Rocknacht Classics

Classic Rocknacht 2007

10.06.2007 Palladium / Köln

Von: Gina Burgwinkel

Rocknacht Classics Köln

Am 10.06.2007 fand die Classic Rocknacht im Palladium in Köln statt. Um 17 Uhr machten THE ANSWER den Anfang und eröffneten die Rocknacht für diesen Abend. Ganz entgegen der Vorstellung, schon zu Beginn eine der Classic Bands zu sehen, erschienen vier Jungspunde aus Irland, die noch ganz am Anfang ihrer Karriere stehen, aber schon in den letzten beiden Jahren ordentlich durchgestartet sind und legten mit „Come Follow Me“ gleich gewaltig los. Sänger Cormac Neeson schonte seine Stimme keinesfalls und gemeinsam rockten die Iren das Haus, dass es nur so eine Freude war. Mit „Keep Believing“ als dritten Song wurden dann auch mal ruhigere Töne angestimmt. In dem Tempo sollte es jedoch nicht weitergehen, schließlich waren die Zuschauer, die überwiegend jenseits der 30 waren, gekommen, um mal wieder richtig die Sau rauszulassen. Dazu hatten sie dann auch noch ausreichend Gelegenheit. In der, wenn auch kurzen, Spielzeit verführte das Quartett schon vereinzelt zum Tanzen, beifälliges Kopfnicken hatte sich bereits bei einem Großteil der Zuschauer eingestellt. Cormac bedankte sich bei für ein tolles Publikum und berichtete stolz, dass die heute von ihnen gespielten Songs größtenteils aus ihrem Debutalbum „The Rise“ stammten. Im Übrigen spielen sie im August auf dem „Wacken Open Air Festival“. THE ANSWER wurden 2005 vom Classic Rock Magazine zur besten Band des Jahres gekürt. „The Rise“ ist nach Meinung des Magazins das beste britische Rock-Debüt des Jahrzehnts. Als siebter und letzter Song des Abends präsentierten sie „Be What You Want“, der nicht ohne Grund ihre erste Single ist und verließen dann unter großen Applaus und vermutlich einigen neuen Fans die Bühne.

Zweite Band des Abends war POINT BLANK, die dieses Jahr ihr 30jähriges Bandjubiläum feiern und das gleich in Verbindung mit ihrer ersten Deutschlandtour. Die Classic Rocknacht in Köln war der zweite Stop dieser Tour. Die sechs Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten bewiesen zweifelsohne, dass sie schon auf lange Bühnenerfahrung zurückblicken. Gleich zu Beginn wurde mit „Back In The Alley“ richtig abgerockt. Einziges Manko war, dass es viel zu laut war, so dass einiges des Klangvergnügens abhanden kam. Nachfolgend spielten sie einige Songs im Rythm and Blues Stil. Besonders hervorzuheben ist der Song „Romance Classified“, der mit einem wahnsinnigen Gitarrensolo endete. Dieses Gitarrensolo entwickelte sich dann zu einem Gitarrenwettstreit der beiden Gitarristen und diente dann als Intro für den nächsten Song „Lonestar Fool“. Wenn man einem dieser Herren auf der Straße begegnete, würde man ein paar von ihnen mit Sicherheit wohl eher als Autoverkäufer, Brummifahrer oder Versicherungsvertreter einschätzen, doch man kann nur sagen, dass uns hier eine tolle Rockband dreizehn perfekte Lieder darbot.

Nunmehr waren DEVON ALLMAN’S HONEYTRIBE an der Reihe, die uns zunächst ihr musikalischen Können in dem instrumentellen Song „Mahalo“ darboten. Die Besonderheit an dieser Rockband ist, dass sie von einer Orgel begleitet wird, gespielt von Jack Kirkner. Die Classic Rocknacht war nach eigenen Angaben ihr erster Gig in Europa, auf dem sie einige Songs ihres Debutalbums „Torch“ vorstellten. Mit dem vierten Song „Nothing To Be Sad About“ war endgültig der Rock’n’Roll im Palladium angekommen und das Publikum fing an zu tanzen. Danach gab es eine wunderschöne Coverversion des Rolling Stone Songs „Wild Horses“. Höhepunkt dieses Gigs war zweifellos das Solo des Bassisten George Potsos, mit dem er Bewies, dass er seinen Bass in jeder Hinsicht beherrscht. Für den Song „Heaven Has No Mercy“ holte Sänger und Gitarrist Devon Allman einen zweiten Gitarristen auf die Bühne. Und dann gab es das große Duell der Gitarristen. Nach schon neun Songs waren DEVON ALLMAN’S HONEYTRIBE mit ihrem Programm am Ende und verließen unter großem Beifall die Bühne.

Als vierte Band des Abends waren HAYSEED DIXIE an der Reihe. Barley Scotch, der Sänger, Gitarristen und Fidel-Spieler der Band gab erstmal eine kurze Erklärung zum Besten, wer denn eigentlich HAYSEED DIXIE sind. Diese natürlich nicht ganz ernst gemeinte Einleitung war wie folgt: „Wir sind HAYSEED DIXIE und wir sind hier um die Wahrheit zu verkünden. Es gibt viele Dinge, über die es sich zu singen lohnt. Das sind Trinken, Fremdgehen, Töten und die Hölle. Darüber werden wir singen, und das ist auch das, was wir tun werden.“ Gleich mit dem ersten Song ‚Dirty Deeds Done Dirt Cheap’ kam dann das HAYSEED DIXIE-Feeling auf. Die Stimmung war großartig. Zwischen den einzelnen Songs gab es immer wieder witzige Sprüche. Es folgte mit „Ace Of Spades“ oder auch mit einer genialen Version von „War Pigs“ ein bunter Querschnitt aus dem Repertoire der Band. Wer jetzt denkt, dass es sich nur um langweilige Coverversionen handeln würde, dem sei gesagt, dass dies nicht der Fall gewesen ist. Es kam das Gefühl auf, dass es sich um eigene Kompositionen der Band handelte. Dieser Eindruck wurde zum einen durch die verwendeten Musikinstrumente wie Mandoline, Banjo und Fidel, zum anderen durch die musikalische Darbietung hergestellt. Aber nicht nur Coverversionen standen auf der Setlist, auch traditionelle Songs gab es, die wie alle anderen im amerikanischen Folk-Stil präsentiert wurden. Richtig lustig wurde es dann mit dem nächsten Song „I’m Keeping Your Poop“ zudem Barley folgendes erklärte: „Wenn dir deine Frau sagt du sollst zur Hölle Fahren und es dir richtig schlecht geht, gibt es nur einen guten Weg da wieder heraus zu kommen. Zuerst musst du so viel trinken, dass du dich in einem Stadium kurz vor der Bewusstlosigkeit befindest und dann schreibst du einen Song über sie. Wenn dir keiner einfällt kannst du auch meinen hier nehmen, den ich in genau so einer Situation geschrieben habe. Dann rufst du deine Ex an und zwar  um drei Uhr morgens und singst ihn ihr vor. Naja und wenn dir das nicht hilft, schlaf mit ihrer Schwester, wie ich.“ Leider hatten die vorherigen Bands überzogen, so dass sie an dieser Stelle aufgrund Zeitmangels nach ihrem instrumentalen Song „Duelling Banjos“ abgebrochen wurden.

Der Funken sprang sofort über, als endlich GOLDEN EARRING, denen sicherlich manche Hardrock- und Metalbands einige Inspiration verdanken und die sogar von den Stones verehrt werden, die Bühne betraten. Diese im Jahr 1961 gegründete Band ist seit 1970 mit demselben Line-Up aktiv und wurde von dem damals 13jährigen George Kooymans sowie seinem 15jährigen Nachbarn Rinus Gerritsen gegründet. Der Name stammt aus einem von Marlene Dietrich im Jahr 1947 vorgetragenen Lied. GOLDEN EARRING ist die älteste Rock´n Roll Band der Welt und die einzige noch existierende Band dieser Zeit mit ca. 400 Songs und über 35 Alben. Los ging es mit „Skyscraper Hell Of A Town“ und es dauerte nicht lange bis das Publikum jubelte und mit Sänger Barry Hay mitsang. Bei manchem bewegenden Song wie „Twilight Zone“ der durch das Palladium hallte, standen so manchem Alt-Hippie die Tränen in den Augen. Bei dem Klassiker „Radar Love", sprangen endgültig alle Fans auf und tanzten mit. Das sind dann die wirklich rührenden Momente die daran erinnerten, wie oft man früher in den Siebzigern zu diesem Song getanzt hatte. Dann kam das berühmte Drumsolo. Hierbei kehrte der Drummer Cesar Zuiderwijk, Jahrgang 1948 und seit 1970 dabei dem Publikum zum Abschluss den Rücken zu, um den großen Gong zu schlagen. Alle freuten sich als der Song danach wieder mit dem bekannten Refrain weiter ging. Nicht immer landete der herumwirbelnde Drumstick sicher in der Hand des weißhaarigen Drummers, aber er nahm es mit Humor. Auf den Boden gefallene Drumsticks und das Tamburin wurden kurzer Hand unter den Fans verteilt. Nach zehn Songs war dann mit „Holy Holy Life“ Ende.

Den Abschluss an diesem Abend machten Government Mule, kurz GOV’T MULE, für die auch eindeutig die meisten Fans angereist waren. Los ging es mit „Hammer & Nails“ einem zugegebernermaßen recht lahmen Einstieg. Aber schon beim nächsten Song „Thorazine Shuffle“ zeigte diese Band, dass sie einfach zu den Besten gehört. Zwischendurch bewies der Drummer Matt Abts, dass er einer der wenigen aktiven Drummer ist, der ungestraft ein mehrminütiges Drumsolo hinlegen darf, wo es keiner wagt, sich Getränke zu holen, denn hier kann man wirklich verdammt viel verpassen. Darüber hinaus bewiesen Andy Hess am Bass und Danny Louis an den Tasten mehrmals, dass sie einfach göttlich spielen können und das alles integriert in einen Gesamtsound, der einen geradezu fliegen lässt. MULE die bekannt sind für ihre variable Setlist, spielten zum Leid einiger Fans, die sich bereits mit T-Shirts ausgestattet hatten, an diesem Abend keinen Song des aktuellen Albums „Déjà Voodoo“, sondern beschränkten sich ganz gemäß dem Motto des Abends auf die Klassiker. So dass in ihrem Repertoire „Rocking Horse“ und zum Abschluss „Soulshine“ zu finden waren, womit endgültig alle Fans auf ihre Kosten kamen, denn da entführen uns Warren Haynes und seine hochklassigen Mitstreiter auf Wolke Sieben des rockmusikalischen Himmels. Nach zwanzig fabelhaften Songs und dennoch viel zu früh war dann endgültig Schluss.

Für alle, die noch nicht genug bekommen haben, ausgestrahlt wird die Classic Rocknacht am 30.06.2007 sowie am 07.07.2007.

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