Rock am Ring Festival

Rock am Ring 2005

03.06.2005 Nürburgring / Nürburg

Von: Melanie Schupp

Rock am Ring Festival Nürburg

Lange haben wir es erwartet, das Lineup-Barometer stieg in explosive Höhen und dann tickte der Countdown 3... 2... 1...... Fire! Rock am Ring 2005 krachte erneut in unser Leben und riss über 70.000 Fans mit sich!

Donnerstag, 25 Grad Celsius. Eine Hoffnung auf ein heißes Festival wie im Jahr 2003 kam auf. Doch leider zerplatzte diese Hoffnung Freitag Nacht wie eine Seifenblase und für den Rest der Festivaldauer musste man sich mit dem Sonnenbrand von Donnerstag begnügen.
Nichts desto Trotz heizten die Top-Acts des 20jährigen Jubiläums ungemein ein. Man konnte sich kaum entscheiden welche Band man sich ansieht, sosehr hatten sich die Veranstalter beim diesjährigen Lineup übertroffen.

Schon freitags war auf dem Gelände so viel Trubel wie sonst nur am Sonntag. Mando Diao um 14.45 Uhr bei Sonnenschein, was kann schöner sein? Ich sage euch: Schweden rockt! Die Jungs, die im letzten Jahr von Null auf 100 hochschossen, zeigten allen was sie drauf haben. Mit ihrem Auftritt rechtfertigten sie jedes einzelne verkaufte Exemplar ihrer Alben. Frühzeitig brach ich diesen Act ab, um Wednesday 13 zu sehen. Eine unverkennbare Fangemeinde tummelte sich dort bereits vor der Suzuki Alternastage. Das Bühnenbild erinnerte mit abgetrennten Körperteilen, die sich um die Mikrofonständer schlängelten und dem nicht gerade spärlich herumgeschmierten Blut an alte Alice Cooper Shows. Nach dem Intro wurde auch sofort „Rot for me“ angestimmt und die Headbanger freuten sich. Frontmann Wednesday kündigte den darauf folgenden Song mit den Worten „Germany I want you... DEAD!“ an. Unter Jubel erklang also „I want you dead“. Aber auch alte Murderdolls Songs kamen zum Zuge wie „I love to say fuck“ – das konnte man ja bereits 2003 bei dem Auftritt der Murderdolls erkennen, als er mit einem Schirm mit „Fuck“ Schriftzug die Menge dazu animierte ihm sein Lieblingswort entgegen zu schmettern. Die Band spornte die Menge mit ihrem eigenen Headbangen weiter an. Zum Ende ihrer Playlist gabs „I walked with a Zombie“ als Hightlight.
Von den wilden Wednesday 13 gings nach einer Pause zu Within Temptation. Eine strahlende Frontfrau, zauberhaft gekleidet wie immer, empfing ihr Publikum bestens gelaunt. Grund zum Jubel hatte sie allemal, immerhin wurde das Album „The Silent Force“ wenige Stundenzuvor mit Gold und „Mother Earth“ sogar mit Platin geehrt. Within Temptation zogen auch an diesem Abend alle in ihren Bann mit ihrer guten Laune und ihrer Show. Bei den grazilen Bewegungen Shannons, die ihr Markenzeichen sind, sowie ihren Gesangeskünsten konnte man nur dastehen und staunen. Nach dem Einstieg mit „See who I am“ ließ der Gänsehautfaktor während „Jillian“ nicht lange auf sich warten. Nur schwerlich konnte ich mich nach „Stand my ground“ losreißen, aber Green Day hatten Vorrang. Wie gesagt, dieses Jahr war es wirklich schwer Prioritäten zu setzen.
Bei Green Day herrschte allgemeine einheitliche Feierstimmung, Harmonie in vollen Zügen. Es war eine Situation, bei der sich alle in den Armen liegen und mitsingen. Einen Hammer Bühnenauftritt gaben die Jungs zum Besten und brachten die Massen zum toben. Songs wie „American Idiot“ und „She“ wurden gefeiert. Konfetti wohin das Auge reichte, gepaart mit „We are the Champions“ – die Kombination machts. 10 Jahre habe ich darauf gewartet diese Band endlich einmal live zu sehen und das Wartenhat sich gelohnt – überwältigend!!

Doch dies hielt mich nicht davon ab um 22.30 Uhr kurz zur Alterna zu rennen, um Apocalyptica abzulichten. Vom bunten Punk-Rock-Fest ab ins düstere Bühnenbild der melancholischen Finnen. Ein harter Cut. Bedrohlich ragten vier thronartige Sessel in die Höhe, dahinter ein gewaltiges Schlagzeug mit dem Logo des aktuellen Apocalyptica Album drauf. In rotes Licht getaucht erschien die Band auf der Bühne und nahm auf den Stühlen Platz. Spätestens nach dem Intro war ich während „Path“ völlig in apocalyptischer Stimmung und lauschte den sagenhaften Streichklängen. Immer wieder fasziniert es von neuem wie die Finnen an ihren Instrumenten ihre Köpfe schütteln ohne sich zu verspielen. Bei„Nothing else matters“ war auch mitsingen erlaubt. Die aktuelle Single „Life burns!“ durfte natürlich genauso wenig fehlen wie „Enter Sandman“ als vorletztes Lied. Die Temperaturen, die derzeit weit unter 10 Gradlagen bestärkten noch die nordische Atmosphäre.

Viele trotzten Regen und Kälte und sammelten sich zu the Prodigy, mit deren Auftritt der erste Rock am Ring Tag sein Ende fand. Und dies war im Nachhinein gesehen mein erstes absolutes Highlight für Rock am Ring 2005. Ein Gewitter aus elektronischer Musik und schmetternden Gesangseinlagen von Keith Flint und Maxim brachten Bewegung in die vor Kälte steifen Gliedmaßen. Zu Hits wie dem allseits bekannten„Firestarter“ und „Breathe“ kamen Tanzwütige voll auf ihre Kosten. Die beiden Tänzer/Sänger wirbelten über die Bühne wie Tornados. Mitten im Auftritt begaben sie sich sogar unter die Zuschauer, um auf dem zweiten Wellenbrecher einzuheizen. Man wusste gar nicht mehr wo man hinschauen sollte... also am besten einfach weiter tanzen. Nach 13 atemberaubenden und schweißtreibenden Songs konnte man für den Tag getrost das Gelände verlassen und gen Zelt oder Titty Twister pilgern, immerhin standen noch zwei weitere Tage bevor. Und alleine der erste hatte schon so gerockt...!
Das Samstag Programm begann nun etwas später, die Kälte hielt doch ein wenig auf. Aber In Extremo mussten sein. Auch hier wieder eine gut gelaunte Band, die einen schönen Auftritt absolvierte. Auch ein kurzweiliger Ausfall der Anlage trübte die Stimmung nicht, die Fans sangen den Song einfach weiter. Das letzte Einhorn ermutigte die Fans dem Regen stand zu halten und das taten sie auch! Leider war der Auftritt viel zu kurz und viele Wunschsongs konnten nicht angestimmt werden.
Nach Slayer wurde uns die Ehre zu Teil Nikki Sixx und Tommy Lee mit Mötley Crüe noch einmal live zu erleben. Auch wenn die Jungs (natürlicherweise) gealtert sind, färbte nichts davon auf ihre Liveperformance ab. Mit „Shout at the devil“ bewiesen uns die Jungs, dass sie wieder da sind und mindestens so gut in Form wie zuvor. Pyroeffekte boten was fürs Auge, Vince Neils Stimme klang eins zu eins wie in den alten Tagen und Tommy Lee und Nikki Sixx spielten wie Götter. Dass Tommy einmal seinen Drumstick nicht auffing bei einemTrick lassen wir jetzt mal ganz schnell unter den Tisch fallen. Hierbei muss man nun auch Nick Mars hoch loben, der trotz seiner schweren Krankheit, die ihm ins Gesicht geschrieben stand, eine top Leistung vollbrachte. Eisern stand er an seiner Gitarre und vollendete die Crüe, die ihre Hits wie „Girls, Girls, Girls“ oder „Kickstart my Heart“ spielte.

In einer Regenpause kamen wir dann zu einem weiteren Highlight meinerseits an. The Ark um 19.30 Uhr. Spielten sie vor zwei Jahren noch auf der Alternastage, so wurden sie dieses Jahr auf das Talentforum „verbannt“. Immerhin hatte der Regen aufgehört und einige Schweden-Anhänger standen schon mit ihren blau-gelben Flaggen bereit. In schillernden 70er Jahre anmutenden Outfits stürmten die Jungs die Bühne. Ola Salo war von der ersten Sekunde an auf Hochtouren. Er ließ die Mädels in der ersten Reihe durch seine anzüglichen Bewegungen verzückt aufschreien, so dass man sich vorkam wie bei einem Konzert einer großen Boygroup. Und das stellten the Ark auch in gewisser Hinsicht dar. Ihr Auftritt bestand aus einer Art Best of der drei Alben und man kam sich vor wie in einem Musical. Ein wahres Vergnügen diese Band in Action zu fotografieren!! Sehr passend zu Ola Salos Körpersprache passte natürlich der Song „Let your body decide“. Als er bei „One of us is gonna die young“ mit nacktem Oberkörper und schwarzen Engelsflügeln erschien gab es keinen Halt mehr. Waren auch noch so wenig Leute bei dem Gig, sie schrien wie tausende. Zum letzten Song „Calleth you cometh I“ ließ sich sogar die Sonne blicken und erwärmte unsere Herzen, so dass sich dieser Song bei mir als Rock-am-Ring-Song-2005 einbrannte.
Das Late Night Special um 02.00 Uhr the chemical brothers zog wieder viele Leute an. Eine Mauer aus Mischpulten umrandete die beiden DJ´s auf der Bühne. Im Hintergrund lief eine Animation auf der Leinwand und ein grünes Laserlicht strahlte in die Menge. Nur kurz, aber dafür umso intensiver stand die elektronische Musik im Vordergrund. Die Menschen feierten als wäre der Alkohol fehl am Platze und die Chemie besäße das Drogenmonopol.

Sonntag erwache! Die Leute waren immer noch gut gelaunt, wie immer bei Rock am Ring und auch die Energie reichte noch aus. Musste ja, schließlich gab es noch einen Überraschungsheadliner und viele Top-Acts zu sehen.
Erstmal gings zur Autogrammstunde von HIM. Eine meterlange Schlange zog sich schon nach wenigen Minuten vor dem Metalhammer Stand bis um dieKurve in Richtung Alternastage. Mit 20 Minuten Verspätung erschien auch endlich die komplette Band inklusive Anhängsel Bam Magera. Und obwohl die 20 Minuten Verspätung drangehängt wurden zum signieren kamen lange nicht alle Fans zu ihrem Autogramm. Aber die Band hatte ja schließlich auch noch ein Konzert zu geben zu späterer Stunde. Dafür wurden nicht nur Autogramm- sondern auch Ohrfeigenwünsche von Bam erfüllt. Was man nicht alles tut für seine Fans.
Der erste Top Act des Tages um 17.20 Uhr war niemand anderes als unser wasserstoffblonder, waschbrettbäuchiger und super gelaunter BILLY IDOL. He´s definitely back! Was er uns präsentierte war eine Freude fürs Auge als auch für die Ohren. „Dancin´ with myself“ und „Flesh for fantasy“ wurden gespielt und klangen als befänden wir uns nicht im Jahre 2004 sondern zurück in den guten alten 80ern. Ein Knaller folgte dem nächsten und die Stimme wurde ganz schön beansprucht beim Mitsingen. „Scream“, „Eyes without a face“ und „Rebel Yell“ um nur ein paar zu nennen. Alle Achtung, Billy ist sexy wie nie zuvor! Und auch die neckisch hochgezogene Lippe durfte natürlich nicht fehlen.
Während zu später Stunde Rock am Ring 2005 mit der Überraschungsband Die toten Hosen beendeten, begab ich mich zu My chemical Romance, denen ich schon lange entgegenfieberte.
Ich wurde nicht enttäuscht, genauso energiegeladen und mitreißend wie ihr aktuelles Album „Three cheers for sweet revenge“ war auch ihr Live-Auftritt. Hier kostete es die Fans noch die letzte Stimme, denn man konnte einfach nicht still sein und musste die genialen Texte mitbrüllen. Mitten im Auftritt drehten sich plötzlich alle um, da das alljährliche Feuerwerk am Himmel erschien. „You made it happen“ kommentierte Frontmann Gerard Way das Szenario. Er könnte recht gehabt haben... bei Rock am Ring ist einiges möglich und selbst wenn die Menge das Feuerwerk nicht entfacht hat, so hat MCR ein Feuerwerk in der Menge ausgelöst. „Burn it on...“!! Ein besserer Abschluss für Rock am Ring 2005 hätte es nicht geben können.
Zum Ende möchte ich noch ein dickes Lob an die diesjährige Gestaltung der Festival Shirts aussprechen!! Die sind wirklich gelungen und sogar ich, die nicht viel von Festival Shirts hält, habe mich dazu durchgerungen mein allererstes Rock am Ring Shirt zu kaufen.

Rock am Ring 2005 du warst fantastisch! Wir danken dir!

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