Rockperry Festival mit Sonata Arctica, Uniklubi, Sunrise Avenue, D.A.D., The 69 Eyes, Hardcore Superstar, Hanoi Rocks
Eigentlich waren wir in dieser Woche ja in Tampere, aber da das Freitag-Lineup vom Rockperry Festival förmlich nach mir schrie, gönnte ich mir einen Austag vom Tammerfest und machte mich am Freitag morgen mit dem Zug auf den Weg ins etwa 250 km entfernte Vaasa, einer beschaulichen kleinen Stadt an der Ostküste Finnlands.
Gratis Festivalbusse brachten die Besucher in regelmäßigen Abständen vom zentralen Marktplatz zur Veskiluoto-Insel, wo das Festival stattfand. Alles schien sehr gut durchorganisiert und innerhalb von Minuten hatte ich meinen Festivalpass und es konnte losgehen. Insgesamt gab es drei Bühnen; die zwei Hauptbühnen, die gegenüber voneinander lagen, und die etwas kleinere Popcity Bühne, die etwas abgelegener war. Die kleinere der Hauptbühnen war in einem zirkusartigen Zelt untergebracht, ganz niedlich mit Sternchen an der blauen Zeltdecke.
Die erste Band des Tages waren SARA, die um 15.30 das Festival eröffneten. Ein klein wenig zeitig vielleicht, aber das ist wohl der Nachteil für die kleineren Bands. Es war weitaus weniger Publikum anwesend als noch am Vortag in Tampere, aber die lauten Zugaberufe bestätigten nur, dass selbst die wenigen Leute das gut 40-minütige Set der Jungs aus Kaskinen liebten.
Weiter ging es auf der großen Bühne mit SONATA ARCTICA, die einen im wahrsten Sinne knalligen Auftritt hinlegten, denn es gab jede Menge pyrotechnische Effekte. Nicht gut für die Ohren, wenn man sich zu dem Zeitpunkt im Fotograben befand, aber es war natürlich toll anzusehen. Auch wenn Sänger Tony die Menge mit “Hallo Vaasa, Finnlands sonnigste Stadt” begrüsste – die Sonne hielt sich leider nicht so daran und es begann leicht zu regnen. Dies hielt die Menge allerdings nicht zurück, die Band gehörig zu feiern, die mehrere Songs des neuesten Albums Unia, aber auch ältere Klassiker wie Victoria’s Secret, Full Moon und Tallulah präsentierten.
Das Festivalgelände war wunderbar, die Bühnen lagen wie gesagt gegenüber von einander, und der Spielplan war so abgestimmt, dass sich nichts überschneiden konnte. Jede Menge Wald drumherum und genügend Grasflächen zum hinsetzen (wenn es denn nicht geregnet hätte). Auch an Rollstuhlfahrer wurde gedacht, denn neben dem Sounddesk der Hauptbühne gab es eine Rampe. Weiterhin hatte man noch die Möglichkeit, Taschen und andere schwere Dinge an einer Garderobe abzugeben, und das Personal war überall sehr freundlich und hilfsbreit.
Mittlerweile hatte es begonnen, wie aus Eimern zu giessen, und ich war sehr froh, dass UNIKLUBI im Zelt spielten, denn so wurde man wenigstens nicht nass. Mittlerweile war das Zelt auch gut gefüllt und die Jungs kamen mit voller Energie zu Menneisyys auf die Bühne gefegt. Ein starker Kontrast zur Show in Rovaniemi, denn diesmal waren alle wach, und selbst Sänger Jussi, der eigentlich sonst weniger als Wirbelwind gilt, hatte seine Freude daran, sich so viel wie möglich zu bewegen, mit dem Publikum zu flirten und seine Bandkollegen etwas zu necken. Warum er allerdings in der Mitte des Sets anfing, Milch (?!) zu trinken, ist mir bislang immer noch ein Rätsel. Bassist Teemu war im Gegenzug eher weniger bewegungsfreudig, und die zwei Gitarristen Janne und Pasi hatten sich bei ihren Gitarrenparts anscheinend viel zu berichten, denn sie klebten zusammen, wann immer sie konnten. Die Setlist war die gleiche wie ein paar Tage vorher in Rovaniemi mit Must-haves wie Rakkautta Ja Piikkilankaa, Kiertää Kehää und Huomenna. Man merkte den Jungs schon an, dass sie verzweifelt gerne neues Material spielen wollen würden. Aber lange müssen sie ja nicht mehr damit warten, denn das dritte Album Luotisade wird ab 22. August zu haben sein. Eine großartige Show auf jeden Fall, sowohl für mich als auch für die Menge, die begeistert mitsang und -klatschte.
Der nächste Act auf der Hauptbühne waren SUNRISE AVENUE. Immer noch regnete es in Strömen und so verkrümelte ich mich lieber ins VIP Zelt, denn persönlich finde ich Sunrise Avenue live nicht ganz so aufregend, speziell da man sie doch auf genügend Festivals im Sommer sehen konnte. Die Teenies in den ersten Reihen waren da aber natürlich zäh, und auch wenn bis auf alle Lagen durchnässt, unterstützten sie ihre Lieblingsband mit tosendem Applaus und begeistertem Kreischen. Alle anderen versammelten sich aber doch lieber im Zelt, um nicht total durchzuweichen.
Dementsprechend schwierig wurde es dann auch, sich für AMORPHIS bis zum Fotograben durchzukämpfen. Das Wasser fing an, ins Zelt zu laufen, und gepaart mit jeder Menge Leuten wurde es schnell schlammig und feuchtwarm. Amorphis begannen mit Leave Scar und The Smoke und konnten das Publikum sehr schnell fangen. Und wieder einmal war ich beeindruckt vom fantastischen Sound im Zelt.
Als D.A.D. (ex-Disneyland After Dark) aus Dänemark die Bühne betraten, hatte es zumindest aufgehört zu regnen. Die Attraktion schlechthin in dieser Band war wohl Bassist Stig, der mit seinem gelben 2-String-Holzbass und blauem Lack-Catsuit mehr wie das uneheliche Kind von Superman und He-Man aussah. Der Rest der Band war, zumindest optisch gesehen, weniger spektakulär. Das Publikum war total aus dem Häuschen, und alle sangen textsicher und begeistert mit, rissen die Hände in die Höhe, und das nicht nur, wenn Sänger Jesper dazu aufforderte. Nach 65 Minuten forderte das Publikum lautstark eine Zugabe, und die Band kam dieser Aufforderung natürlich sehr gerne nach. Musikalisch gesehen war es zwar nicht so mein Ding, aber der Show und dem Publikum nach zu urteilen war es mit Sicherheit eine der besten Shows des Tages.
Als nächstes auf dem Programm standen die Gothmetaller von POISONBLACK. Das Zelt hatte sich mittlerweile etwas geleert als die Jungs um ex-Sentenced Sänger Ville Laihiala mit Raivotar den Anfang ihres circa einstündigen Auftritts markierten. Bereits beim darauf folgenden Soul In Flames gab es Probleme mit der Gitarrentechnik, aber die Techniker konnten das schnell wieder in Ordnung bringen und so ging es problemlos weiter. Villes Stimme ist einfach fantastisch, und obwohl Poisonblacks Sound doch ziemlich heavy ist, gibt es trotzdem noch genug Melodie darin. Ein absolut genialer Gig, der von mir aus für den Rest des Abends hätte andauern können.
Für die nächste Stunde zumindest auf jeden Fall, denn da waren THE 69 EYES dran, die ich persönlich live noch nie so aufregend fand, aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Nach dem Lost Boys Intro, zu dem die Helsinki Vampires die Bühne einnahmen, ging es mit Framed In Blood los und es folgten allgemein bekannte Songs wie Never Say Die, Angels, Gothic Girl and Devils. Die Eyes zogen eine ziemliche Publikumsmasse an und überzeugten die meisten Anwesenden mit ihrem sicheren Goth-Rock-Style und ihrer üblichen Bühnenshow. Aber trotzdem finde ich, dass es sich irgendwie wie Kaugummi zog, und mir war da einfach zu wenig Abwechslung im Set. Aber solange es den Fans gefällt, ist ja eigentlich alles in Ordnung.
Um Mitternacht hiess es dann Bühne frei für die Schweden-Rocker von Hardcore Superstar. Leider wurde ich kurz vorher etwas abgelenkt, da mein Portemonnaie verloren schien. An dieser Stelle möchte ich mich deshalb noch einmal für die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft des Personals bedanken, allen voran bei Dimi, einem der Sicherheitsmänner, der wirklich alles mögliche veranlasste, dass mir geholfen wurde. Zur Info, mein Portemonnaie und ich sind wieder vereint.
Aber zurück zu HARDCORE SUPERSTAR. Gesehen hatte ich sie vorher noch nicht, außer auf der Live DVD, die eine Freundin von mir so begeisterte, und der einzige Song, den ich vorher kannte, war We Don’t Celebrate Sundays. Was die Superstars da hinlegten war allerdings erste Sahne. Das Zelt war absolut voll und die Band nahm das Publikum mit ihrer Energie und Attitude im Sturm ein. Ganz offensichtlich fühlten sie sich auf der Bühne pudelwohl und hatten ihren Spass, und das übertrug sich in Null-Komma-Nichts aufs Publikum. Es war beeindruckend, wie das Publikum dermaßen auf die Band ansprach und mithüpfte, -rockte und die Hände oben hatte. Die Atmosphäre hatte irgendwie etwas von einem Fussballstadion, das Zelt kochte regelrecht. Das ist Power, das ist Rock, das ist Attitude. Um es kurz zu sagen: WOW! Und natürlich verdienten sich Hardcore Superstar damit den Titel ‘Konzert der Woche’ – zumindest für mich. Auch wenn Sänger Jocke der Albtraum eines jeden Fotografen ist, denn stillstehen kann er keine Zehntelsekunde. Nach gut 50 Minuten war das Spektakel vorerst vorbei, aber die Band liess sich nur zu gerne zurück auf die Bühne schreien, und kam für zwei fantastische Zugaben zurück: We Don’t Celebrate Sundays and My Good Reputation. Fazit: alle Rockstars, oder solche die es sein wollen, sollten Hardcore Superstar wenigstens einmal live gesehen haben – denn das ist Rock-School, that’s how you do a gig!
Als Headliner des ersten Festivaltages gaben sich die Herren HANOI ROCKS die Ehre. Mit Oriental Beat stimmten sie ein weiteres energiegeladenes Set an, und Mike Monroe war mal wieder schneller am klettern, als man schauen konnte. Es ist beeindruckend, wie fit der Mann in seinem Alter noch ist. Sowohl das Saxophon als auch die ständigen Kostümwechsel sind standesgemäss Teil der Hanoi Rocks Show und die Menge rockte zu älteren Klassikern wie auch neuem Material ab, was das Zeug hielt.
Insgesamt 31.000 Besucher zähle Rockperry am Wochenende – ein neuer Besucherrekord. Am Samstag, der wettermässig mit viel Sonnenschein etwas angenehmer war, machte ich mich dann allerdings schon wieder auf den Rückweg nach Tampere, und verpasste somit leider die Auftritte von unter anderem DEEP INSIGHT; KOTITEOLLISUUS, THE HELLACOPTERS, WITHIN TEMPTATION und POPEDA. Aber bei der breit gefächerten Auswahl an Sommerfestivals in Finnland muss man sich manchmal eben entscheiden. Aber da mir Rockperry ansonsten gut gefiel, neben den Künstlern und der fantastischen Festivalstimmung vor allem das Gelände und die Organisation betreffend, bin ich ziemlich sicher, dass ich nächsten Sommer wieder einen kleinen Ausflug nach Vaasa machen werde. Für 2007 sagen wir aber auf jeden Fall erst mal vielen Dank an das Team von Rockperry!