand entfällt ebenso. Gut gemeint, aber mangelhaft umgesetzt, ist die Übertragung der Auftritte der Startin' Stage auf eine große Videoleinwand neben der Atelier Stage: während die Bilder zwar schön anzuschauen sind, vermisst man bisweilen den Ton, wenn man nicht nah genug an der Startin' Stage steht. An sich ein tolles Festivalkonzept und auch ein schönes Gelände, persönlich begeistert mich jedoch das Line-Up und die Verteilung der Zeiten an die Bands wenig. Ob man den weiten Weg nach Luxemburg für nur einen Festivaltag auf sich nehmen möchte, kommt am Ende wohl auf die Bands an, die man live sehen will. Den Bands jedenfalls scheint es Spaß gemacht zu machen ihr Bestes zu geben und die Crowd zu rocken. Die zufriedenen Gesichter der Festivalbesucher am Ende des Tages sagen wohl auch mehr als 1000 Worte.

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